Corporate Social Responsibility
Soziales Engagement als Aushängeschild

Corporate Social Responsibility (CSR) ist für viele Mittelständler nur ein modisches Schlagwort für traditionelle mittelständische Tugenden. Doch dabei vergessen sie, dass Klappern zum Geschäft gehört: Weil sie nicht über ihr Engagement sprechen, verspielen sie viele Chancen, warnen Experten.

KÖLN. Der Anlagenbauer Kuhse ist schon seit 80 Jahren einer der größten Arbeitgeber in Winsen bei Hamburg: Von einer kleinen Reparaturwerkstatt hat sich das inhabergeführte Unternehmen zu einem global operierenden Industrieunternehmen entwickelt. Trotzdem ist es für den Mittelständler immer noch selbstverständlich, sich in der Region sozial zu engagieren. "Wir bilden über den eigenen Bedarf aus und unterstützen Schulen und Sportvereine im Ort regelmäßig mit Spenden", berichtet der kaufmännische Leiter Jens Niemann.

Den Begriff Corporate Social Responsibility (CSR), mit dem Konzerne ihr soziales Engagement umschreiben, will Niemann aber nicht verwenden. "Das ist für unser Unternehmen nichts Neues. Für uns war es schon immer wichtig, in der Region durch unser Engagement präsent zu sein."

Mit dieser Einstellung ist Niemann in bester Gesellschaft. Soziales Engagement ist für viele Mittelständler selbstverständlich, doch sie würden es niemals als "CSR-Maßnahme" bezeichnen. Schließlich fühlen sich viele inhabergeführte Unternehmen als Teil ihrer Stadt oder Region. Über ihr Engagement wollen sie deshalb nicht viele Worte verlieren.

Doch Experten warnen: Dass sich Unternehmer nicht aus wirtschaftlichen und strategischen Überlegungen engagieren, sondern aus persönlichen Motiven, ist eine Stärke - gleichzeitig aber oft auch eine Schwäche. "CSR muss als Gesamtstrategie in die Unternehmensabläufe eingewebt werden, wenn es erfolgreich sein soll", sagt Christian Pohl, CSR-Experte bei Ernst & Young. "Das gilt im Mittelstand genauso wie bei den großen Dax-Unternehmen."

Doch eine CSR-Strategie sowie ein festes Budget gibt es in mittelständischen Unternehmen meist nicht. "Hier dominieren Ad-Hoc-Maßnahmen", sagt Stefan Poppelreuter, Bereichsleiter von Impuls, einem Unternehmen der TÜV Rheinland Group. Sein Unternehmen hat im Rahmen einer CSR-Studie bundesweit mehr als 500 mittelständische Unternehmen befragen lassen. Ergebnis: Fast alle engagieren sich sozial. Besonders häufig sponsern sie lokale Fußballvereine oder spenden an gemeinnützige Organisationen in der Region.

Aber: "Die Unternehmen engagieren sich, wenn gerade Geld da ist oder weil ein Mitarbeiter mit einer guten Idee kommt", sagt Poppelreuter. "In konjunkturell schlechten Zeiten besteht daher die Gefahr, dass CSR-Ausgaben zuerst Opfer des Rotstifts werden." Für die Unternehmen bedeutet das: Die Ausgaben verpuffen weitgehend wirkungslos, weil das Unternehmen durch seine Sprunghaftigkeit an Glaubwürdigkeit verliert.

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