Chancen in Beneluxregion
Ähnliche Mentalität, strategische Lage, gute Geschäfte

Deutschlands wichtigster Handelsschwerpunkt ist mit Abstand die Beneluxregion. Die Exporte dorthin wachsen jährlich um Milliarden Euro. Die Standorte eignen sich besonders für den Überseehandel. Große Geschäftschancen bestehen aber auch in der Finanzindustrie und Informationstechnik. Deutsche müssen allerdings auch die Besonderheiten des Ländertrios beachten.

Hinter den Bevölkerungsriesen Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) brauchen sich Belgien, Niederlande und Luxemburg nicht zu verstecken: Deutsche Firmen haben mit der Nachbarregion von 2000 bis 2006 zusätzliche Exportgeschäfte im Wert von 38 Milliarden Euro abgeschlossen – derselbe Zuwachs wie im Ausfuhrgeschäft mit den BRIC-Staaten.

Die Beneluxländer bieten weitere Vorteile: „Ähnliche Mentalität und kurze Wege sprechen für gegenseitige Geschäfte“, meint Axel Gerberding, Geschäftsführer der Deutsch-Niederländischen Handelskammer. Der Handel mit der Region bleibt für deutsche Unternehmen auch künftig lukrativ. Belgien soll 2007 real rund fünf Prozent mehr Waren und Dienstleistungen importieren als im Vorjahr, die Niederlande knapp sieben Prozent und Luxemburg etwa zehn Prozent mehr.

Der Außenhandel bleibt der Wachstumsmotor der drei Volkswirtschaften. Die Standorte eignen sich besonders für den Überseehandel. Deutsche, amerikanische und asiatische Firmen schätzen sie seit Langem als ihre Handelsdrehscheiben und Finanzzentren mit guten Verbindungen im inner- und außereuropäischen Waren- und Kapitalverkehr. So heißt Deutschlands wichtigster Handelshafen Rotterdam. Er schlägt mit knapp 60 Millionen Tonnen pro Jahr mehr deutsche Waren um als alle deutschen Seehäfen zusammen. Im belgischen Antwerpen werden rund 21 Millionen Tonnen deutsche Güter verschifft. Beide Häfen symbolisieren die engen Verknüpfungen der deutschen Wirtschaft mit der Region Benelux.

Zwar verschieben sich durch die EU-Erweiterung Standorte in Richtung Osten: Das Logistikunternehmen DHL verlagert 2008 sein europäisches Luftfrachtdrehkreuz von Brüssel nach Leipzig. Eine unbegrenzte Nachtflugerlaubnis und die kürzeren Wege in die neuen Mitgliedstaaten gaben den Ausschlag. Im Überseehandel kann Benelux aber immer noch seine Karten ausspielen. Der koreanische Elektronikkonzern Samsung hat Ende 2006 sein europäisches Kunden- und Distributionszentrum von Großbritannien in den Beneluxpark bei Breda in den Niederlanden verlegt. „Die strategische Lage, die mehrsprachigen Arbeitnehmer, die Logistikerfahrungen und Infrastruktur waren die entscheidenden Kriterien für die Niederlande“, begründete ein Projektmanager von Samsung die Entscheidung.

Deutsche Unternehmen haben den Vorteil, dass sie Geschäfte mit Unternehmen aus Belgien, den Niederlanden oder Luxemburg ohne weite Wege vereinbaren können. Ungefähr 2700 Unternehmen aus der Region sind in Deutschland mit Direktinvestitionen von 221 Milliarden Euro tätig. Das sind 42 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland. Rund 2000 deutsche Unternehmen haben in der Beneluxregion investiert.

Trotz der immensen Bedeutung des Ländertrios für die deutsche Exportwirtschaft gilt: Jedes Land hat seine besonderen Vor- und Nachteile. Das schwierige Kündigungsrecht in den Niederlanden, die hohen Arbeitskosten in Belgien und die Personalknappheit in Luxemburg setzen den Unternehmern zu. Dafür punkten die Niederlande mit einem expandierenden Konsumgütermarkt. Belgien besteht aus drei autonomen Regionen mit verschiedenen Sprachen und Wirtschaftsstrukturen: Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt.

Daher muss ein Unternehmer in Belgien drei unterschiedliche Märkte erschließen. Viele ausländische Konzerne nutzen Belgien wegen seiner kulturellen Vielfalt als Testmarkt für ganz Europa. Luxemburg ist der kleinste und reichste Beneluxstaat. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 64 100 Euro pro Kopf hat das Land die höchste Wirtschaftsleistung der Welt – sie ist doppelt so hoch wie in Deutschland. Die größten Geschäftschancen bieten Luxemburgs Finanzindustrie und Informationstechnik.

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