Containerschifffahrt
Hafenbetreiber wollen trotz Krise wachsen

Der Containerumschlag an Deutschlands Häfen ist nach Jahren des Wachstums eingebrochen. Doch obwohl einige Reeder ihre Schiffe teilweise sogar aus dem Verkehr ziehen, will die Branche ihre Entladekapazitäten ausbauen. Das liegt vor allem an der großen Kapazität neuer Schiffe.

KÖLN. Das AGV arbeitet scheinbar selbständig. Die Maschine hebt schwere Lasten und braucht keinen menschlichen Fahrer. Per Funk kommuniziert das automatische Förderfahrzeug mit einem Steuerungs-Computer, empfängt so seine Route und weiß, wo es die Container in Empfang nehmen soll und in welches Lager sie kommen. Das System gehört zu einer Serie für den vollautomatischen Hafenumschlag des Düsseldorfer Spezialisten für Hafentechnik Demag Cranes.

Selbstständige Entladefahrzeuge sind die Reaktion der Branche auf den enormen Zuwachs im Containerumschlag in den vergangenen Jahren: Schiffe sollen kürzer im Hafen liegen, weil Entladeprozesse effizienter als früher funktionieren. Doch jetzt sind Anbieter und Terminalbetreiber wegen der Wirtschaftskrise verunsichert und scheuen Investitionen. Im Herbst 2008 ist der Containerumschlag eingebrochen. „Die Entwicklung in der weltweiten Hafenlogistik gleicht einer Vollbremsung“, sagt Harald Joos, Vorstandsvorsitzende von Demag Cranes.

Die Branche stellt sich auf härtere Zeiten ein. „Man spürt es überall, ob in Dubai, Hamburg, oder Shanghai. Firmen fragen an, ob sie Aufträge annullieren oder verschieben können“, sagt Joachim Zoll, Leiter des Bereichs Krane bei Siemens Drive Technologies. Auch der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) spricht von verlangsamtem Wachstum. Die Reeder reagieren darauf, indem sie Schiffe aus dem Verkehr ziehen. Auch bei Deutschlands größten Terminalbetreiber Eurogate und HHLA geht der Containerumschlag zurück.

An den großen Ausbauprojekten wie etwa dem Burchardkai und dem Jade Weser Port wird aber nicht gerüttelt. „Der Bau läuft mit Nachdruck weiter“, sagt Maik Ullrich, Geschäftsführer der Beraterfirma für Hafenumschlag HPMlog. Doch schon jetzt versuchen Terminalbetreiber zu sparen: „Nicht unbedingt notwendige Investitionen werden verschoben“, sagt Emanuel Schiffer, Geschäftsführer von Eurogate.

Grundsätzlich stehen sich im Containerumschlag zwei Philosophien gegenüber: Vollautomatische Anlagen und auf Schienen fahrende, selbstständig arbeitende Hebekrane auf der einen Seite, bemannte Fahrzeuge auf der anderen Seite – so genannte Van Carrier (VC). Eurogate betreibt seine Terminals mit VC-Fahrzeugen. Deren Vorteil: Weil die flexiblen Kosten hier höher sind als bei automatischen Systemen, kann der Terminalbetreiber in Krisenzeiten sparen. „Wir sind sehr flexibel und können kurzfristig die Zahl der Fahrzeuge ändern“, sagt Emanuel Schiffer.

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