Chinesisch-stämmige Unternehmer
Einwanderer treiben Indonesiens Wirtschaft an

Ohne die Indonesier chinesischer Abstammung ist das Geschäftsleben im größten Land Südostasiens kaum vorstellbar. Die einstigen Einwanderer zählen in der Privatwirtschaft zu den führenden Köpfen.
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JAKARTA. Mit einem Anteil von weniger als vier Prozent an der 238 Millionen zählenden Bevölkerung Indonesiens sind ethnische Chinesen zwar nur eine kleine Gruppe. Aber sie verfügen über eine enorme Wirtschaftskraft.

Zahlreiche bedeutende Privatunternehmen befinden sich in ihrem Besitz. Sie bekleiden leitende Positionen in internationalen Firmen. Neun der zehn vermögendsten Indonesier sind nach einer vom Wirtschaftsmagazin "Globe Asia" im Juni 2010 veröffentlichten Liste chinesischer Abstammung.

An der Spitze steht der unter anderem im Kredit- und Immobiliensektor engagierte Unternehmer Budi Hartono mit einem Nettovermögen von 4,8 Milliarden US-Dollar.

Chinesen kamen ab dem 15. Jahrhundert in mehreren Einwanderungswellen ins Land und übernahmen während der niederländischen Kolonialzeit die wichtige Funktion von Zwischenhändlern. Mangels anderer Möglichkeiten stießen sie in die Privatwirtschaft vor, die sie heute zu fast 70 Prozent beherrschen.

In der Politik und im Staatssektor sind Angehörige der chinesischen Minderheit dagegen kaum vertreten. Eine Ausnahme stellt Handelsministerin Mari Elka Pangestu dar. Doch treten ethnische Chinesen bei Geschäften mit Regierungsstellen oft als Kontaktleute auf und übernehmen die Vermittlerrolle.

Ihre Stellung in der Gesellschaft hat sich nach dem Ende der Assimilierungspolitik unter der Suharto-Diktatur verbessert. Auch genießen sie seit Beginn der Demokratisierung wieder mehr Rechte und Freiheiten.

Konfuzianische Arbeitsmoral


Ihre konfuzianische Arbeits- und Erfolgsmoral treibt Indonesier chinesischer Abstammung an. Fleiß, Sparsamkeit und Unternehmergeist, Disziplin und Zurückhaltung sind ihre wichtigsten Eigenschaften. Vergnügungen und Freizeit verbinden sie häufig mit dem Geschäft.

Traditionell überwiegt die kurzfristige Orientierung; es wird der schnelle Gewinn gesucht. Dafür schrecken chinesischstämmige Indonesier vor keinem Risiko zurück. Zu unüberlegten Investitionen lassen sie sich jedoch nur selten verleiten.

Inzwischen sind Chinesen nicht nur im Handel, sondern immer häufiger auch in der Produktion zu finden. Firmen ethnischer Chinesen sind oft Familienunternehmen, und Geschäfte werden nach Möglichkeit mit der Familie und der Verwandtschaft gemacht. Bis zu einer bestimmten Größe ermöglicht der Familienbetrieb schnelles und flexibles Handeln.

Im Gegensatz zu vielen Javanern verlaufen Geschäftsverhandlungen mit Chinesen sehr direkt. Sie sind zähe Verhandlungspartner und kommen schnell zur Sache. Vereinbarungen treffen sie oft mündlich, ohne schriftliche Vertragsdokumente. Gerne wird gehandelt, um den Preis zu drücken. Deshalb sollte eine ausreichende Spanne für einen Preisnachlass stets einkalkuliert werden.

Trotz der traditionellen Sparsamkeit zeigen sich ethnische Chinesen bei Einladungen zu Geschäftsessen oder anderen Vergnügungen erstaunlich großzügig. Nach dem Motto "Je größer der Einsatz, desto größer das Ergebnis" scheuen sie vor keiner Ausgabe zurück.

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