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Coppenrath Verlag: „Der Erfolg hat uns überrollt“

Er ist der Walt Disney des deutschen Kinderbuchs. Wolfgang Hölker und sein Coppenrath Verlag haben mit Buchfiguren wie Prinzessin Lillifee, Hase Felix und Cap'tn Sharky weltweit die Kinderzimmer im Sturm erobert. Im Interview erklärt Hölker seine Erfolgsstrategie, warum sich auch billige Handtücher rechnen und wieso er heute noch Existenzangst hat.

Wolfgang Hölker und seine erste große Erfolgsfigur: Hase Felix. Quelle: Dominik Asbach für Handelsblatt
Wolfgang Hölker und seine erste große Erfolgsfigur: Hase Felix. Quelle: Dominik Asbach für Handelsblatt

Herr Hölker, was hat ein Verlag wie ihrer mit Hula-Hoop-Reifen, Bettwäsche, Muffins und Shampoo zu tun?

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Wolfgang Hölker: Auf dem ersten Blick ist das ungewöhnlich, das stimmt. Wir sind mit unseren vielen Zusatzprodukten, die sich aus den eigenen Büchern und ihren Charakteren wie Prinzessin Lillifee, Hase Felix oder Capt'n Sharky ergeben, in der Verlagsbranche sicherlich eine Ausnahme. Auch früher wurden schon klassische Figuren der Kinderbuchliteratur vermarktet. Nur geschah dies meist uneinheitlich über einzelne Spielwarenhändler. Das habe ich geändert. Ich wollte alle Nebenprodukte einheitlich in einer Markenwelt präsentieren. Und wir haben auch recht früh erkannt, dass es klüger ist, Nebenprodukte selber zu vermarkten, anstatt diese sogleich an einen Lizenznehmer zu vergeben.

Das würde eine Vermarktungsagentur wohl aber auch hinbekommen.

Mag sein, aber Agenturen versuchen oft, eine Marke regelrecht auszuquetschen und möglichst viele Produkte auf den Markt zu bringen. Wir wollen hingegen den Markenkern schützen. Deshalb machen wir auch die meisten Produkte selbst - es sei denn, jemand anderes ist in einem bestimmt Produktsegment einfach kompetenter. So gibt es zwar ein Kinderfahrrad mit unserer populären Figur "Prinzessin Lillifee", aber weil wir nicht das nötige technische Knowhow haben, wird dies von einem Fahrradhersteller angeboten.

Ganz neu ist diese Idee, die eigenen Kreationen selbst zu vermarkten, ja aber nicht. Da ist jemand wie Walt Disney ja schon vor ihnen darauf gekommen. Haben Sie Ihre...

...Idee bei Walt Disnesy geklaut? Nein, aber ich bin ein großer Bewunderer von ihm. Und inzwischen haben alle erkannt, dass man mit diesen Nebenprodukten hohe zusätzliche Umsätze erzielen kann. Das war aber nicht immer so. Wenn man vor fünfzehn Jahren einer großen Buchhandelskette vorgeschlagen hätte, zu einem Buch von Prinzessin Lillifee auf den Verkaufstisch auch ein Handtuch zu legen, dann wäre einem dieses noch um die Ohren gehauen worden.

Auffällig ist, dass es von ihren Figuren zwar auch Fahrräder gibt, den Großteil der Nebenprodukte aber eher vergleichsweise preiswerte Kleinigkeiten wie Stifte und Ohrringe ausmachen. Haben Sie keine Lust auf margenstärkere Artikel?

Wenn man heute an Prinzessin Lillifee denkt, dann kostet ein Buch 14,95 Euro. Von den Zusatzprodukten hingegen sind 80 Prozent für einen Preis von unter zehn Euro erhältlich. Und das ist ausschlaggebend für den Erfolg. Ein Beispiel: Wenn Sie Ihrer kleinen Tochter außer der Reihe mal etwas mitbringen wollen, bieten wir von Prinzessin Lillifee viele Produkte an, die den Kindern viel Freude bereiten, aber eben nicht die Welt kosten. Ein Zauberhandtuch zum Beispiel kostet 3,95 Euro. Für uns rechnet sich das trotzdem, weil wir eben 200.000 Stück davon verkaufen.

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