Das Gebahren der Finanzinvestoren beim Dentaltechnik-Hersteller Sirona und Armaturenspezialisten Grohe
Beim ersten Mal tut's noch weh

Finanzinvestoren fallen über den Mittelstand her. Beim Dentaltechnik-Hersteller Sirona erweist sich der Geldgeber als Heilsbringer. Und beim Armaturenspezialisten Grohe?

BENSHEIM. Der High-Tech-Sitz ist mit blauem Kunststoff bezogen, per Fußtasten stufenlos verstellbar, mit einem eigenen Computerbildschirm ausgerüstet, und er dürfte 80 Prozent der Menschen Angst einflößen. Der M 1 ist der Rolls-Royce unter den Zahnarztstühlen. Bis zu 45 000 Euro muss der statusbewusste Dentalmediziner auf den Tisch legen, dafür können er und seine Patienten sich aber auch 20 Jahre an dem M 1 erfreuen.

Produziert wird das Folterinstrument in Bensheim, einem Ort an der Bergstraße mit kopfsteingepflasterten Gassen und ehrwürdigen Linden um den Marktbrunnen. Eine deutsche Idylle - doch ginge es nach SPD-Chef Franz Müntefering, müsste das Städtchen wohl unter Quarantäne gestellt werden.Hier herrscht Heuschrecken-Alarm der höchsten Stufe.

Sirona, der größte Arbeitgeber vor Ort und einer der weltweit wichtigsten Hersteller von technischem Werkzeug für Zahnarztpraxen, wurde gerade an einen Finanzinvestor verkauft. An eine Gesellschaft, die auf den ersten Blick perfekt in das Bild der von SPD-Chef Franz Müntefering geprägten Heuschrecken-Debatte passt.

Das eigentlich Pikante dabei: Der US-Fonds Madison Dearborn ist nicht das erste Insekt, das über Sirona herfällt. Die Bensheimer sind das erste größere deutsche Unternehmen, das nun bereits zum dritten Mal an eine Beteiligungsgesellschaft verkauft wurde.

Doch wer sich bei Sirona umhört, der erfährt keine Geschichte von kaltblütigen Kapitalisten, sondern eine Geschichte über Internationalisierung, über Wachstum und Aufbruchstimmung. Es ist aber auch eine Story, die zeigt, dass sich beim immer schnelleren Geschäft mit Beteiligungen die Temperaturanzeige dem roten Bereich nähert. Dem Markt droht die Überhitzung. Denn die Anleger überschwemmen die großen Beteiligungsfonds mit Kapital. Im ersten Halbjahr sammelten sie weltweit 80 Milliarden Dollar ein, mehr als doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2004. So viel Geld will angelegt sein, und gerade in Deutschland scheinen die Gelegenheiten allmählich knapp zu werden.

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