Deutsche Partner gesucht
Dem Irak geht das Benzin aus

Dem Irak steht auch wirtschaftlich ein harter Sommer bevor: Im Land mit den nach Saudi-Arabien zweitgrößten Erdölreserven der Welt ist Benzin Mangelware. Deutsche Unternehmen sind aufgerufen, Abhilfe zu schaffen. Erste Firmen sind schon vor Ort.

bfai HAMBURG. Rund 60 Prozent der Ölfelder liegen brach, mehr als die Hälfte der Raffinerien sind außer Betrieb und 30 Mill. cubicfeet Gas verbrennen ungenutzt. Strom gibt es in Bagdad nur zwei Stunden täglich, die Kosten für Sicherheit schlagen hoch zu Buche. Dennoch bietet der Markt enormes Zukunftspotenzial.

Rund 200 Vertreter aus Wirtschaft und Politik diskutierten am 19.6.07 über Möglichkeiten einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Irak. Veranstalter der Konferenz waren der DIHK, der Nah- und Mittelost-Verein und die Handelskammer Hamburg.

Die Ausfuhren der deutschen Wirtschaft in den Irak wachsen trotz der politisch schwierigen Lage. 2006 exportierten die Unternehmen Waren im Wert von 368,4 Mill. Euro - 33 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen Warenströme, die über die Türkei oder Jordanien in den Irak gelangen.

"Sehr viele Geschäfte werden über diesen Umweg abgewickelt", urteilt Hans Janus von der Euler-Hermes Kreditversicherungs AG. Daher habe sein Unternehmen im vergangenen Jahr nur zehn Transaktionen in Deckung genommen: Fabrikationsrisiken für Industrieanlagen und Infrastruktur, die speziell für den Irak gefertigt werden. Angesichts der geringen Nachfrage der deutschen Wirtschaft seien die praktischen Erfahrungen von EulerHermes hinsichtlich der Risiken im Irak-Geschäft gering.

Ein wesentliches Hindernis für Investitionen ist die weiterhin angespannte Sicherheitslage. Der irakische Industrieminister Fawsi Hariri schätzt, dass bis zu einem Viertel der Projektkosten für die Sicherheit aufgewendet werden müssten. In vielen Teilen Iraks sei die Situation jedoch ruhig, etwa im irakischen Kurdistan im Norden des Landes. Hier zeige sich: "Wo Sicherheit herrscht, folgen wirtschaftliche Fortschritte", betonte der Minister. Die Präsenz deutscher Unternehmen vor allem bei der anstehenden Privatisierung großer Teile der Staatswirtschaft sei von hoher Bedeutung. Im Energie- und Ölsektor, der Industrie und im Bergbau suche der öffentliche Sektor Joint-Venture-Partner. "Wir brauchen neue Kraftwerke und ein besseres Stromverteilungsnetz".

Karl-Ernst Brauner, Ministerialdirektor im Bundeswirtschaftsministerium, ermutigte deutsche Unternehmen, sich beim Wiederaufbau zu engagieren. Angesichts der vielfältigen internationalen Hilfen sei die Finanzierung vieler Projekte gesichert. Die deutsche Wirtschaft genieße einen hervorragenden Ruf im Lande. Viele Autobahnen, Staudämme oder Flughäfen seien zusammen mit deutschen Firmen gebaut worden. Eine große Zahl irakischer Führungskräfte habe in der Bundesrepublik studiert und sei daher für deutsche Geschäftsleute besonders aufgeschlossen. Ein Investitionsschutzabkommen mit Irak sei in Vorbereitung, auch eine WTO-Mitgliedschaft Iraks werde angestrebt.

Eine Firma, die an ihre historischen Handelsbeziehungen zum Irak unmittelbar angeknüpft hat, ist die Firma Rotring Engineering. Vorstand Michael Schmidt räumt zwar ein, dass die Vertragserfüllung bis hin zur Bezahlung oft lange und schwerfällig sei. Dennoch stehe für das Unternehmen das Zukunftspotenzial des irakischen Marktes im Vordergrund. Auch Werner Schoeltzke von MAN Ferrostaal sieht große Chancen für kleine und mittlere Unternehmen im Irak. Viele Anlagen seien mehr als 20 Jahre alt, Ausrüstungen und Ersatzteile teils zerstört oder erneuerungsbedürftig.

Die Entwicklung der Industrie ist nach Einschätzung des irakischen Planungsministeriums der Schlüssel für die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Noch stelle der Öl- und Gassektor 67 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, während Dienstleistungen gerade 20 Prozent, Landwirtschaft rd. 10 Prozent und die Industrie weniger als 2 Prozent erreiche. "Wir brauchen ausländische Direktinvestitionen und den Privatsektor, um die Diversifizierung voran zu treiben", sagte der stellvertretende Minister Faik Ali Abdel Rassool. Auch zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, von der rd. 56 Prozent der Bevölkerung betroffen seien, benötige der Irak eine neue Produktionsbasis.

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