Champions im Visier
Französischer Investor greift nach deutschen Mittelständlern

Mithilfe eines früheren Top-Managers der Deutschen Bank will die französische Investmentgesellschaft Wendel deutsche Mittelständler kaufen. Wen das Unternehmen genau im Blick hat, ist unklar - Diskretion wird bei einer der vornehmsten und reichsten Familien der französischen Wirtschaft groß geschrieben. Einblicke in eine Geschäftswelt.

HB. Es geht gediegen zu in dem edlen Palast der Wendel-Firmenzentrale, die sich hinter einem unauffälligen Eingang in der schmalen Rue Taitbout im 9. Pariser Arrondissement verbirgt. Möbel der klassischen Moderne, aber auch edle Antiquitäten bestimmen die Einrichtung. Von drinnen schweift der Blick in einen großen Garten - die Finanzkrise ist hier, in diesen ehrwürdigen Räumen, zunächst nur ein entferntes Phantom.

Das globale Monster hat zwar alles kräftig durcheinandergewirbelt. Und der Börsenwert von Wendel Investissement, einem der traditionsreichsten, größten und zugleich diskretesten und verschlossensten Investoren in Europa, schrumpfte innerhalb weniger Monate von vier Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro: "Doch wir haben unsere Strategie angepasst und engagieren uns vor allem in Segmenten, in denen wir langfristig Wachstumspotenzial sehen", sagt Wendel-Vorstandschef Jean-Bernard Lafonta in einem der seltenen Gespräche.

Was er unter anderem damit meint - gerade hat Wendel für 200 Millionen Dollar ein Ölfeld vor Gabun gekauft. Die Ratingagentur Standard & Poor?s hat Wendel auf das Niveau von Junk-Bonds heruntergestuft, doch habe Wendel bis 2011 keine Kreditverpflichtungen zu erfüllen und zwei Milliarden Euro in der Kasse. Jüngst veröffentlichte Studien etwa von der Investmentbank Chevreux oder der Deutschen Bank teilen die Einschätzung: Die Abstufung habe "keine Auswirkungen auf die Kosten der Bonds oder die Liquidität der Gruppe", meint die Deutsche Bank. Größere Zahlungsverpflichtungen werden in den nächsten Jahren nicht fällig.

Der 45-jährige Lafonta hat auch Nahziele vor Augen - und im Visier hat er Deutschland. "Dort gibt es viele mittelständische Unternehmen mit enormen Qualitäten, die in ihren Segmenten Weltmarktführer und stark exportorientiert sind. Wir möchten ihre Entwicklung als Partner langfristig begleiten", sagt Lafonta. Wer das sein wird, wen er im Blick hat? Da lächelt der Profi und schweigt.

Diskretion wird groß geschrieben bei Wendel, einer der vornehmsten und reichsten Familien der französischen Wirtschaft. Bereits vor 304 Jahren wurde das Unternehmen gegründet, ursprünglich als Stahl- und Kohlekonzern. Die vor allem in Lothringen liegenden Stahlwerke wurden 1976 verstaatlicht.

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