Comeback der Bäume
Architekten auf dem Holzweg

Holz galt lange als altmodischer Öko-Baustoff. Beton, Glas und Stahl bestimmten die Architektur. Doch seit einigen Jahren entdecken immer mehr Archtitekten den organischen Baustoff zurück. Durch neue Verfahren lässt sich Holz heutzutage viel flexibler einsetzen.

KÖLN. Wer vom Pariser Charles-de-Gaulle-Flughafen aus nach Moskau, New York oder Peking fliegt, der kann ihn bestaunen, den ungewöhnlichen Holz-Look des neuen Terminal 2E. Die Abfertigungshalle schmücken 150 Bögen aus finnischem Sperrholz. Die extravagante Holzkonstruktion kommt von der Firma Finnforest Merk GmbH aus dem schwäbischen Aichach. „Der Trend zum Holzbau gerade bei innovativen und hochwertigen Sonderanfertigungen ist deutlich erkennbar“, freut sich Fritz Kunz, technischer Leiter Finnforest Merk. „Viele Architekten haben die natürliche Ausstrahlung von Holz als Kontrapunkt zum klassischen Beton- und Stahlbau entdeckt.“

Tatsächlich hat sich der Trend zur Holzbauweise verstärkt. Schon 15 Prozent der neu gebauten Privathäuser sind aus Holz, und immer öfter auch Schulen, Kindergärten und Bürogebäude. Selbst beim Bau von Brücken, bei Hallen- oder Dachkonstruktionen greifen Bauherren auf Holz zurück. Bisher stand Holz vor allem wegen seiner Umweltfreundlichkeit im Fokus der Bauherren. Holz ist für sie nicht mehr nur eine ökologische, energiesparende Alternative zu Beton und Stahl, sondern ein vollwertiger Baustoff.

Der Grund: „Es stehen uns heute eine Reihe Verfahren zu Verfügung, mit denen wir Holz weiter modifizieren und veredeln können“, erklärt Stefan Winter, Professor für Holzbau und Baukonstruktion an der TU München. Holz lässt sich heute mit Hitze oder Druck stabiler machen und wird sogar brandsicher. Winter geht davon aus, dass sich Holz als Baustoff weiter durchsetzt. „Das Entwicklungspotential ist längst noch nicht ausgeschöpft.“

Entscheidende Innovationen hat es etwa bei den Verbindungstechniken gegeben. Brettsperrholz lässt sich mittlerweile so stabil verleimen, dass es sich auch für statisch tragende Konstruktionen eignet. Große und ausladende Holzträger finden längst im Industriebau Verwendung - selbst bei mehrgeschossigen Bauten. „Der Werkstoff Holz ist Stahl in vielen Bereichen sogar deutlich überlegen“, sagt Holzbauer Fritz Kunz. Entsprechend positiv entwickelt sich das Baugeschäft bei den Holzspezialisten. „Wir verzeichnen kontinuierliche Zuwächse bei den Bauprojekten.“

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