„Carsharing“
Die Summe des Teilens

Steigende Spritpreise, Parkplatznot und die Sorge um das Klima: Die Alternative zum eigenen Auto heißt Carsharing. Auch wenn sich bei den Anbietern bis zu 33 Kunden einen Wagen teilen, meist bleiben keine Wünsche offen. Nicht nur Privatleute, auch Unternehmen steigen um – und fahren damit günstiger.
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Ein Anruf genügt. Nur wenige Minuten später und 600 Meter weiter steht das Auto bereit. Mit seiner Chipkarte öffnet Detlef Schumacher das Garagentor, steigt ein und macht sich auf den Weg. Seinen Firmenwagen hat der Möbelhändler vor 13 Jahren verkauft. Seitdem ist er Kunde beim Carsharing-Anbieter Cambio in Köln. „Früher habe ich allein für einen Stellplatz so viel bezahlt, wie ich jetzt insgesamt fürs Autofahren ausgebe.“

Steigende Spritpreise, Parkplatznot und die Sorge um das Klima bringen immer mehr Menschen dazu, ein Auto mit anderen zu teilen. Nach Angaben des Bundesverbands Carsharing machen in Deutschland schon rund 100 000 Autofahrer dabei mit. Allein 2006 kamen 12 000 neue Carsharing-Kunden hinzu – eine größere Steigerung als je zuvor.

Bis zum Beginn der Neunzigerjahre hatte Carsharing den Touch von Wohngemeinschaft und Öko-Selbsthilfegruppe. Wer mitmachen wollte, musste sich oft noch ehrenamtlich engagieren. Inzwischen sind an die Stelle basisdemokratischer Grüppchen kommerzielle Anbieter getreten. Insgesamt gibt es rund 100 Vermieter. Vier Große dominieren den Markt – Greenwheels, Cambio, Stadtmobil und der Ableger der Deutschen Bahn, DB Carsharing. Sie organisieren das Autoteilen und stellen Autos deutschlandweit auf Abruf zur Verfügung. An rund 1 500 Carsharing-Stationen stehen mittlerweile 3 000 Fahrzeuge bereit. Vor einem Jahr waren es noch 200 Stationen und 200 Fahrzeuge weniger.

„Carsharing zahlt sich für Leute aus, die nur wenig fahren“, sagt Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Und wenn das Auto nicht als Hauptverkehrsmittel dient und die meisten Wege im Alltag mit Bus, Bahn oder Fahrrad zurückgelegt werden. Bei weniger als 7000 Kilometern jährlich ist laut Lottsiepen das Carsharing günstiger als das eigene Auto. Wer zum Beispiel im Monat nur 500 Kilometer mit dem Wagen fährt, zahlt beim Carsharing für einen Kleinwagen rund 180 Euro. Das eigene Auto kostet nach Berechnungen des VCD mindestens 300 Euro monatlich – allein der Wertverlust macht einen großen Teil davon aus.

Doch nicht nur Privatleute, die ein Auto zum Einkaufen oder am Wochenende benötigen, können sparen. Für kleine und mittelständische Unternehmen kann sich Carsharing als Alternative zum hauseigenen Fuhrpark lohnen. Dienstwagen binden Kapital, das an anderen Stellen fehlt. Sie werden meist unregelmäßig genutzt, am Wochenende häufig gar nicht. Carsharing-Autos kosten nur dann Geld, wenn sie gefahren werden. Benötigt das Unternehmen einen Wagen zum Beispiel nur montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, werden ausschließlich diese Zeiten per Dauerauftrag gebucht. In der übrigen Zeit steht es auch Privatleuten zur Verfügung.

Die meisten Anbieter haben zudem spezielle Tarife für Firmenkunden und sorgen für den Unterhalt der Flotte. Steuern, Versicherung und Wartung sind im Preis inbegriffen. Weder mit Ölwechsel noch mit Reifenwechsel im Winter haben die Kunden zu tun. Im Gegensatz zum Mietwagen kommt ein Carsharing-Auto dafür nicht nach jeder Fahrt, sondern nur alle paar Wochen in die Waschanlage. Zwischendurch sollte eigentlich jeder Fahrer das Auto sauber halten.

Aber wenn der Handwerker mal eben einen Sack Zement transportiert oder das Herrchen seinen Hund auf dem Rücksitz Platz nehmen lässt, sieht das Auto anschließend nicht unbedingt so aus, wie es sich der Nächste wünscht.

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