Chance für deutsche Firmen
Russland braucht Maschinen

Maschinen und Ausrüstungen stellen über die Hälfte der russischen Importe. Der enorme Investitionsbedarf wird auch in den nächsten Jahren für zweistellige Zuwächse beim Absatz von Kapitalgütern sorgen. Da die einheimischen Unternehmen qualitativ kaum mithalten können, bestehen für ausländische Anbieter weiterhin sehr gute Absatzchancen – besonders für deutsche.

MOSKAU. Russlands Modernisierungsbedarf auf allen Ebenen führt immer noch zu einer großen Nachfrage nach Kapitalgütern. Die Bruttoanlageinvestitionen sind 2006 um fast 14 Prozent auf rund 4 500 Mrd. Rubel gestiegen (132 Mrd. Euro, Jahresdurchschnittskurs 2006: 1 Euro = 34,11 Rubel). Einen stabil hohen Ölpreis vorausgesetzt, werden die Zuwächse bei den Investitionen auch in den kommenden Jahren zweistellig bleiben. Über 40 Prozent der Bruttoanlageinvestitionen fließen nach Angaben der Statistikbehörde in die Anschaffung von Maschinen, Ausrüstungen und Transportmitteln.

Dank der Preiskonjunktur an den Weltrohstoffmärkten wird Russlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Prognosen des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Handel bis 2010 jährlich um mindestens 6 Prozent wachsen. Doch um die anziehende Binnennachfrage befriedigen zu können, müssen Russlands Unternehmen mehr investieren. Daneben zwingt das schnelle Wachstum der Reallöhne von über 10 Prozent pro Jahr zu Produktivitätssteigerungen. Hinzu kommt der im Vergleich zum US-Dollar immer stärker werdende Rubel, der Einfuhren verbilligt und Exporte verteuert. Zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit brauchen die Betriebe daher neue Maschinen und Anlagen. Das aktuelle Marktvolumen für Maschinenbauerzeugnisse wird von Experten auf 35 Mrd. bis 40 Mrd. Euro jährlich geschätzt.

Nach verschiedenen Schätzungen beträgt der Verschleißgrad der russischen Produktionsanlagen bis zu 75 Prozent. Drei von vier Firmen investieren deshalb in die Erneuerung bereits abgeschriebener Maschinen und Ausrüstungen. Zur Finanzierung ihrer Ausbaupläne nutzen Großunternehmen inzwischen westliche Kapitalmärkte für Börsengänge oder die Begebung von Anleihen.

Hohen Bedarf an Förder- und Transportanlagen hat naturgemäß der russische Rohstoffsektor. Daneben sind für die nächsten Jahre gewaltige Investitionen in der Energieerzeugung zu erwarten. Bis 2010 sollen 90 Mrd. Euro in die Stromwirtschaft fließen. Der führende russische Kraftwerksausrüster Silowye Maschiny ist für diese Nachfrage kaum gerüstet, so dass ausländische Lieferanten gute Geschäftschancen haben. Gleichzeitig soll die Produktionsbasis von Silowye Maschiny für 1 Mrd. Dollar modernisiert werden, um das Unternehmen konkurrenzfähiger zu machen.

Im Energiebereich, aber auch in anderen Sektoren, spielt der Staat eine zunehmend wichtigere Rolle als Kapitalgeber. Auf Initiative des Präsidenten bündeln der Flugzeugbau und die Werften Aktiva und bilden Holdings. Für die Entwicklung neuer Passagierflugzeuge sollen aus dem Staatshaushalt zwischen 2007 und 2015 etwa 6,8 Mrd. Dollar bereitgestellt werden. Die Werften des Landes bekommen bis 2009 über 1 Mrd. Dollar für neue Produktionsanlagen. Beim größten Automobilhersteller Avtowaz hat der staatliche Rüstungsexporteur Rosoboronexpert die Aktienmehrheit übernommen.

Die Investitionsdynamik in der Kfz-Industrie kommt aktuell aber vor allem von ausländischen Investoren. Immer mehr internationale Automobilkonzerne entdecken das Land als Produktionsstandort. Die Zahl der in Russland hergestellten Pkw soll bis 2010 um etwa ein Drittel auf 1,5 Mill. Fahrzeuge steigen. Fast 40 Prozent davon dürften dann ausländische Marken sein.

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