Deutsche Abfallwirtschaft
Kleine Müllfirmen fürchten Übernahmewelle

In der Müllbranche wird derzeit gesammelt wie nie zuvor: Dabei geht es jedoch nicht um Abfall – dessen Mengen nehmen seit dem Jahr 2000 kontinuierlich ab. Eingesammelt werden vielmehr Unternehmen, und zwar durch Fusionen und Übernahmen. Kleine Entsorger fürchten, dass sie bald von wenigen Großunternehmen abhängig sind.

BREMEN. Nachdem sich mit KKR, Apax und Blackstone große Private-Equity-Fonds in die deutsche Müllbranche eingekauft haben, beginnen große Entsorger, sich gegenseitig zu schlucken. „Wir erleben derzeit einen Wandel, den andere Wirtschaftszweige schon bewältigt haben“, berichtet Jürgen Tönsmeier, Geschäftsführer der Tönsmeier Dienstleistungs GmbH. Gerade die klassischen Mittelständler beobachten die Konsolidierung in der Branche mit wachsender Sorge. „Für ein familiengeführtes Unternehmen ist das eine außerordentliche Herausforderung.“

Zuletzt war es der Zusammenschluss der Sulo GmbH und der Cleanaway Deutschland AG im vergangenen April, der einen weiteren Meilenstein des gewaltigen Konzentrationsprozesses in der Abfallwirtschaft markierte: Mit einem Umsatz von 1,2 Mrd. Euro und mehr als 8 000 Mitarbeitern entstand bei der Transaktion der zweitgrößte Müllkonzern Deutschlands. Europaweit ist die neue Sulo GmbH auf Platz fünf. „Die Zukunft gehört leistungsstarken, wettbewerbsfähigen Dienstleistungsunternehmen“, weiß Jürgen Rauen, Geschäftsführer von Sulo. „Die Zusammenführung wird der Marktentwicklung weitere Impulse geben.“ Experten rechnen zum Jahresende mit der wohl größten Übernahme in der deutschen Branchengeschichte: Denn auch Sulo sucht einen Käufer. Mit dem Berliner Wettbewerber Alba steht schon ein Interessent bereit.

Auch U-Plus, die Mülltochter des Stromkonzerns EnBW mit 275 Mill. Euro Umsatz, steht angeblich zum Verkauf an. „Mit weiteren Transaktionen ist zu rechnen“, bestätigt Leif Zierz von KPMG, Bereich Corporate Finance. „Damit wird der Konsolidierungstrend in der Branche noch einmal erheblich an Tempo zulegen.“

Hintergrund dieser Entwicklung sind schwindende Margen, die durch strengere Auflagen der Politik verstärkt werden: So ist es beispielsweise seit Mitte 2005 verboten, Hausmüll direkt auf Deponien zu entsorgen. Stattdessen muss er verbrannt oder mit komplizierten Verfahren vor der Deponierung behandelt werden - was wesentlich teurer ist.

Begünstigt wird die Konsolidierung auch davon, dass die deutsche Abfallwirtschaft immer noch zersplittert ist: „Die Branche wird von einigen wenigen Großunternehmen sowie einer Vielzahl von kleinen Mittelständlern dominiert“, erklärt Leif Zierz von KMPG. So kümmern sich die drei größten Entsorgungsunternehmen Deutschlands, Remondis, Sulo und Alba, um gerade einmal 17 Prozent des landesweiten Hausmülls.

Zum Vergleich: In Spanien und Frankreich besitzen die Top drei der Branche jeweils über 50 Prozent Marktanteil. Das Gesicht der deutschen Abfallwirtschaft wird also überwiegend von Familienunternehmen geprägt. Hinzu kommt, dass der größte Teil der Entsorgung in Deutschland immer noch von kommunal beherrschten Unternehmen kontrolliert wird.

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