Chancen für Exporteure
Asien ist das neue Gravitationszentrum

Wer in diesen Tagen von Asiens Wirtschaft spricht, meint vor allem China und Indien. Mit atemberaubender Geschwindigkeit sind China und Indien zu "Global Playern" avanciert. Mittlerweile spielt Indien im globalen Dienstleistungssektor eine vergleichbare Rolle wie China im Bereich Produktion. Für Exporteure bietet der Kontinent viele Chancen.

KÖLN. Dabei sind es längst nicht mehr nur die günstigen Lohn- und Produktionskosten, die enorme Anziehungskraft auf ausländische Investoren haben. Beide Staaten verfügen auch über eine wachsende Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte. Inzwischen kommt jeder dritte IT-Experte weltweit aus Indien, China hat jährlich etwa fünfzehnmal so viele Ingenieursabsolventen wie Deutschland. Doch auch in den bisherigen westlichen Domänen wie Forschung und Entwicklung sind die asiatischen Wirtschaftsriesen auf dem Vormarsch. Auch als Absatzmärkte für Investitionssowie Luxusgüter gewinnen die beiden Giganten mit einer Gesamtbevölkerung von knapp zweieinhalb Mrd. Menschen an Bedeutung. Die wachsende und konsumfreudige Mittelschicht in den beiden Ländern entspricht etwa der Gesamtbevölkerung Europas.

China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Asien. Seit 1998 wächst der deutsche Export dorthin im zweistelligen Bereich. Bereits jetzt ist das Land auf Platz 4 beim deutschen Lieferanten-Ranking vorgeprescht und wird 2006 voraussichtlich die USA als drittwichtigsten Beschaffungsmarkt überholt haben. Sein anhaltend hohes Wirtschaftswachstum und den damit verbundenen immensen Energiebedarf will China künftig verstärkt durch Nachhaltigkeit und Energieeffizienz abfedern. Gerade hier werden sich lukrative Geschäftschancen für die deutsche Wirtschaft ergeben.

Indien könnte laut aktuellen Prognosen bis spätestens 2020 zur drittgrößten Volkwirtschaft der Welt avanciert sein - nach USA und China. Der bilaterale Handel mit Deutschland hat 2005 ein Rekordhoch erreicht - und im ersten Quartal 2006 haben die deutschen Exporte nach Indien wiederum um knapp 50 % zugelegt. Allein der indische Einzelhandel verzeichnet derzeit jährliche Wachstumsraten von 25 %. Darüber hinaus wird die deutsche Exportwirtschaft insbesondere bei Investitionsgütern auch künftig zulegen können, zumal sich Indien nicht nur als "Backoffice" sondern zunehmend auch als industrieller Fertigungsstandort profilieren will.

Allerdings ist die deutsche Wirtschaft in Asien auch mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Gerade der Mittelstand benötigt hier politische Flankierung - vor allem bei so sensiblen Themen wie staatlich oktroyiertem Technologietransfer, Schutz geistigen Eigentums oder Produkt- und Markenpiraterie.

Die Autorin ist Referatsleiterin Asien-Pazifik, DIHK.

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