Compliance
Geschmiert wird nur bei den anderen

Während die großen Konzerne spätestens seit dem Siemens-Skandal ihre Compliance-Strukturen ausgebaut haben, können nur die Hälfte aller mittelständischen Unternehmen etwas mit dem Begriff Compliance anfangen. Und nur bei 40 Prozent der Firmen kümmert sich jemand explizit um das Thema. Warum die Mittelständler das Thema Compliance unterschätzen.

DÜSSELDORF. Dies belegt die repräsentative Befragung der Deutschen Bank, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Befragt wurden 400 Geschäftsführer/Vorstände und Finanzchefs aus dem Mittelstand.

Die Studie deckt einen Widerspruch auf: 68 Prozent der Befragten glauben, dass Compliance künftig sehr wichtig wird. Dass dies bereits heute schon gilt, davon sind nur rund 40 Prozent überzeugt. 13 Prozent der Befragten halten Compliance sogar für irrelevant. "Etliche mittelständische Unternehmen haben in diesem Punkt ein Wahrnehmungsdefizit", lautet das Fazit von Wilhelm von Haller, Geschäftsleiter Firmenkunden Deutschland bei der Deutschen Bank. Der Grund: Die Gefahren sind anfangs schwer erkennbar und umso gravierender später die Reputationsschäden. Denn mit dieser Ansicht haben schon manche Unternehmen - und nicht nur in den spektakulären Fällen wie Siemens oder jetzt auch Intel mit seiner Rekordstrafe von einer Milliarde Euro wegen Schmiergeldpraktiken - ordentlich Lehrgeld zahlen müssen. Zumal: "Es reicht ohnehin nicht aus, nur eine Compliance-Abteilung zu haben. Die entsprechende Kultur muss erst im Unternehmen nachhaltig implementiert werden - und das dauert Jahre", gibt von Haller zu bedenken.

Die Studie hat auch untersucht, wer sich in den Firmen der Compliance widmet: Bei 61 Prozent der Unternehmen kümmert sich der Geschäftsführer oder Vorstand um Compliance. In 18 Prozent der Betriebe macht das der Leiter Finanzen oder der CEO, in zehn Prozent der Leiter Finanz-/oder Rechnungswesen oder Buchhaltung, in sieben Prozent der Rechtsabteilungsleiter. Nur sechs Prozent der Befragten haben mit einem Leiter Compliance eine eigene Position hierfür geschaffen und bei fünf Prozent muss der Chef des Controllings sich mal eben nebenbei damit befassen.

Bleibt die Frage, welche Maßnahmen die Unternehmen ergreifen, um sich vor Fehlverhalten der Mitarbeiter zu schützen? Denn es ist ja auch für die Mitarbeiter schwierig, weil nicht immer von vornherein klar ist, wogegen man alles verstoßen kann - gerade in Anbetracht der Vielzahl von Gesetzen und Regelungen und ständigen Neuerungen. Von Haller: "Es gibt ja schließlich nicht jeden Morgen einen Brief, in dem steht, worauf man alles aufpassen muss. Also muss man in erster Linie bei den Mitarbeitern ein Bewusstsein schaffen."

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