Creditreform-Herbstumfrage
Der Mittelstand berappelt sich

Von Jubelstimmung ist im deutschen Mittelstand zwar nichts zu spüren, doch die Lage hat sich gebessert. Das ergab die Herbstumfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

HB MÜNCHEN. „Die Bewertung der Geschäftslage des Mittelstandes im Herbst ist die beste seit fünf Jahren“, sagte Creditreform-Vorstandsmitglied Helmut Rödl am Dienstag in München bei der Vorstellung der Herbstumfrage. Fast ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen beurteilt die gegenwärtige Situation als gut oder sehr gut, mehr Unternehmen als noch im Vorjahr machen sich Hoffnungen auf Umsatzzuwächse und die Investitionsbereitschaft kehrt allmählich zurück.

Die Zahl der Unternehmenspleiten ist leicht auf dem Rückzug. Eine Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden, warnte Rödl vor zuviel Optimismus. „Man kann sagen, dass sich durchaus eine Aufhellung abzeichnet. Allerdings: Die Lage im Herbst 2005 ist auch von Unsicherheit geprägt.“

Rund 38 000 Firmen müssten in diesem Jahr voraussichtlich den Gang zum Insolvenzrichter antreten, das wären rund 1300 weniger als 2004. „Wir erwarten für 2005 zwar keinen neuen Rekord, das Insolvenzniveau ist aber unverändert zu hoch“, sagte Rödl. Der Zenit aus dem Jahr 2003 mit knapp 39 500 Pleiten scheine aber zumindest überschritten zu sein. Kein Ende sieht Creditreform dagegen bei den Privatinsolvenzen, wo nach wie vor zweistellige Wachstumsraten zu beklagen seien. „Die Richter werden der Flut dieser Anträge nicht mehr Herr“, sagte Rödl.

Der verhaltene Optimismus der Unternehmen wirke sich auch auf die Beschäftigtenzahlen aus. Hier sei die Situation so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr, sagte Rödl. Per saldo hätten die Betriebe im ersten Halbjahr rund 30 000 Stellen mehr geschaffen als abgebaut. „Dies ist vor allem der Zunahme der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor zu verdanken.“ Für die kommenden Monate überwiege allerdings der Anteil der Firmen, die ihr Personal reduzieren wollten.

Der Mittelstand wisse nach dem Regierungswechsel weiterhin nicht, woran er sei, kritisierte Rödl. Die Chancen auf mehr politische Unterstützung für den Mittelstand beurteilt er skeptisch: „Ich habe mit Blick auf die Ressortaufteilung die Befürchtung, dass sich hier nicht viel ändern wird.“

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