Deutsche Dienstleister hoffen auf kräftiges Wachstum in den Beitrittsländern
Ost-Erweiterung sorgt für Optimismus

Die Logistikbranche schaut zuversichtlich nach Osten. Mit der EU-Erweiterung ist der Umsatz des Logistikmarktes der Gemeinschaft nach Angaben des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV) um 30  Mrd. Euro gestiegen.

HB DÜSSELDORF. Die Dienstleister hoffen auf mehr. Schon heute setzen deutsche Unternehmen in den neuen EU-Staaten mehr Waren um als in den USA und Kanada zusammen. Im Jahr 2002 lag das Handelsvolumen der deutschen Wirtschaft mit den Beitrittskandidaten bei 150 Mrd. Euro – das entspricht etwa einem Achtel des gesamten deutschen Außenhandels. Die erwarteten Wachstumsraten sind enorm: Experten rechnen bis 2015 mit einem Plus des europäischen Warenverkehrs um bis zu 60 %.

Die Vorbereitungen auf die Erweiterung sind längst abgeschlossen: Die deutsche Logistikbranche ist in Osteuropa bestens positioniert. Rund 100 Niederlassungen hat dort etwa die Stinnes-Tochter Schenker eröffnet. Auch andere haben sich längst in bestehende Speditionsbetriebe in den neuen Ländern eingekauft – so hält etwa die Rhenus AG seit Sommer 80 Prozent am polnischen Logistikdienstleister Polta S.A., womit innerhalb Polens eine flächendeckende Stückgut-Distribution gewährleistet ist.

Der Optimismus ist groß: „Die deutschen Logistiker sind in den neuen EU-Staaten ziemlich gut aufgestellt“, sagt Peter Sauer von der Firma Schenker. Mitbewerber aus den Beitrittsländern dagegen, die künftig auch auf den Märkten Westeuropas aktiv werden könnten, seien kaum zu erwarten. „Wir haben in vielen Jahren ein hochkomplexes System aufgebaut, und sind heute weltweit an 1 100 Standorten präsent – das ist eine gewachsene Organisationsstruktur“, erläutert Sauer. Vergleichbares könne kein Unternehmen aus dem Stand aufbauen.

„Osteuropa hat noch klassische Transportunternehmen, die keine Logistikunternehmen sind“, sagt Thomas Westphal von der Rhenus AG. Und diese Transporteure arbeiten bereits für die westlichen Logistiker, die oftmals kaum noch einen eigenen Fuhrpark unterhalten. „Wir haben selbst gerade noch 100 Lastwagen, den Rest unseres Bedarfs kaufen wir ein“, sagt Westphal.

Als wichtigster Logistikmarkt in den neuen EU-Ländern gilt Polen. Dort ist Schenker an 23 Standorten präsent. Zu den Kunden zählen hier vor allem Unternehmen aus den Branchen Automotive, Computer, Anlagenbau und aus der Mineralöl- und Konsumgüterindustrie. Ungarn und Tschechien stehen auf den beiden nachfolgenden Plätzen.

Für das Geschäft mit Massengütern zählt Osteuropa schon heute zu den wichtigsten Regionen. Den drei führenden Ländern Polen, Tschechien und Ungarn kommt daher auch beim grenzüberschreitenden Schienenverkehr eine erhebliche Bedeutung zu. So verbinden zum Beispiel bereits seit 1997 Ganzzug-Verkehre die Möbel-Produktion in Polen mit ihren Kunden in Deutschland und anderen westeuropäischen Staaten. Die wichtigsten Empfänger sind das Möbelhaus IKEA und das Versandhaus Quelle.

Die gute Marktposition Deutschlands bestätigt auch die Management- und IT-Beratung Capgemini in einer aktuellen Studie. Ein wesentlicher Pluspunkt sei die zentrale Lage der Bundesrepublik im neuen Europa. Dadurch sei es möglich, osteuropäische Ziele schnell zu erreichen. „Damit macht Deutschland den bisherigen Top-Standorten Belgien und den Niederlanden durch die Nähe zum osteuropäischen Kunden Konkurrenz“, bilanzieren die Berater.

Weiteres Ergebnis der Studie: Auch die Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsmittel sei in Deutschland weit fortgeschritten. „Multimodale Transportzentren sitzen an den deutschen Grenzen, wo die Güter dann von der Schiene oder vom Wasser auf die Straße umgeladen werden und umgekehrt.“ Das könnten andere Länder kaum in diesem Umfang bieten.

Der Vorteil liegt in der Komplexität der Strukturen, die die Logistikbranche hier zu Lande aufgebaut hat – auch was die Einbindung der Bahn betrifft. Gerade bei Transporten zwischen Deutschland und Osteuropa ist ein guter Bahnanschluss ein Pluspunkt. Marktkenner gehen davon aus, dass der Anteil der Schiene am Güterverkehr auch in Zukunft hoch bleiben wird – derzeit liegt er bei gut 30 % auf Strecken in die Ostländer. „Die Bahn hat in Osteuropa immer eine große Rolle gespielt“, sagt Rhenus-Sprecher Westphal.

Eine Abkehr von der Schiene ist auch deswegen nicht zu erwarten, weil aus dem Osten relativ viel Massengutverkehr kommt. Und gehe man weiter Richtung Russland, so Westphal, sei „die Bahn ohnehin das beste, weil sicherste Verkehrsmittel“.

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