Deutsche Regelungen strenger als die EU-Vorgabe
Sieben verlorene Jahre für die Gentechnik

Mitte Juli sah man bei der Monsanto Deutschland GmbH keine andere Möglichkeit mehr, als den Weg über die Gerichte zu beschreiten.

Beim Verwaltungsgericht Hannover reichte die deutsche Tochter des US-Konzerns Klage ein, um endlich eine Entscheidung des Bundessortenamts über den Mais MON 810 zu erzwingen. Vorangegangen war bereits ein mehrjähriges Tauziehen um die gentechnisch modifizierte Maisvariante. MON 810 ist mit einem Gen ausgestattet, das ihn resistent macht gegen den Maiszünsler, einen gefürchteten Schädling. Bereits 1999 erhielt die Maisvariante die gentechnische Genehmigung der EU. Für die Vermarktung als Saatgut ist in Deutschland aber zusätzlich die Zulassung durch das Bundessortenamt erforderlich. Einen ersten Anlauf unternahm der US-Saatgutkonzern Pioneer als Lizenznehmer von Monsanto ab 2002. Doch eine Entscheidung wurde im Bundessortenamt immer wieder vertagt. Ende 2004 hatte schließlich auch Monsanto eine auf MON 810 basierende Sorte durch das zweijährige Prüfverfahren gebracht. Eine Entscheidung wurde zunächst für Februar 2005 erwartet. „Und wir waren sicher, dass unser Mais alle Anforderungen erfüllt und eine Zulassung erhalten würde“, so Monsanto-Sprecher Andreas Thierfelder. Doch die Entscheidung über MON 810 wurde vertagt, nachdem das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) genrechtliche Vorbehalte geltend machte.

Monsanto suchte daraufhin Kontakt zum BMVEL und verständigte sich schließlich mit der zuständigen Fachabteilung auf eine Lösung des Konflikts. Die Ministeriumsvertreter sicherten darin zu, keine rechtlichen Bedenken gegen den Monsanto-Mais mehr geltend zu machen. Im Gegenzug verpflichtete sich der Saatgutkonzern, spätestens bei Beginn des kommerziellen Anbaus einen Monitoring-Plan vorzulegen, der die Maissaaten eingehend überwacht. Alles schien wieder klar für eine Entscheidung.

Doch wenige Tage vor der geplanten Sitzung beim Bundessortenamt kam Ende Mai abermals ein Veto aus Berlin. Das Amt wurde erneut angewiesen, die Entscheidung zu vertagen, mit dem Hinweis, die genrechtliche EU-Genehmigung beziehe sich nur auf Mais als Futtermittel, nicht aber auf Saatgut. Im Gespräch mit dem Ministerium bemühte sich Monsanto nach eigenen Angaben noch einmal, wenn auch vergeblich, diese Bedenken auszuräumen. Als Mitte Juli schließlich die EU-Kommission klarstellte, dass sich die Genehmigung für MON 810 auch auf den Einsatz als Saatgut beziehe, entschloss sich der Konzern zur Klage.

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