China Maschinen statt Menschen

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Dramatische Folgen

Wie dramatisch die Folgen der Automatisierung für China selbst sein werden, zeigt Interroll. Das deutsch-schweizerische Unternehmen mit einem Umsatz von rund 225 Millionen Euro im vergangenen Jahr produziert in Suzhou Rollen für Förderbänder, die in Fabriken, auf Flughäfen oder im gerade eröffneten Paket-Zentrum der Deutschen Post in Shanghai zum Einsatz kommen.

Während das Unternehmen Autozulieferern und Logistikern hilft, ihre Produktion zu automatisieren, steht Interroll in China kurz vor der Vollautomatisierung. Geschäftsführer Sean Foong strahlt, wenn er seine neue Produktionsanlage vorführen kann, bei der vier hintereinander geschaltete Maschinen Teile selbstständig fixieren und stanzen.

Seit Ende Mai produziert die Anlage 31.000 Rollen pro Woche - mit sechs Arbeitern. Weniger Menschen, das bedeutet weniger Fehler in der Produktion, weniger Ausschuss und konkurrenzfähigere Produkte. "Billigarbeit wird sterben", glaubt Foong. "Das Cheap-Labor-Modell in China neigt sich dem Ende zu", bestätigt auch sein Landsmann Wang Wayne, Geschäftsführer der Unternehmensberatung CDP in Shanghai.

Doch was wird aus den Scharen ungelernter Arbeiter, die durch die neuen Maschinen ihren Job verlieren? Laut Foxconn bringt die Automatisierung nicht nur finanzielle Einsparungen: Durch die Umstellung der Prozesse würden zudem Mitarbeiter von einfachen, sich ständig wiederholenden Tätigkeiten entlastet. Das schaffe Kapazitäten für intellektuell anspruchsvollere Arbeiten mit höherer Wertschöpfung. Und würde auch dem Ruf des Apple-Zulieferers nützen, nachdem der wegen schlechter Arbeitsbedingungen immer wieder in die Schlagzeilen geraten war.

Nur: Könnten die überzähligen Arbeiter überhaupt qualifiziertere Jobs übernehmen? 160 Millionen Wanderarbeiter gibt es in China. Sie haben in der Regel keine höhere Schuldbildung oder Qualifikation. Viele verrichten für den staatlich festgelegten Mindestlohn von umgerechnet etwa 90 bis 180 Euro im Monat einfache Tätigkeiten in den Boom-Städten fernab ihrer Familien, die sie oft nur einmal im Jahr sehen. Sie ermöglichten den Wirtschaftsboom der vergangenen 30 Jahre. Es sind vor allem ihre Jobs, die durch eine zunehmende Automatisierung obsolet werden.

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10 Kommentare zu "China: Maschinen statt Menschen"

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  • Zitat aus dem Artikel: "Produktionsschritte werden durch den Roboter ersetzt, gleichzeitig können die Mitarbeiter qualifiziertere Tätigkeiten übernehmen. Ein Roboter arbeitet ja nicht von alleine. (...) Automatisierung schafft also Arbeitsplätze."

    Das hat in Europa so nicht funktioniert. Das hat in den USA nicht funktioniert. Das hat nirgendwo funktioniert. Die Fähigkeiten der Roboter entwickeln sich schnell weiter, der Arbeitsplatzabbau entsprechend auch. Schnelle Automatisierung mit umfassender Erhöhung der Pro-Kopf-Produktivität als kostensenkende Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit führt zu Sockelarbeitslosigkeit. Bisher hat weder die Demographie, noch das Bildungssystem, noch das Sozialsystem mit der Produktivitätssteigerung mithalten können. Hartz IV-Reformen in Deutschland, gnadenlose Steuersenkungen bis hin zur Fasthandlungsunfähigkeit des Staates in den USA, soziale Abstürze für ganze Bevölkerungsgruppen in anderen Ländern waren die Folge.
    Produktivitätssteigerungen ausschließlich zu Lasten des Arbeitsmarktes verlagern die Gewinnmaximierung auf die Kapitalanleger und die Kosten auf die Arbeitnehmer und schließlich die Steuerzahler. Damit dreht sich die Spirale der Staatsfinanzen irgendwann unweigerlich ins Aus. In Staaten mit stabilen Gesellschaften wie Deutschland kann man das lange machen. In Gesellschaften mit großen Spannungspotentialen, zwischen Ethnien, Bevölkerungsschichten etc., noch dazu mit einem Regime, das nur durch seine flächendeckende Verteilung ständiger wirtschaftlicher Erfolge legitimiert ist, nicht.
    Ich würde deshalb denen zustimmen, die China raten, mit einer "rasenden Automatisierung" zu warten, bis die Ein-Kind-Politik die Arbeitnehmerschaft zahlenmäßig anpasst. Den Fachkraftmangel muss angesicht riesiger Bevölkerungsmängel das Bildungssystem beseitigen, nicht der Automat, sonst fliegt ihnen vor lauter Wirtschaftswunder noch ihre Gesellschaft um die Ohren.

  • China wird uns im Westen gesellschaftspolitisch und auch was die technische Entwicklung angeht, ohne Frage noch ganz schön Feuer unter den Hintern machen.

  • Endlich mal wieder ein Artikel, der die Lage auf den Punkt bringt. Zwar nicht alle Risiken angesprochen, aber die meisten in Ansatz dargestellt.
    China steht aber vor dem gleichen Problem wie alle anderen auch. Automatisierung ist nicht alles und vorallem darf das Prozesswissen nicht verloren gehen.

    Hermann/Shanghai

  • Wenn irgendwo (bis über die Schmerzgrenze) nicht zensiert wird, dann u.a. in diesem Forum.
    Ansonsten: GUTEN MORGEN und herzlichen Glückwunsch zur Basiserkenntnis.
    Nun teile dein Wissen und missioniere offline.
    (dies war KEINE Satire:)

  • wenn von außen nicht ständig so viele reingestopft worden wären, wären wir eigentlich schon bei nur noch 60 Mio.

    leider läuft der Trend in die entgegengesetzten Richtung. Es werden immer mehr neu zuätzlich angelockt und reingestopft.

    ich bezweifel auch, dass wir die hier brauchen werden, denn in DE wird auch fleißig weiter automatisiert.

    dagegen anzugehen, wäre wie Maschinenstürmen - und glaub mal ja nicht, es entsteht genug Ersatz mit guten Löhnen.

    http://www.derhandel.de/news/unternehmen/pages/Verkauf-Die-SB-Strategie-Der-Kunde-zum-Mitarbeiter-machen-8152.html

    "Auf einer Lok haben wir heutzutage auch keinen Heizer mehr"

    anderswo ist der Trend schon weiter fortgeschritten. Technik soll nunmal Menschen von Arbeit "entlasten"

  • Dann können wir ja jetzt das bedingungslose Grundeinkommen für alle (siehe Dirk Rossmann) einführen. 1000Euro für jeden und dann ist Ruhe.

    Danach müssten wir nur noch unsere eigens verschuldete Überbevölkerung aussitzen. Mit 40 Mil. Einwohnern in Dt. und einer durchschnittl. Bevölkerung weniger als 150 pro km2 wäre dann wieder Platz wie es in den USA und Brasilien noch der Fall ist.



  • Der Krieg im Dunkeln

    Ich denke, die User sollten sich mal mit einer grundsätzlichen Realität bekannt manchen. Nicht nur Hörfunk und Fernsehen, vor allem das Internet hält besorgniserregende Nachrichten auf Distanz! Mord, Krieg, Totschlage, Chentrails, Politikerlügen, Horrorpropaganda und - die EU-Verfassung!

    Das Internet nützt nur den Machthabern, und nur für ihren Nutzen haben sie es nach dem Mauerfall hochgezogen.

    Umbruchstimmung ist die beste Zeit für Tyrannen. Und IG Kohl hat die Gunst der Stunde genutzt und unterschrieb Maastricht. Seither reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Die wirtschaftlichen, sozialen, katastrophalen - ob Wahllügen, EU-Verträge, oder gewaltige Umbrüche: die Abstürze ganzer Völker, Staaten, Kriege und Blutbäder, stets blieb das Wechselspiel zwischen Umbruch und Herrschaftsgelüsten erhalten.

    Die meisten Menschen können besorgniserregende Nachtrichten nicht verarbeiten. Das sagte schon Günther Beckstein! Und so paßt das Internet genau in das Interesse der EU-Machthaber, die uns bombardieren einerseits mit ihrem narzistischen Schwachsinn, andererseits darauf bauen, daß die Bürger in Angststarre verfallen und im Internet bleiben, um sich mit Postings zur Wehr zu setzen.

    Das Internet ist Ursache für die grassierende Depressionen und die Hoffnungslosigkeit. Das sollte mal erkannt werden. Matrix - manche meinen tatsächlich, das sei ein Unterhaltungsfilm. Das ist ein Propagandafilm FÜR die virtuelle Scheinwelt!

    Vor allem die Moderatoren sind betroffen von der Netzsucht. Und sie blenden das, was sie verabscheuen, per Zensur einfach aus. Eine bequeme Welt, virtuell und formbar - doch die Welt da draußen scheißt auf diese formbare Scheinwelt!

    Selbst Foren mit äußerlich den besten Absichten zensieren die, die dem Projekt helfen wollen. Das ist die große Dummheit und der folgt die Angst wie ein Wolf!

    Wo zensiert wird, laßt Euch ja nicht nieder! Oder attackiert den Bereich!

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Tittytainment

    Neee -- die müssen wir nur alle vor der Glotze parken und mit Tutti Frutti Fernsehen verblöden lassen -- und ein bissel Sozialhilfe dazu, damit niemand revoltiert.

    global hartzing für fortgeschrittene

  • Wenn China es nicht schafft, grosse Teile seiner Bevölkerung am Wohlstand teilhaben zu lassen, dann werden die Menschen gegen das System aufbegehren.
    Dass es dort überhaupt noch halbwegs ruhig zugeht, liegt daran, dass die Menschen sich ihre politischen und gesellschaftlichen Freiheiten gegen das Versprechen auf materiellen Wohlstand haben abkaufen lassen.

  • Dann müssen nur noch die Milliarden von Menschen verschwinden,die nicht mehr gebraucht werden und auch nichts mehr verdienen und auch nichts mehr kaufen können und nicht mehr wohnen dürfen,weil ihnen kein Land,kein Haus,keine Wohnung mehr gehören.

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