Contracting
Energie aus der Erde

In Deutschland wächst die Zahl geothermischer Bohrungen. Grund hierfür ist das sogenannte Contracting: Damit können sich Firmen eine Wärmepumpe anschaffen und dennoch Kapital frei halten. Bedingung ist allerdings, dass der Contractnehmer über die gesamte Mietlaufzeit seine Energie über den Contractor bezieht.

WERTHER. Langsam arbeitet sich der Bohrer in 200 Meter Tiefe vor. Dann wird eine Erdwärmesonde eingebracht, die die Energie von unten zu einer strombetriebenen Wärmepumpe direkt ins Haus leitet.

"Erdwärme ist eine unerschöpfliche Energiequelle, die jederzeit und kostengünstig zur Verfügung steht", sagt Marlies Liekenbrock-Geldmacher. Die Geschäftsführerin der gleichnamigen Firma im westfälischen Rheda-Wiedenbrück zählt zu den Pionieren auf dem Gebiet der Tiefenbohrung. Bereits seit zehn Jahren erschließt sie mit ihrem zertifizierten Betrieb die Energie vor der Haustür. Das Geschäft mit geothermischen Bohrungen brummt. "Seit der Erdölpreis explodiert ist, sind unsere Auftragsbücher voll", berichtet Liekenbrock-Geldmacher, die bereits Anfragen von Wohnungsbaugesellschaften sogar aus Dänemark hat. Die Universität Bochum hat ebenfalls ein Angebot angefordert.

Doch mit der steigenden Nachfrage wächst auch der Kapitalbedarf: Bei kleineren Auftragsvolumina geht Liekenbrock-Geldmacher in Vorleistung, bei größeren Projekten nimmt sie teilweise Vorkasse. Denn bei Großaufträgen gehen die Beträge in die Hunderttausende. Während private Kunden die Erdwärme vorwiegend über Förderkredite der KfWBankengruppe refinanzieren, ist die Fördermittel-Nachfrage von Firmen eher verhalten. So beantragt laut einer Studie der Deutschen Bank nur ein Drittel der mittelständischen Unternehmen für Energieeinsparungen in Firmengebäuden Fördermittel vom Staat. Knapp ein Viertel der Befragten schreckt die Unübersichtlichkeit, ein Drittel die Bürokratie ab. Und 36 Prozent kennen die Fördermöglichkeiten gar nicht.

"Die Unternehmen fragen zunehmend nach bilanzschonenden Anlagefinanzierungen wie Mietkauf, Leasing oder Ratenzahlung", berichtet Liekenbrock-Geldmacher. Die Unternehmerin sucht daher nach einem Dienstleister, der Energieanlagen finanziert, einem so genannten Contractor.

Contracting bieten zumeist private oder kommunale Energieversorger als kombinierte Finanzierungs- und Betreibermodelle an. 500 von diesen Spezialisten - darunter Konzerne wie die EnBW AG, aber auch mittelständische Unternehmen wie die Viessmann Werke GmbH & Co. KG - soll es in Deutschland geben. Einzelne haben bereits die Finanzierung von Geothermie-Anlagen im Programm.

Dabei werden die gesamten Investitionskosten von der Bohrung bis zur Wartung der Wärmepumpe übernommen. Der Contracting-Nehmer muss keine eigenen Investitionsmittel aufbringen und zahlt in Raten. Die ausführenden Unternehmen erhalten ihr Geld nach Auftragfertigstellung vom Contractor. Während der Vertragslaufzeit trägt der Contractor das gesamte Investitions- und Betriebsrisiko.

Mittels Contracting können mittelständische Unternehmen somit Kapital für andere Investitionen frei halten. Bedingung ist allerdings, dass die Firma als Contractnehmer über die gesamte Mietlaufzeit ihre Energie über den Contractor bezieht.

"Bei Erdwärme ist der Strombedarf relativ gering, weil die Wärmepumpe drei Viertel der Energie direkt aus dem Boden zieht", sagt Liekenbrock-Geldmacher. Voraussetzung sei aber, dass die Wärmepumpe korrekt installiert ist. "Nur wenn die Bohrmeter richtig berechnet sind, arbeitet die Pumpe effektiv. Ansonsten bezahlt der Kunde eine Stromheizung." Und das womöglich über 20 Jahre - danach geht in der Regel die Anlage in seinen Besitz über. So lange kann kein Mittelständler auf die Abzahlung warten. Der Contractor schon - denn in der Zwischenzeit kann er eine Menge Energie absetzen.

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