Cloud-Computing
Der Server-Schrank hat ausgedient

Angebote für Cloud-Computing-Lösungen bieten mittlerweile alle großen IT-Firmen an. Vor allem E-Mail-, Kalender- und Sicherheitsfunktionen werden verstärkt bei Dienstleistern gebucht. Diese Möglichkeit nutzen vermehrt auch kleine Unternehmen und verlegen Daten und Software ins Internet. Doch viele Firmen sind noch skeptisch.
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DÜSSELDORF. Den alten Server vermisst Martin Reents schon lange nicht mehr. Vor drei Jahren hatte der Vorstandschef von Conject, einem Münchener Anbieter von Software für das Immobilienmanagement, die Firmen-IT auf den Prüfstand gestellt. Der Anstoß: "Wir haben damals acht neue Büros im Ausland eröffnet", sagt Reents. "Mit herkömmlicher IT war die Vernetzung der Standorte viel zu kompliziert." Der Manager traf eine radikale Entscheidung: Er schaltete den hauseigenen Server ab und verlegte Daten und Software ins Internet - neudeutsch: Cloud-Computing.

Die Umstellung dauerte eine Woche

Ob in Dubai, Kairo, Boston oder Singapur - an allen inzwischen zwölf Standorten nutzen die mehr als 60 Vertriebsleute von Conject heute eine Cloud-Computing-Anwendung. Den gesamten Vertrieb, das Marketing und den Kundenservice wickelt der Mittelständler nun mit der Software des Anbieters Salesforce im Internet ab. "Binnen einer Woche waren wir startklar", sagt Reents. "Per Software aus der Steckdose haben wir unsere Geschäftsprozesse blitzschnell strukturieren können."

Für fast alle Unternehmensbereiche gibt es inzwischen passende Programme in der Wolke, und alle großen IT-Firmen bieten Cloud-Computing-Lösungen an, darunter Hewlett-Packard, IBM, Microsoft, Oracle, Siemens oder die Deutsche Telekom.

Die IT via Internet erobert auch den Mittelstand. Inzwischen sind Betriebe mit 500 bis zu 1000 Mitarbeitern in Deutschland die aktivsten Nutzer von Cloud-Services, meldet das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC. Auch viele kleine Firmen springen zunehmend auf die Wolke über. "Cloud-Computing ist heute bei allen IT-Abteilungen auf der Agenda", sagt Lynn-Kristin Thorenz, Director Consulting bei IDC.

Der Markt für Cloud-Dienste - also ausgelagerte Speicher, Rechenkraft, Daten oder Software - betrug vergangenes Jahr in Deutschland laut IDC 380 Mio. Euro. Gemessen am Gesamtumsatz der deutschen Informationstechnik-Branche, den IDC auf 63,5 Mrd. Euro taxiert, erscheint das noch gering. Aber bis 2014 rechnen die IT-Experten mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 41 Prozent.

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  • Server sind sowieso bald aus. Diese lustig illustrierte blogbeitrag wirbt für das Zukunftsszenario "biocomputer"

    http://quatschtronauten.wordpress.com/2010/08/27/der-blumenkohl-als-bio-computer/

  • ich finde es absolut erstaunlich, daß manche Firma diese Abhängigkeit wagt und damit ein großes Risiko eingeht.

  • Die Angriffsziele für Hacker werden auf einige wenige eingedampft, aber der Ertrag aus einem Hack vervielfacht. diese Entwicklung wird den Personalbedarf an informatikfachleuten drastisch veringern und die Gehälter weiter sinken lassen. Ein MiNT-Studium wird sich in Zukunft noch weniger lohnen als heute schon.

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