Debt Equity Swaps
Umwandlung mit Tücken

Durch Debt Equity Swaps wandeln etliche Unternehmen Verbindlichkeiten in Eigenkapital um. Gerade bei der Sanierung wird das Finanzinstrument immer beliebter. Im deutschen Gesellschafts- und Steuerrecht lauern aber etliche Tücken für Unternehmer. Die wichtigsten beschreibt Ulrich Brauer, Partner bei Simmons & Simmons.

Nicht wenige Unternehmen plagt derzeit das gleiche Problem: Sie haben ein gutes Geschäftsmodell, aber zu wenig Eigenkapital und hohe Schulden. Ein in diesen Fällen viel diskutiertes Sanierungsinstrument sind sogenannte Debt Equity Swaps - also die Umwandlung der Verbindlichkeiten in Eigenkapital. In den USA und in England werden Unternehmen so schon lange mit Erfolg saniert; hierzulande liefern nun vor allem krisengeschüttelte Unternehmen aus der Autobranche die Blaupause für den erfolgreichen Einsatz in der Praxis.

Besonders gern bedienen sich strategische Investoren der Debt Equity Swaps. Eine attraktive Lösung für beide Seiten: Das Unternehmen wird vor drohender Insolvenz bewahrt und erhält frisches Kapital, der Investor erlangt preisgünstig die Kontrolle über das Unternehmen. Doch die Umwandlung von Forderungen in Eigenkapital hat ihre Tücken - und die lauern im deutschen Gesellschafts- und Steuerrecht.

Dabei ist das Prinzip zunächst ganz einfach: Grundsätzlich geht es darum, notleidende Kredite in Beteiligungskapital umzuwandeln. Ziel ist es, die Finanzierungslast zu verringern sowie das Bilanzbild zu verbessern, um so ein besseres Rating mit besseren Zinskonditionen zu erhalten. Die Zahlungsfähigkeit wird durch die Zuführung neuer Liquidität und durch die Verminderung der Tilgungs- und Zinsverpflichtungen erhöht.

Für das betroffene Unternehmen lässt sich so die Fortführung des Betriebes sicherstellen. Banken und andere Gläubiger können mit dem Verkauf von "bad debts" schwierige Kreditengagements schneller als geplant beenden und ein besseres Ergebnis beim Verkauf der notleidenden Darlehensforderungen (non performing loans) erzielen. Ein neuer Investor oder ein Großkunde kann sich die Mitsprache an einem Unternehmen sichern. Gelingt die Sanierung, hat der Investor preisgünstig die Kontrolle über das Unternehmen erworben.

Soweit die Theorie. In der Praxis eignet sich aber längst nicht jedes finanziell klamme Unternehmen für eine Sanierung mittels Debt Equity Swap. Wirtschaftliche Voraussetzung ist immer ein sanierungsfähiges operatives Geschäft. Denn der Debt Equity Swap schafft in den meisten Fällen nur die Voraussetzungen für die Sanierung, die muss dann auch in Angriff genommen werden. Für den Erfolg sollten Investor und Gesellschafter zudem mögliche Haftungsfallen, störrische Altgesellschafter und die steuerliche Behandlung fest im Blick haben.

Eine gefährliche Haftungsfalle lauert bereits am Anfang des Geschäfts. Denn die Umwandlung der notleidenden Forderungen in Eigenkapital wird - etwa nach dem Erwerb durch einen potenziellen Investor - durch vereinfachte Kapitalherabsetzung nach Aktien- oder GmbH-Recht mit anschließender Kapitalerhöhung vollzogen. Das ist vorteilhaft, da die Sicherheitsleistungen zugunsten von Gläubigern und das Sperrjahr bei der vereinfachten Kapitalerhöhung entfallen. Die Unterbilanz wird durch die Verrechnung des Grund- bzw. Stammkapitals mit Verlusten beseitigt, das Darlehen gegenüber der Gesellschaft wird dann durch Sacheinlage gegen Beteiligungsrechte eingebracht.

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