China
Fernbleiben ist auch eine Strategie

China ist der größte Markt der Welt. Dennoch hat das Land noch enormen Nachholbedarf, etwa in Sachen Haushaltsgeräte: Was bei uns schon seit Jahrzehnten zur Standardausstattung gehört, wird in China oft erst eingeführt. Auf dem chinesischen Markt riskieren Mittelständler eine Menge, doch am ungeliebten Joint Venture führen Wege vorbei.

HAMBURG. So gibt es kaum ein Unternehmen, das nicht dabei sein will beim großen "Fernost-Monopoly". "Die gängige Meinung deutscher Manager ist: Der Gang nach China ist teuer, sich nicht in der Volksrepublik zu engagieren allerdings noch teurer. Und in den meisten Fällen stimmt das auch", sagt der Dortmunder Rechtsanwalt Daniel Albrecht, der sich auf Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Volksrepublik spezialisiert hat. Allderings warnt er auch: "Noch teurer ist es allerdings, in China zu scheitern." Gerade Mittelständler sollten sich deshalb genau überlegen, wie sie das Abenteuer China angehen und was sie dort erreichen wollen.

Großunternehmen bezeichnen ihre Investitionen im fernen Osten regelmäßig als "strategisch". In der Praxis bedeutet das oft schlicht, dass sie es in Kauf nehmen, zunächst einmal Geld zu verlieren - Hauptsache, sie prägen die Namen ihrer Produkte langfristig ins Bewusstsein der Konsumenten. Wie schlecht die Bilanz vieler Engagements ist zeigt eine aktuelle Studie. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Pricewaterhouse-Coopers (PwC) befragte gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik über 200 Unternehmen, die in China Geschäfte machen. Ergebnis: Vor allem die Produktbeschaffung in China wird leicht zum Minusgeschäft, jede dritte Firma zahlt für Waren aus der Volksrepublik sogar mehr als für heimische.

Trotzdem bleibt vielen westlichen Managern nichts anderes übrig, als in China zu produzieren oder dort Vorprodukte einzukaufen: Internationale Firmen aus wichtigen Branchen, die den chinesischen Markt bedienen wollen, werden von den lokalen Behörden gezwungen, zumindest Teile der Wertschöpfung im Land zu belassen. Das ist riskant, weil die Lohnentwicklung ebenso wenig kalkulierbar ist wie Transportkosten und der Aufwand für die Qualitätssicherung. Derlei Unwägbarkeiten nehmen die Großunternehmen in Kauf. Eine Firma mit 500 oder 1 000 Mitarbeitern kann sich das aber nicht leisten.

Allerdings müssen sie dies oft auch gar nicht mehr, denn für viele Mittelständler gelten neue Regeln: Erstens dürfen Unternehmen jenseits strategischer Schlüsselbranchen - und zu diesen zählen Mittelständler meistens - seit einiger Zeit alleinige Inhaber ihrer China-Töchter sein. Das bedeutet: Sie brauchen sich nicht mehr auf die so ungeliebten Joint-Ventures mit chinesischen Unternehmen einzulassen.

Und auch ohne eigene Produktion kommen sie häufig auch aus. Wie etwa die Blitzableiter-Hersteller Dehn und Söhne aus dem bayerischen Neumarkt. Die Firma ist seit etwa 20 Jahren in China aktiv. Die Vertriebsorganisation hat 50 Mitarbeiter, produziert wird im Land aber nicht. "Natürlich drängen auch uns lokale Parteigremien immer mal wieder dazu, in China zu fabrizieren. Aber wir werden versuchen, da drum herum zu kommen", sagt Geschäftsführer Thomas Dehn.

Mittelständlern, denen das nicht so gut gelingt wie Dehn und Söhne, sollten zumindest darauf verzichten, die Kernkomponenten ihrer Produkte in China herzustellen, rät Thorsten Amann, Leiter Internationale Märkte beim Beratungsunternehmen KPMG: "Dafür eignen sich eher Korea oder Taiwan, dort ist das intellektuelle Eigentum deutlich besser geschützt." Hinzu kommt, dass gerade Mittelständler Schwierigkeiten haben, in China qualifiziertes Personal für komplexe Produktionsanlagen zu finden, denn in den Boomregionen herrscht ein gravierender Fachkräftemangel.

All das bedeutet aber keineswegs, dass sich China-Investoren nicht auf lokale Partner einlassen sollten, meint KPMG-China-Experte Harald Kayser. "Kleinere Unternehmen sind auf diesem Markt deshalb oft erfolgreicher als große, weil sie bei der Logistik aus Kostengründen mit preiswerten einheimischen statt mit internationalen Dienstleistern kooperieren." Gerade dadurch knüpfen sie die in China so wichtigen persönlichen Bindungen - und die spielen eine alles überragende Rolle im Geschäftsleben in Fernost.

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