Creditor Relations
Gastbeitrag: Öffentlichkeitsarbeit mit dem Rating-Urteil

In den Pressekonferenzen großer Mittelständler erlebt man immer wieder die gleiche Zeremonie. Nach ausschweifendem Bericht über die Qualitäten des Unternehmens stellt ein Journalist die Gretchenfrage nach Umsatz und Gewinn. Die Antwort ist ein Lächeln, der Firmenchef schweigt. Hier liegt der Kern des Wahrnehmungsproblems des Mittelstands: Das Geschäftsergebnis wird als Privatangelegenheit zwischen Wirtschaftsprüfer, Bank und Inhaber betrachtet.

HB DÜSSELDORF. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Kreditgeber haben mit dem Basel II-Prozess einen Hebel an den Deckel der ‚Black-Box’ Mittelstand angesetzt. Das Rating ist der Schlüssel zur wachsenden Transparenz. Doch diese sollte von den Unternehmen nicht als lästiger Zwang verstanden werden. Denn eine aktiv verstandene Öffentlichkeitsarbeit kann sich als Motor für die wirtschaftliche Entwicklung erweisen. Die so genannten „Creditor Relations“, also die Weitergabe von Informationen an Kreditgeber, können helfen, Marktvorteile zu erschließen. Sie müssen allerdings als umfassende Finanzkommunikation verstanden werden. Dabei lässt sich das Bonitätsurteil als Qualitätssiegel hervorragend nutzen.

Die wichtigste Zielgruppe der Creditor Relations sind Kreditgeber sowie Teilhaber oder Gesellschafter. Sie sind darauf angewiesen, regelmäßig und wahrheitsgemäß über die finanziellen Verhältnisse des Unternehmens informiert zu werden. Das Bonitätsurteil ist dabei ein wichtiger Baustein. Es hat den Vorteil, neben der Analyse der Hardfacts, insbesondere der Bilanz, auch weiche Faktoren wie beispielsweise das Management neutral zu bewerten.

Viele Mittelständler haben es bis heute nicht geschafft, eine systematische Kommunikation mit den Banken aufzubauen. Dazu gehört zuallererst ein jährliches Bilanzgespräch mit allen Kreditgebern und Teilhabern. Darüber hinaus sollten diese unaufgefordert regelmäßig und plausibel über die Geschäftsentwicklung informiert werden. Dies bildet zusätzliches Vertrauen zwischen Banken und Kreditnehmern.



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Von großem Wert ist das Rating zweitens in der Zusammenarbeit mit Lieferanten und anderen Geschäftspartnern. Zahlreiche Maschinenbauer und Autofirmen akzeptieren heute ausschließlich Betriebe als Geschäftspartner, die ein positives Ratingurteil vorweisen können. Denn bei internationaler just-in-time Fertigung will keiner Risiken bei der Zulieferung eingehen.

Die dritte Zielgruppe wird beständig unterschätzt. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Jahren können die Mitarbeiter durch ein gutes Rating motiviert werden. Es schafft Vertrauen und gibt Sicherheit am Arbeitsplatz. Gerade in Umstrukturierungsprozessen kann dadurch auch die Bereitschaft gefördert werden, sich mit dem Unternehmen zu verändern.

Alle genannten Adressaten werden viertens über eine kontinuierliche Pressearbeit angesprochen. Dabei muss sehr darauf geachtet werden, dass extern und intern kommunizierte Daten übereinstimmen. Denn gerade die Banken verfolgen sensibel, was über ihre Kunden in der Zeitung steht. Heikel ist hier nicht nur die Beschönigung von Zahlen, wie sie am Neuen Markt Gang und Gäbe war. Problematisch ist auch der Versuch vieler Mittelständler, ihre Ergebnisse schlechter zu reden, als sie sind. Dies schreckt nicht nur Geschäftspartner ab. Es kann auch dazu führen, dass die Banken ihr positives Rating-Urteil überdenken.

Zur Kommunikation an die Presse sollte eine jährliche Bilanzkonferenz eingeführt werden, die auf dem Bilanzgespräch aufbaut. Darüber hinaus kann die Presse über Entwicklungen wie den Abschluss großer Projekte oder personelle Änderungen informiert werden.

Besseres Image bemerken auch die Kreditgeber

Eine klare Finanzkommunikation an die Presse wird die Wahrnehmung des Unternehmens in der Öffentlichkeit deutlich steigern. Die Verbesserung des Image strahlt positiv auf Kreditgeber, Geschäftspartner und Mitarbeiter zurück. Gleichzeitig werden dadurch neue Kunden angelockt. Ferner ist dies gerade für kleinere Unternehmen unverzichtbar, um hochqualifiziertes Personal zu gewinnen.

Außerhalb des engeren Kreises der Öffentlichkeitsarbeit kann die Steigerung der Transparenz weitere Vorteile schaffen. Im Rahmen der Unternehmensübergabe entsteht so Transparenz für den Nachfolger. Dies ist umso wichtiger, als immer mehr Unternehmen nicht in der Familie weitergegeben, sondern an die Mitarbeiter oder externe Investoren verkauft werden müssen.

Vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Zahlen von Unternehmensinsolvenzen gibt das Rating Geschäftspartnern zusätzliche Sicherheit. Neben Lieferanten achten auch Versicherungen immer mehr auf die Bonität ihrer Kunden. Wer darauf angewiesen ist, Risken abzusichern, kommt heute ohne ein gutes Rating nicht aus.

Leider steht die Forderung der Banken nach mehr Transparenz im Mittelstand diametral dem nur zögerlichen Informationsverhalten einiger Kreditinstitute gegenüber. Wünschenswert wäre, wenn auch die Banken bei den Bonitätskriterien mehr Offenheit zeigen würden. Außerdem sollten sie das Rating-Ergebnis ihren Kunden in schriftlicher Form zur Verfügung stellen.

Autoren:

Matthias Struwe, Inhaber der Agentur für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Eye Communications, Freiburg

Kontakt: m.struwe@eyecommunications.de



Martin Wambach, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Geschäftsführender Partner, Rödl & Partner Köln

Kontakt: martin.wambach@roedl.com

www.roedl.de/rating

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