Deutsche Bank zu Schadenersatz verurteilt
Sturz von der Zinsleiter

Das Angebot klang verführerisch: Mit einer komplexen Wette auf die globale Zinsentwicklung sollte die Zinslast eines deutschen Mittelständlers effektiv gesenkt werden, so das Versprechen der Deutschen Bank. Doch die Bank verspekulierte sich und der Mittelständler klagte. Die Geschichte eines Wirtschaftskrimis.

FRANKFURT. Die erste Offerte kam im Januar 2005. Gerne wollte die Deutsche Bank bei dem mittelständischen Unternehmen Schmidt (Name geändert) zur Hausbank avancieren. Und so bot sie ihm zur Senkung der Zinslast eine komplexe Wette auf die globale Zinsentwicklung an: den "CMS Spread Ladder Swap". Doch die Wette ging für die Schmidt GmbH nicht auf. Heute weiß der kaufmännische Leiter des Unternehmens, Eduard Mayer (Name geändert): "So ein Produkt kann ein mittelständisches Unternehmen ruinieren". Er fühlt sich von der Bank über den Tisch gezogen.

Mit 40 Millionen Euro Umsatz und stetigen Gewinnen war Schmidt prädestiniert für den Vorstoß der Deutschen Bank ins Mittelstandsgeschäft. "Im klassischen regelmäßigen Gespräch, in dem man mit der Hausbank zusammensitzt, stellte sie das Produkt als Zinsverbilligungsstrategie vor", erzählt Mayer. "Ich fragte noch, sind da Optionsmodelle drin, und der Kundenberater sagte ?Nein?."

Durch den "CMS Spread Ladder-Swap" - eine Wette auf die Differenz zwischen Lang- und Kurzfristzinsen - drohten Schmidt in der Spitze 1,2 Mill. Euro Verlust. "Gott sei Dank sind wir im Kern gesund und machen Gewinne", sagt Mayer.

Bisher sind vor allem Kommunen und kommunale Unternehmen mit Klagen gegen die Deutsche Bank und den Zinsswap bekannt geworden. Erst gestern wurde die Bank im Fall der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH zu einer Million Euro Schadenersatz verurteilt. Doch es waren vor allem mittelständische Unternehmen, die das Produkt gekauft haben. Wie die Firma Schmidt scheuen sie das Licht der Öffentlichkeit, hoffen auf einen Vergleich mit der Bank - auf ein Ende dessen, was Mayer heute als "billigen Wirtschaftskrimi" bezeichnet.

Unerfahren in Finanzdingen war Mayer im Januar 2005 nicht, als das Angebot der Bank kam. "Mit einfachem Hedgen haben wir uns seit Jahren gegen die Zins- und Währungsentwicklung abgesichert." Als exportorientiertes Unternehmen mit langer Vorfinanzierung war Zinsmanagement nicht unwichtig. So rechnete Mayer manuell durch, welche Verluste der neu angebotene Zinsswap für ihn im schlimmsten Fall bedeuten könnte. Bei fünf Millionen Euro Swapvolumen kam er auf 240 000 bis 260 000 Euro Maximalverlust. Das einseitige Kündigungsrecht der Bank wollte er nicht akzeptieren - bedang sich ebenfalls eines aus. Per E-Mail bekam er ein "Kündigungsrecht zu aktuellen Marktkonditionen" zugesichert. "Ich dachte, wenn ich in die Verlustzone laufe, kündige ich und gleiche das durch die Vorabprämie von gut 60 000 Euro für das erste Jahr aus." Doch Mayer hatte die Hebeleffekte des Produkts unterschätzt. Und das Computerprogramm, das die volle Wirkung des Swaps zeigte, brachte die Bank erst ein Jahr später mit.

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