Der Expo-Architekt hat das temporäre Bauen als Experimentierfeld für neue Ideen entdeckt.
Lennart Wiechell entwirft Bauten für den Augenblick

Studiert hat er in Braunschwieg, heute ist Lennart Wiechell für den deutschen Pavillon auf der Expo 2010 in Shanghai verantwortlich. Kaum eines seiner Werke überdauert die Zeit - der Architekt ist spezialisiert auf temporäres Bauen.

KÖLN. Wenn Lennart Wiechell über seine Projekte spricht, dann flitzen seine Hände ununterbrochen von oben nach unten, von links nach rechts, malen Kreise in die Luft oder spielen mit einem Kugelschreiber. "Mich reizt es, immer wieder von vorne anfangen zu können. Mich reizt die Vielfalt in der Architektur", sagt der 36-Jährige und legt seine Hände ausnahmsweise mal ruhig in den Schoß.

Wiechell ist Architekt, studiert hat er an der Uni Braunschweig, gearbeitet hat er für einige der namhaftesten Architekturadressen Europas wie das Studio Daniel Libeskind oder Ipostudio Architects in Florenz. Manchmal arbeitet Wiechell an 30 Entwürfen parallel. Aber zurzeit konzentriert er sich vor allem auf ein Projekt: Er ist verantwortlich für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 2010 in Shanghai. Das Münchener Architektenbüro Schmidhuber + Partner hat die Ausschreibung von der Arge Deutscher Pavillon gewonnen. Wiechell ist dort Partner.

Die Begegnung zwischen Deutschland und China soll sich auch in der Architektur des Gebäudes widerspiegeln. So will Wiechell die Stahlkonstruktion zum Beispiel mit einer lichtdurchlässigen Membran umspannen. "Die erinnert an die Schirme, die die Chinesinnen zum Sonnenschutz tragen", sagt der schlanke dunkelhaarige Mann, der zuvor fünf Jahre zuletzt als Büroleiter bei Graft Architekten in Berlin gearbeitet hat. Seinen Weg markieren internationale Projekte und urbane Zukunftsentwürfe: Neben dem Workshop Hydrocity auf den kroatischen Kornaten Inseln 2001 folgte das Projekt Riga 4 Sights.

In ein paar Wochen siedelt Wiechell von München nach Shanghai. "Wir machen ja nicht nur die Planung eines Gebäudes. Wir bauen auch ein Gebäude aus sozialen Beziehungen und Kontakten und müssen dafür sorgen, dass die Stimmung im Team gut ist und dass Deutsche und Chinesen gut zusammenarbeiten."

Bisher funktioniere das aber erstaunlich gut. "Gutes Essen ist den Chinesen sehr wichtig. Danach lässt sich vieles ganz einfach besprechen." Und - fügt er hinzu - auf die Chinesen sei Verlass. "Wenn eine Zusage gemacht wird, dann wird diese auch eingehalten."

Wiechell hat schon so ziemlich alles gemacht in seiner Architektenkarriere, hat Wohnungen, Waschbecken und Hotels entworfen, hat in Italien gearbeitet und in Berlin. Seit Wiechell vor einem Jahr bei Schmidhuber + Partner eingestiegen ist, baut er praktisch nur noch für den "Mülleimer" - zumindest auf lange Sicht.

Denn er entwirft Messestände, die nach ein paar Wochen meistens wieder dem Erdboden gleichgemacht werden. Auch der deutsche Pavillon in China soll nach sechs Monaten wieder eingestampft werden - keine Spuren für die Nachwelt bleiben. Frustrierend findet Wiechell das aber nicht. "Ich habe gerade ein Bewerbungsgespräch mit einer Architektin geführt, die sich bei uns vorgestellt hat. Sie betreut seit 2002 ein Projekt im sozialen Wohnungsbau und ist - wegen der ganzen Bürokratie - über die Planungsphase noch immer nicht zum Bauen gekommen. Das ist frustrierend", meint Wiechell. Als "Messebauer" will er trotzdem nicht bezeichnet werden. Das habe etwas Irreführendes. Und da zeige sich auch der Neid zum Beispiel der Architektenkollegen, meint Wiechell und rückt - als wolle er das noch mal unterstreichen - seine Brille zurecht. Die Gläser sind eckig und mit einem dicken schwarzen Rand eingefasst. Er habe noch drei oder vier andere in Reserve, sagt er.

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