Chancen für neue Marken und Einzelhändler
„Dubai wird Do-buy“

Waren es früher die Oasen, in denen der Arabien-Reisende sich stärken und in kühlem Schatten durchatmen konnte, so sind es heute die großen Shopping Malls. Überall in der arabischen Welt werden sie gebaut. Der große Trendsetter ist Dubai. Wer dort Fuß gefasst hat, darf bald die gesamte Region beliefern.

DUBAI. Große Sortimentslücken gibt es nicht mehr, wohl aber Platz für noch mehr Auswahl. Für deutsche Produkte und deutsche Einzelhandelsketten bieten sich Marktchancen.

Wie kaum eine andere Stadt in der Region hat es Dubai verstanden, sich als attraktive Metropole in der arabischen Welt zu vermarkten. Die Bilder von palmengesäumten Stränden, luxuriösen Hotels und malerischen Holzbooten vor Bur Dubai hat fast schon jeder gesehen - Mittelpunkte des Lebens sind diese Orte aber nicht. Strände und Hotels sind nur für deren Gäste zugänglich und die Altstadt ist nur auf den ersten Blick attraktiv.

Mehr als die Hälfte Jahres ist es im Freien zudem viel zu heiß, um freiwillig dort herumzulaufen. Stattdessen findet das Leben in den großen Shopping Malls statt.

Vor allem am Wochenende und am Abend gilt: Wer nicht zu Hause vor dem Fernseher sitzen mag, geht in eine Mall. Dort gibt es nicht nur Geschäfte sondern auch Imbissstände und Restaurants, Kino und Theater, Fitnesscenter sowie in der Mall of the Emirates auch eine Ski-Halle. Für Investoren sind die großen Einkaufszentren bislang ein garantiertes Geschäft, meist schon in sieben Jahren haben sie ihr eingesetztes Kapital wieder zurück.

Kein Wunder, dass ständig neue und immer noch größere Konsumtempel gebaut werden. Waren bisher Dubai Festival City und the Mall of the Emirates mit 240.000 beziehungsweise 220 000 Quadratmeter vermietbarer Bruttofläche (gross leasable area; GLA) die Größten, so werden die im Bau befindliche Mall of Arabia und The Dubai Mall mit mehr als 400 000 Quadratmeter GLA beziehungsweise etwa 350.000 Quadratmeter GLA noch einmal kräftig draufsatteln.

Insgesamt waren Ende 2007 alleine in Dubai rund 2,2 Mio. Quadratmeter neue Mall-Verkaufsflächen im Bau. Das Emirat ist damit der am schnellsten zulegende Einzelhandelsmarkt der Welt. Ob es nun die rasch wachsende Bevölkerung ist oder die Touristen, die von dem immer größer werden Shopping-Angebot angelockt werden, ist dabei eigentlich egal. Hauptsache sie folgen dem Rat, den Dubai schon am Flughafen allen Ankömmlingen erteilt: "Do-buy".

Dabei haben die Mall-Betreiber allerdings ein wachsendes Problem: Es fehlt an neuen Geschäftsideen und Marken. Die Mall oft the Emirates hat etwa 400 Läden, die Dubai Mall wird auf 1200 Geschäfte ausgelegt. Die bekannten internationalen Designer-Label sind mittlerweile in jeder größeren Mall vertreten: Immer die gleichen Schuhläden, immer die gleichen Bekleidungsgeschäfte - selbst hartgesottene Window-Shopper drohen da zu ermüden.

Deutsche Anbieter könnten die Langeweile vertreiben. Viele bekannte und erfolgreiche Markenprodukte fehlen noch im Angebot der Shopping Malls. Für deutsche Einzelhandelsketten besteht die Chance, eigene Konzepte zu exportieren. Wenn IKEA überaus erfolgreich in den Golfstaaten Fuß fast, warum sollte dies zum Beispiel nicht auch deutschen Baumärkten gelingen? Kein Araber würde einen Kleiderschrank zusammensetzen wollen, hatte es zuvor geheißen, in den Golf-Staaten könne das Konzept der Schweden gar nicht funktionieren.

Die Realität hat die Kritiker eingeholt. Erstens wohnen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sehr viel mehr Ausländer als Einheimische und zweitens muss niemand schrauben, der das nicht will. Wer für einen bestimmten Mindestpreis bei IKEA einkauft, bekommt die Ware geliefert und montiert. Arbeitskräfte sind billig.

Nach dem gleichen System funktionieren auch andere Geschäfte. Wer ein Bäumchen für den Garten kauft, braucht sich die Hände nicht selbst schmutzig zu machen. Kundiges Personal liefert auch das automatische Bewässerungssystem gleich mit und verlegt es. Warum also nicht mal einen Do-it-Yourself-Markt einrichten, bei dem auf Wunsch der Handwerker gleich mitgeliefert wird.

Auch ein Discount-Konzept à la Lidl oder Aldi wäre nicht chancenlos. Für den, der schnell und überschaubar einkaufen will, haben die großen Supermärkte der VAE alle den gleichen Nachteil: Sie sind viel zu groß, haben zu viele gleiche, sich kaum unterscheidende Produkte und die Abfertigung an der Kasse ist eher langsam.

Wer 20 verschiedene Standardartikel für den täglichen Bedarf einkaufen will, ist leicht eine Stunde beschäftigt. Kommt eine Parkplatzsuche noch dazu, auch sehr viel länger. Und noch ein weiterer Punkt spräche für das Discounter-Konzept: Fast alle Bewohner der Golfstaaten klagen über die kräftig gestiegenen Lebensmittelpreise.

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