Delikatessengeschäft
Dallmayr bleibt Münchens Edelmagnet

Dallymayr ist eines der Aushängeschilder der bayrischen Hauptstadt. Das Traditionshaus bietet jedoch mehr als nur Kaffee: Hinter der bürgerlichen Beschaulichkeit verbirgt sich ein ausgefeiltes Konzept. Derzeit expandieren die Münchener behutsam mit Feinkost, Catering und ihrer Spitzengastronomie.
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MÜNCHEN. Es sind die Gerüche, die haften bleiben. Der Duft von fein geräucherten Schinken, würzigem Käse und das Aroma gerösteter Kaffeebohnen. Es sind die Bilder von prallgefüllten Obsttheken mit Trüffeln und Schalentieren, die man nicht vergisst. Schon der Rundgang durch Dallmayrs Delikatessengewölbe macht den Besucher reicher. Wer hier auch einkauft, gibt ein bisschen mehr aus als sonst.

"Wir leben von der Einmaligkeit des Hauses", sagt Florian Randlkofer eine Etage über der Feinkostabteilung. Im Cafe Bistro doziert er über die Tradition und den Wert der Marke Dallmayr. Vor vier Generationen erwarb sein Urgroßvater den Titel des "Königlich Bayerischen Hoflieferanten". Dallmayr bescherte den bayerischen Königen die ersten Südfrüchte, später kaufte das aufstrebende Bürgertum Delikatessen aus aller Welt. Mit dem Einstieg der Bremer Kaufmannsfamilie Wille begann der Weg zu einem führenden Kaffeehändler. Heute ist das Erbe aufgeteilt: Die Willes führen den Kaffeehandel und das Automatengeschäft, die Randlkofers das Delikatessenhaus, samt Partyservice, Bistro und Gourmetrestaurant. 2008 setzte die Gruppe 610 Mio. Euro um.

Die historische gelbe Fassade in der Dienerstraße und die Delikatessenhandlung sind immer noch die Visitenkarte des Unternehmens. Hinter der demonstrativen Beschaulichkeit verbirgt sich ein ausgefeiltes Logistik- und Gastronomiekonzept. 300 Angestellte bedienen und bekochen 1,5 Millionen Besucher, die jedes Jahr in das Haus gleich neben dem Marienplatz strömen. Dallmayr ist Marke und Magnet. Jedes Jahr schaltet das Unternehmen Fernsehspots für rund 20 Mio. Euro. Unter zartschmelzender Klaviermusik suggeriert die Werbung Münchener Kaffee- und Delikatessenidylle.

Randlkofer weiß um die Erwartungen, die das Haus weckt. "Wir müssen eine enorme Bandbreite bedienen", sagt der studierte Betriebswirt. Zu Dallmayr gehen so ziemlich alle: Die Bustouristen zum Staunen, die alteingesessenen Münchener zum Kaufen, die Geschäftsleute zum Schlemmen. "Wir haben ein basisdemokratisches Sortiment", sagt Randlkofer und verweist auf das imposante Weinsortiment im Erdgeschoss. In den Regalen finden sich Flaschen von fünf bis 3 000 Euro.

Was im Delikatessenhandel bis heute funktioniert, ging im ehrwürdigen Speiserestaurant irgendwann nicht mehr. Dallmayr steuerte mit den Jahren in einen klassischen Zielkonflikt. Viele Kunden des Delikatessenhauses suchten einen Imbiss, die Touristen eine Tasse Kaffee. Geschäftsleute wollten einen Mittagslunch, Gourmets einen Schlemmertempel für den Abend. Alles musste unter einen Hut. "Wir brauchten ein neues gastronomisches Konzept und vor allem Platz", erinnert sich Gastronomiechef Florian Hettler.

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