Chancen für Mittelständler
Deutsche Firmen zieht es in den Osten

Die Wachstumsmärkte der östeuropäischen und asiatischen Länder bieten viele Chancen, zunehmend auch für Mittelständler. Der Trend verstärkt sich bei schwacher Konjunktur. Doch die Sicherung des geistigen Eigentums bleibt ein Problem.

HAMBURG. Reife und gesättigte Märkte, wie wir sie in Deutschland vorfinden, lassen lokale Wachstumsstrategien schwierig werden. Wie Großunternehmen sehen daher auch Mittelständler zunehmend ihre Chancen in den Wachstumsmärkten Osteuropas und Asiens. Zweistellige Zuwachsraten sind dort unter Beteiligung am durchschnittlichen Marktwachstum möglich, ohne dass sich Unternehmen auf ruinöse Verdrängungswettbewerbe einlassen müssen.

Export ist für die weitaus größte Anzahl deutscher mittelständischer Unternehmen nach wie vor ein wichtiger Absatzweg. Ein darüber hinausgehendes Engagement durch Gründung von Niederlassungen, Aufbau von Produktionsstätten oder durch Akquisitionen vollzog sich jedoch bis vor zehn Jahren im Mittelstand fast ausschließlich in den Staaten Westeuropas und Nordamerikas. Ausnahmen gab es in der seit Jahrzehnten unter Lohnkostendruck stehenden Textilindustrie. Durch die Öffnung Osteuropas und der nachhaltig positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Asien werden in der Einschätzung der Mittelständler die Risiken eines Engagements auf den früher eher exotischen Märkten durch deren Chancen überkompensiert.

Teilweise vollziehen sich diese Schritte allerdings durch den Druck von bedeutenden Abnehmern, wie in der Auto-Zulieferindustrie. In diesen Fällen steht in der Regel die durch geringe Lohnkosten mögliche kostengünstige Produktion im Vordergrund. Allerdings verändern steigende Löhne und Steuern in China sowie höhere Frachtkosten inzwischen den Markt. Somit setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Akquisition von auf diesen Märkten eingeführten Unternehmen oft zielführender ist als ein zeitintensiver und mit deutlich höherem Risiko verbundener Greenfieldstart. Das gilt insbesondere für den Mittelständler, der in der Regel nicht über einen ausreichend großen Fundus an qualifizierten und im jeweiligen Land erfahrenen Mitarbeitern verfügt, die im Stammunternehmen entbehrlich sind.



So steigt seit geraumer Zeit die Nachfrage nach zum Markteintritt geeigneten Unternehmen stetig. Die Märkte Osteuropas erregen hier gerade beim Mittelstand, der bislang die kulturellen Unterschiede und große Entfernungen eher gescheut hat, erhöhte Aufmerksamkeit. Zunehmend werden auch Regionen interessant, die bisher eher an der Peripherie des Einzugsgebiets deutscher Mittelständler lagen, wie die Ukraine. Die jüngste Entwicklung der Krise zwischen Russland und Georgien hat die Region allerdings etwas ins Hintertreffen geraten lassen. Auch Asien, wenngleich eher mit etwas Abstand, steht auf der Einkaufsliste für Unternehmen im deutschen Mittelstand. Indien und China ziehen auf Grund der schieren Marktgröße immer noch das meiste Interesse auf sich.

Außerdem steigt in beiden Ländern die Binnennachfrage deutlich. Allerdings finden auch Staaten wie Vietnam oder Indonesien wachsendes Interesse. Insbesondere ein völlig jungfräulicher Markt wie Vietnam, der dazu noch in seiner geografischen Größe überschaubar ist, bietet für deutsche Mittelständler viel versprechende Chancen. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend bei lahmender westeuropäischer Konjunktur weiter verstärken dürfte. Nicht zu übersehen bleibt allerdings ein nicht unerhebliches Risiko hinsichtlich der Sicherung des geistigen Eigentums insbesondere auf den asiatischen Märkten. Gerade auch vor diesem Hintergrund sind es vor allem Unternehmen des gehobenen Mittelstandes, die diese Unwegbarkeiten leichter in Kauf nehmen können.



Hans Bethge ist geschäftsführender Partner bei Angermann M&A International GmbH.

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