Chef auf Zeit
Miet-Manager ohne Mätzchen

Interim-Management gilt als eine Möglichkeit, um kurzfristig und effizient an Spezialisten zu kommen - doch viele Firmen bleiben skeptisch. Sie fürchten einen Imageverlust, wenn sie Chefs auf Zeit einsetzen. Dabei fangen Interim-Chefs da an, wo Berater meist aufhören und Zeitarbeiter nie hinkommen.

DÜSSELDORF. Ein flüchtiger Blick auf den fünfseitigen Lebenslauf von Rudolf Kaplan vermittelt einen unsteten Eindruck. Seit zehn Jahren ist der Einkaufsleiter selten länger als sechs Monate bei einer Firma. So soll es auch sein: Er ist Führungskraft auf Zeit, ein Interim-Manager, der immer einspringt, wenn ein Unternehmen Hilfe braucht.

Für einen Hersteller von Armaturen brachte Kaplan die Einkaufsstrategie, Verträge und Verkäufer auf Vordermann. Ein halbes Jahr Zeit hatte er dafür, Einarbeitung des festen Nachfolgers inklusive. Es folgten Einsätze für einen Maschinenbauer, einen Bauzulieferer und Helmhersteller. "Ich habe Probleme, meinen Urlaub zu planen", sagt Kaplan, der von einem Auftrag zum nächsten eilt.

Als Manager auf Zeit ist Kaplan ein gerngesehener Gast. "Ein wesentlicher Vorteil für Unternehmen ist, dass ich ohne jegliche Einarbeitungszeit vom ersten Tag an loslegen kann, da ich die Probleme kenne und in kurzer Zeit lösen muss. Wissen und Erfahrung sind kurzfristig verfügbar", meint Kaplan. Zudem fallen Mätzchen wie Dienstwagen und Bonus weg.

Kaplans schätzungsweise 10 000 Berufskollegen hierzulande sind meist ähnlich gut im Geschäft. Nach Angaben des Arbeitskreises Interim Manager Provider (AIMP) streichen sie insgesamt 1,3 Mrd. Euro an Honoraren im Jahr ein. Doch die wenigsten Unternehmen haben Zeitarbeiter in Führungsetagen genutzt. Nach einer Umfrage von Boyden Interim Management und Betriebswirten der Universität Gießen haben 80 Prozent von 350 befragten Firmen noch nie einen Manager auf Zeit eingesetzt.

Rüdiger Kabst, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Personalmanagement in Gießen und Mitautor der Studie, erklärt sich die Zurückhaltung so. "Hier zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei den Beratungen vor 30 Jahren: Viele Firmen gehen davon aus, ihre Probleme allein in den Griff zu bekommen, oder fürchten einen Imageverlust, wenn sie Interim-Manager einsetzen."

Sein Fazit: "Bisher hat sich der Markt der Interim-Manager in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Zu viele Vorbehalte und Wissensdefizite der Unternehmen stehen einer Zusammenarbeit im Weg."

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