Chancen und Risiken des Global Sourcing
Wie Mittelständler grenzenlos einkaufen

Immer mehr Mittelständler nutzen die weltweiten Beschaffungsmärkte: Sie wollen ihre Kosten senken, neue Technologien erwerben oder auf diesem Weg den Vertrieb unterstützen. Doch für das globale Einkaufsmanagement bedarf es nachhaltiger Konzepte.

Das Traditionsunternehmen steht mit dem Rücken zur Wand: Neue Wettbewerber bieten zu traumhaften Konditionen an, Kunden springen ab, die Gewinne sinken dramatisch. Eine schnelle Lösung ist gefragt, die Geschäftsführung fordert vom Einkauf umgehende Einsparungen. Nach einer weltweiten Anfrage werden die Preise verglichen und der bisherige Hauptlieferant ersetzt. Doch die Hoffnung, dass der neue Partner im Ausland im Laufe der Zeit die gewohnte Qualität liefert und auch die Logistik beherrscht, erfüllt sich nicht. Die Folgen mangelnder Planung und fehlender Marktkenntnis bedrohen nun die Existenz des Serienherstellers.

„An die globale Beschaffung werden oft unrealistische Erwartungen gerichtet. Was mit den Lieferanten am Heimatstandort ein über Jahre gewachsener Prozess ist, kann in der Zusammenarbeit über Länder- und Sprachgrenzen hinweg ein Sandkorn im Getriebe sein, das den gesamten Prozess zum Stillstand bringen kann“, beurteilt Hanno Brandes, Geschäftsführer von Management Engineers, die Situation. Der Berater plädiert für einen nachhaltigen Ansatz mit einer sorgfältigen Bewertung von Chancen und Risiken des Global Sourcing.

Auch für Patrick Zimmermann, Geschäftsführer der PGMC & Company in Düsseldorf, erhöht kurzfristiges Kostendenken beim Auslandseinkauf das Risiko. Dennoch sieht Zimmermann in Einsparungen bei der Beschaffung den effektivsten Weg zur Steigerung der Umsatzrendite und bringt das Potenzial in einer einfachen Rechnung auf den Punkt: „Bei einem Umsatz von 50 Millionen Euro, einem Beschaffungsvolumen von rund 20 Millionen Euro und einem fiktiven Gewinn von fünf Millionen Euro bedeutet eine zehnprozentige Einsparung durch Optimierung der Einkaufsprozesse eine Gewinnsteigerung von 40 Prozent.

Vergleichbare Resultate durch überproportionale Steigerungen des Umsatzes sind eher die Ausnahme.“ Die Unternehmensberatung mit Niederlassungen in Asien, Osteuropa und im Nahen Osten erarbeitet für mittelständische Unternehmen internationale Beschaffungs- und Logistikkonzepte.

„Im Vertrieb können wir kaum höhere Preise verlangen. Das größte Potenzial liegt im Einkauf“, bestätigt Manfred Dahmen, Geschäftsführer des Nahrungsmittelherstellers Zimbo. Dahmen spricht aus Erfahrung. Er verantwortet bei dem Mittelständler das Projekt „Beschaffung in Niedriglohnländern“. Dabei verlässt sich der Finanzchef bei der Marktanalyse und der Bewertung neuer Lieferanten auch auf die Unterstützung von PGMC. Entscheidend sind jedoch Qualität und Sicherheit der Lieferantenbeziehung: Partner in den europäischen Nachbarländern werden bevorzugt. Die Beschaffung strategischer und sensibler Produkte aus dem Ausland bleibt tabu.

Für die Entscheidung, mit Lieferanten aus dem Ausland zu arbeiten, gibt es viele Gründe. Häufig stehen nicht Einspareffekte, sondern die Markterschließung oder Gegengeschäfte im Vordergrund. Vor allem Kfz-Hersteller erwarten von Zulieferern einen Beitrag zur Wertschöpfung. Auch Technologieaspekte sind für die zunehmende Auslandsbeschaffung verantwortlich. Ohne Nutzung innovativer Komponenten aus anderen Hightechländern bleibt das Gesamtprodukt häufig nicht konkurrenzfähig.

Die Schwierigkeiten des Global Sourcing zeigen sich meist erst in der laufenden Zusammenarbeit mit einem neuen Partner. Nach den ersten einwandfreien Lieferungen nimmt die Qualität der Produkte ab, Serienteile kommen zu spät, Ansprechpartner wechseln und Plagiate tauchen auf. Dass Beschaffungssicherheit, niedriger Preis und hohe Qualität dennoch kein Widerspruch sind, betont Holger Hildebrandt vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME): „Durch systematischen Ablauf und permanente Kontrolle lassen sich die meisten Risiken eingrenzen.“

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