Creditreform: Viele Firmen sind auch im Aufschwung gefährdet

Creditreform
Viele Firmen sind auch im Aufschwung gefährdet

Trotz der verbesserten Wirtschaftslage sieht die Wirtschaftsauskunftei Creditreform viele deutsche Unternehmen nach wie vor als gefährdet an. „Rückschläge drohen vor allem dann, wenn der Exportmotor stottern sollte“, so die Auskunftei. Der Mittelstand schlägt sich in der Krise gut.
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DÜSSELDORF/FRANKFURT. Trotz der verbesserten Wirtschaftslage sieht die Wirtschaftsauskunftei Creditreform viele deutsche Unternehmen nach wie vor als gefährdet an. „Rückschläge drohen vor allem dann, wenn der Exportmotor stottern sollte“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Auskunftei, Volker Ulbricht, gestern in Düsseldorf. „Der Binnenmarkt dürfte zwar einen Wachstumsbeitrag leisten, dieser wird allerdings gering ausfallen.“ Erst im kommenden Jahr werde sich zeigen, ob sich der Aufschwung selbst trage.

Viele Branchen würden daher weiterhin als risikoreich eingestuft, die Kapitalgeber blieben vorsichtig, berichtete Ulbricht. Er hat mit seinen Kollegen die Bonität von rund drei Mio. deutschen Unternehmen bewertet und diese einem „Stresstest“ unterzogen. Finanzmarktregulierung, Bankenabgabe und neue Eigenkapitalrichtlinien sieht Creditreform als neue Herausforderungen für die Unternehmen. Ulbricht erwartet zwar in den kommenden zwölf Monaten keinen weiteren Anstieg der als gefährdet eingestuften Unternehmen, er rechnet aber auch nicht mit sinkenden Ausfallrisiken.

Hauptprobleme sind laut Creditreform die zu geringe Eigenkapitaldecke und die zu schwache Ertragskraft der Unternehmen. In vielen Bereichen wie dem Einzelhandel, dem Bau und einigen Dienstleistungsbereichen seien nach wie vor erhebliche strukturelle Schwächen festzustellen. „Bei einer Verschärfung in den Finanzierungs- und Kreditbedingungen droht diesen Unternehmen schnell eine handfeste Krise“, schreibt Creditreform in der Untersuchung.

Auch die Zulieferer der Automobilindustrie stehen vor finanziellen Herausforderungen: „Einige Autozulieferer hatten große Probleme, profitieren jetzt aber vom Aufschwung der großen Hersteller“, sagte Klaus Heininger, Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Falk & Co, dem Handelsblatt. Das heißt aber auch, dass sie die Produktion vorfinanzieren müssen. Laut der Wirtschaftsauskunftei D&B Deutschland stehen daher viele Zulieferer immer noch vor dem Abgrund, jedes fünfte Unternehmen sei insolvenzgefährdet.

Creditreform erwartet für 2010 insgesamt rund 34 000 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. 2009 gab es wegen der Krise bereits einen Anstieg um 11,3 Prozent. Rund 3,5 Prozent der Unternehmen, die die Auskunftei untersucht hat, stuft sie als risikoreich ein. Kurt Demmer, Chef-Volkswirt der IKB, erwartet dagegen, dass es 2010 sogar weniger Insolvenzen geben könnte als im Vorjahr, da viele Unternehmen durch Einsparungen ihre Eigenkapitalquote aufgebessert hätten.

Trotz der Probleme in einigen Branchen hat sich der Mittelstand laut Creditreform in der Krise als Stabilitätsanker bewiesen. „Ein Großteil des deutschen Mittelstandes ist glimpflich aus der Rezession herausgekommen. Die Krise war vielfach eine Krise der Konzerne“, sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Knappe Kredite und die Vorsicht der Banken hätten großen Unternehmen die Finanzierung erschwert. Zudem litten sie wegen der stärkeren Exportorientierung zu Beginn der Krise stärker als kleine Unternehmen und verzeichneten eine deutlichere Verschlechterung ihrer Bonität. Dafür kamen sie aber auch schneller aus der Krise heraus.

Deshalb dürften laut Wirtschaftsprüfer Heininger die Bilanzen vieler Mittelständler 2010 noch durchwachsen ausfallen. „Meiner Ansicht nach wird sich der Aufschwung, wenn er denn anhält, erst in den Jahresabschlüssen 2011 niederschlagen.

Neben den Autozulieferern stehen nach den Berechnungen von Creditreform vor allem Gastgewerbe, Baugewerbe, konsumnahe Dienstleistungen und der Kfz-Handel wackelig da. Deutlich besser als der Durchschnitt ist die Bonität in den Branchen Chemie und Pharma, Finanzdienstleistung sowie Elektrotechnik.

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  • Es ist fahrlässig, zu glauben, daß dieser geborgte aufschwung anhalten wird. Die anzeichen für eine Abkühlung des welthandels mehren sich. Sollte der welthandel stagnieren, kommt für Deutschland flugs die nächste Rezession. Hoffnungen auf den binnenmarkt werden sich als trügerisch herausstellen. Es kann durchaus möglich sein, daß wir das gesamte nächste Jahr Rezession haben. dann dürfen wir keinesfalls den fehler widerholen, sämtliche firmen wieder mit staatsgeld durchzuschleifen. banken, die der markt nicht braucht, müssen weg. denn das Wirtschaftswachstum wird jahrelang schwach bis negativ sein, und das hochgejubelte Exportmodell wird versagen.

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