Commerzbank-Studie
Vorbildliche Frauenquote im Mittelstand

In Sachen Frauenquote können große Dax-Konzerne vom deutschen Mittelstand lernen. Denn einer Studie zufolge wird dort jeder fünfte Posten im Top-Management von einer Frau besetzt - Tendenz steigend.
  • 0

FrankfurtDie erste Führungsebene mittelständischer Unternehmen ist zu 20 Prozent weiblich, belegt eine Studie der Commerzbank unter 4000 repräsentativ ausgewählten kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Zum Vergleich: In den Vorstandsetagen von Dax-Konzernen liegt der Frauenanteil bei mageren 3,4 Prozent. „Man weiß, dass der Mittelstand in der Frauenquote weiter ist als Dax-Konzerne, aber in diesem Ausmaß war das auch für mich überraschend“, räumt Markus Beumer, der Mittelstandsvorstand der Commerzbank, ein. Der hohe Anteil weiblicher Führungskräfte hat wenig damit zu tun, dass Firmenpatriarchen nun ihre Töchter in die Chefetagen lassen. „Die Dynamik kommt eindeutig durch die eingestellten externen Manager zustande“, sagt Beumer. Die Mittelständler stellen also auch bereitwilliger als Konzerne Frauen für einen Spitzenjob ein.

Die Frauenquote im Mittelstand ist im Übrigen unabhängig von der Größe der Betriebe etwa gleich groß. Zwar liegt der Anteil bei den kleineren Unternehmen, die 2,5 bis 12,5 Millionen Euro Umsatz haben, mit 21 Prozent etwas höher. Doch selbst bei Unternehmen, die über 100 Millionen Umsatz haben, liegt sie noch bei 18 Prozent.

Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt es aber vor allem bei den Aufgaben, die Frauen sich suchen: An der Spitze von Personalabteilungen sind sie überdurchschnittlich vertreten.  Mittlerweile verantworten Frauen aber auch häufig die Ressorts Finanzen oder Controlling. In Feldern wie Vertrieb oder Produktentwicklung sind sie dagegen viel seltener vertreten als ihre männlichen Kollegen. Auch in den einzelnen Branchen gibt es Unterschiede: In technischen oder naturwissenschaftlichen Branchen wie der Chemie- und Pharma-Industrie und dem Maschinenbau sind Frauen unterrepräsentiert. Am seltensten sind Frauen im Maschinenbau in Top-Jobs zu finden. In Unternehmen aus der Gesundheits- und Sozialbranche liegt der Frauenanteil mit 36 Prozent allerdings wesentlich höher. „Mit 14 Prozent ist der Frauenanteil aber auch im Maschinenbau höher als bei den Dax-Konzernen“, betont Beumer. 

Bleibt die Frage, warum das so ist. Beumer führt das darauf zurück, dass die Rekrutierung fähiger Führungskräfte für Mittelständler traditionell ein größeres Thema ist als für die Konzerne, die da eher aus dem vollen schöpfen können. „Ich glaube, die Mittelständler sind pragmatisch. Die sagen sich, sie brauchen die besten Leute und gehen da nüchterner nach Qualifikation vor“, so Beumer. Handeln die Mittelständler also nur aus der Not heraus? Das sieht Beumer nicht so. „Ich habe noch nie von einem Mittelständler gehört, er habe jetzt „leider“ Frauen einstellen müssen“, sagt er.

 

Kommentare zu " Commerzbank-Studie: Vorbildliche Frauenquote im Mittelstand"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%