Crowdfunding Der geklaute Sitzsack

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Was wird aus den vier Millionen Dollar?
Diese Start-ups krallten sich US-Konzerne
Der neuste Deal
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Nun könnte es für sie und ihre Chefs so weit sein: Das Berliner Start-Up 6Wunderkinder, das für seine To-do-Listen-App „Wunderlist“ als erste Berliner Gründung Geld von dem berühmten US-Risikokapitalgeber Sequoia Capital bekam, wird von Microsoft übernommen. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, der US-Konzern lege 100 bis 200 Millionen US-Dollar für die Wunderkinder auf den Tisch.

Wunderlist bringt Mega-Exit ein
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Das junge Unternehmen begeistert mit seiner To-do-Liste und anderen Angeboten mehr als sechs Millionen Menschen weltweit – und nun offenbar auch die Entscheider bei Microsoft. US-Medien taxierten den Wert der Firma Ende 2013 auf 60 bis 65 Millionen Dollar, die App-Schmiede selbst veröffentlicht keine Unternehmenszahlen, die eine Bewertung zuließen. 6Wunderkinder ist eines der bekanntesten Start-ups der Berliner Gründerszene, doch bei weitem nicht das erste deutsche Jungunternehmen, bei dem US-Konzerne zugreifen. Die Übernahmelust der Amerikaner geht quer durch alle Branchen, wobei fast alle Übernahmen der vergangenen Jahre im Bereich Onlinedienstleistungen liefen. Und noch etwas fällt auf: Häufig übernahmen die Konzerne kleine Kopien ihrer eigenen Geschäftsmodelle – offenbar machten die deutschen Raubkopien ihre Sache meist äußerst gut.

1999: Urknall des Samwer-Universums
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Wenig überraschend, dass sie zu den Ersten gehörten: Die Samwer-Brüder um Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Start-up-Inkubators Rocket Internet. Noch lange bevor Rocket Internet die Kopie von Internetunternehmen professionalisierte und zu einem grundlegenden Geschäftsmodell machte, gründeten die Samwer-Brüder 1999 das Internetauktionshaus Alando. Schon im Mai des gleichen Jahres verkauften sie das Unternehmen für 43 Millionen Dollar an Ebay, just den US-Konzern, den sie kopiert hatten.

2004: Jamba lässt die Kassen klingeln
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Nur einige Jahre nach dem Alando-Deal konnten die Samwer-Brüder wieder einen erfolgreichen Exit, also eine Übernahme durch einen größeren Konzern, landen. Die Samwers hatten im Jahr nach dem Alando-Verkauf den Klingelton- und Mobilanwendungsanbieter Jamba gegründet. Das Unternehmen,“ das zwischenzeitlich wegen Abonnementverkäufen an Minderjährige in die Kritik geraten war, reizte 2004 den US-Konzern VeriSign. Stolze 273 Millionen US-Dollar legte der Konzern damals auf den Tisch, doch da Oliver und Marc Samwer bis 2005 nicht aus dem Konzern ausstiegen und die Verkaufserlöse an verschiedene Beteiligungsfirmen ausgeschüttet wurde, nahmen die beiden Gründer sogar noch mehr Geld ein.

Mai 2010: Der City-Deal
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Oliver Samwer (Mitte), hier mit seinem Finanzchef Peter Kimpel und Rocket Internet-Manager Alexander Kudlich, lockte die US-Konzerne weiter mit seinen Kopien: Unter dem Rocket Internet-Dach entstand etwa das Gutschein-Portal CityDeal, das den US-Konzern Groupon imitierte. Entweder es ärgerte die große Konkurrenz – oder es beeindruckte sie. Jedenfalls griff Groupon im Mai 2010 für umgerechnet 125,4 Millionen Euro zu und zog das deutsche Start-Up in den eigenen Rennstall.

Dezember 2010: Ebay schlägt erneut zu
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John Donahoe bescherte den Gründern des Berliner Markenbewertungsportals brands4friends Freude. 150 Millionen Euro zahlte der Ebay-CEO, um die Plattform mit der großen Konsum-Community zu übernehmen. Dabei hatten Analysten das Unternehmen kurz vor dem Deal nur mit 100 Millionen Euro bewertet. Doch Ebay dürfte damals zunehmend unter Druck geraten sein, da Akteure wie Amazon im Bereich der Shopping-Communities ebenfalls aktiv geworden waren. brands4friends, das zuvor durch buchhalterische Fehler in finanzielle Bedrängnis geraten war, stand nach dem Deal wieder auf sicheren Füßen.

April 2011: Make a Big Point
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Sie waren schon eine Größe im Gamingbereich, mehrere Investoren waren bei Big Point aus Hamburg bereits vor 2011 mit dreistelligen Millionensummen eingestiegen. Doch 2011 kam mit 350 Millionen US-Dollar die große Übernahme durch die US-Investoren Summit Partners und TA Associates, wobei der Gründer Heiko Hubertz weiterhin Anteile behielt. Der Onlinespieleentwickler erwirtschaftete nach eigenen Angaben zur Zeit der Übernahme dreistellige Millionenumsätze, der Gewinn lag 2009 bei zwölf Millionen Euro.

Diese Woche nun urteilte ein Gericht in Den Haag: Kaisr muss den Verkauf EU-weit sofort stoppen, weil das Produkt in Form und Größe gleich sei. „Das Modell hat namentlich die selbe Höhe, doppelte Röhrenform und die kennzeichnende tiefe Spalte in der Längsrichtung des Liegesacks“, urteilte der Vorsitzende Richter. Eine abweichende Form am Kopfende sei unerheblich. Die Website von „Kaisr – The Original“ ist bereits abgeschaltet.

Was aus den vier Millionen Dollar wird, die Kaisr über Indiegogo bei Kleininvestoren eingesammelt hat, ist unklar. Laut dem niederländischen Rundfunk will Kaiser in Berufung gehen. Schließlich sind schon über 10.000 Bestellungen eingegangen – und die Gründer beharren darauf, die Idee unabhängig entwickelt zu haben. Sie hatten im Netz einen wahren Run ausgelöst: Eigentlich wollten sie nur ein paar tausend Dollar einsammeln – doch allein ihr Vorstellungsvideo wurde mehrere Millionen mal geklickt.

Bei wem die Sympathien nun liegen, ist klar: bei Designer Oomen. Denn der trat nachweislich mit dem Konzept bereits 2010 in der TV-Sendung „Die beste Idee der Niederlande“ auf. Er kämpft leidenschaftlich gegen das mutmaßliche Plagiat von Kaisr. „Sie sagen, dass sie das selbst entwickelt haben, aber das ist lachhaft. Ich begreife nicht, warum Menschen so eine Geschichte vor sich hertragen, wenn sie wissen, dass das nicht so ist“, sagte Oomen im niederländischen Rundfunk.

Doch der Kampf ist wohl längst nicht zu Ende. Offenbar geht Oomen bereits mit Hilfe einer Anwaltskanzlei gegen andere Händler vor, die auf Amazon ähnliche Produkte mit Bildern seiner Erfindung anbieten. Inzwischen sind zudem eine deutsche Marke namens Laybag und die US-Marke Windpouch mit Produkten im Netz aufgetaucht. Zumindest auf den Abbildungen sehen sie Oomens Erfindung frappierend ähnlich.

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