Designer Jan Kath
Der Herr der Knoten

Jan Kath haucht dem muffigen Orientteppich neues Leben ein. Zu seinen Kunden gehören Bill Clinton, Bruce Willis und Rupert Murdoch – doch in seine eigene Wohnung in Bochum lässt er keines seiner Werke.
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Herr Kath, Sie entwerfen Teppiche, die so gar nichts mehr mit dem angestaubten Image des Orientteppichs zu tun haben. Teppiche, die nach dem Versengen mit dem Gasbrenner wie von Motten zerfressen aussehen. Oder wie übergroße Toastbrote, auch mal wie feucht geworden oder völlig verpixelt. Wie kommt ein Mann aus dem Pott dazu, das Ansehen des Orientteppichs zu retten?

Ich wurde in eine Familie reingeboren, die nur mit Orientteppichen zu tun hatte und bin in diesem etwas „angestaubtem“ Ambiente groß geworden. Meine Eltern waren aber gar nicht konservativ. Bei uns war es fast schon normal, dass Menschen mit Turban und langen Gewändern aus Ägypten mit am Abendbrot-Tisch saßen. Als Kind bin ich über riesige Teppichstapel gesprungen, das war meine Spielwelt.

Sind Teppiche denn nicht spießig?

Jetzt nicht mehr und dazu haben auch wir ein bisschen beigetragen. Das ist aber auch eine Frage des Zeitgeists.

Sie sind in der 3. Generation im Teppichgeschäft, Ihr Unternehmen hat sich zu einem millionenschweren Unternehmen entwickelt. Woher kommt dieser Teppich-Boom?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Mal ist es in, dann ist es wieder out, dann wieder in. Das läuft in Wellen ab. Wenn Sie vor zehn Jahren ein Designmagazin durchgeblättert hätten, dann hätten Sie keinen Teppich gesehen sondern nur glatt polierte, strenge und kühle Betonböden. Seit einigen Jahren wird aber alles wieder ein bisschen weicher und wärmer und kuscheliger. Meine These: Umso heftiger, radikaler und aggressiver es draußen in der Welt ist, desto mehr ziehen sich die Leute in ihre eigenen vier Wände zurück zurück.

Am Anfang wollten Sie mit Teppichen allerdings so gar nix am Hut haben, oder?

Auf keinen Fall. Nach meinem Zivildienst habe ich den Rucksack gepackt und bin fast zwei Jahre lang in Indien und Nepal unterwegs gewesen. Dort habe ich alles gemacht, nur nichts mit Teppichen. Ich war so lange in der Techno-Szene unterwegs, bis mir das Geld ausgegangen ist. Und dann, nennen Sie es Zufall oder Schicksal, lief mir in der Millionenstadt Kathmandu ein Mann über den Weg, der früher Teppichlieferant meiner Eltern war. Um die Sache abzukürzen: Ich war ziemlich abgerockt und er hatte keine Lust mehr auf seine Arbeit. Zwei Wochen später hatte ich seinen Job.

Damit war aber noch nicht Ihre Leidenschaft für Teppiche geweckt, oder?

Nein, nein, die standen noch nicht im Vordergrund. Der Job war einfach nur Mittel zum Zweck, denn eigentlich wollte ich ja nur in der Hippie-Stadt bleiben. Aber dann wird man ja auch älter, versteht mehr vom Geschäft und entwickelt andere Interessen. Eines Tages, als der alte Bekannte dann komplett in den Ruhestand gegangen ist, habe ich seine Fabrik gekauft. Natürlich ging das nur mit der Hilfe meiner Eltern, die mir vorzeitig mein Erbe ausbezahlt haben.

Da waren Sie gerade mal 23 Jahre alt...

Ja, das lief alles so ein bisschen unter dem Motto: Denn sie wissen nicht, was sie tun. Ich musste plötzlich die Verantwortung für 500 Leute tragen. Und dann hatte ich bei der ganzen Aktion noch vergessen, dass ich ja auch noch einen Designer brauche, um die Teppichkollektionen zu entwickeln.

Dafür war wahrscheinlich dann auch kein Geld mehr da, oder?

So war das. Zum Glück bin ich Waldorf-Schüler gewesen und hatte einen sehr guten Kunstlehrer, der mir viel gezeigt hat. Also habe ich einfach in mich reingehorcht und die ersten Kollektionen ganz naiv aus dem Bauch heraus entwickelt. Leider hat das nicht so richtig funktioniert, weil ich mich noch zu sehr an dem orientiert habe, was die anderen machen.

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