
DÜSSELDORF. Gut 20 Hektar groß ist ein Versuchsfeld mit prächtigen Zuckerrüben, das die Uni Hohenheim in Stuttgart-Renningen unterhält. Eine Pracht, die jedoch durch Pilzbefall in kürzester Zeit vernichtet werden könnte, warnt Agrar-Ingenieurin Simone Graeff. Landwirte besprühen ihre Felder bislang flächendeckend mit Schutzmitteln, obwohl von zehntausenden Pflanzen oft nur ein Bruchteil befallen ist.
Vor diesem Hintergrund haben mehrere Hochschulen und Unternehmen vier Jahre lang grundlegende Technologien der Präzisions-Landwirtschaft in dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Verbundprojekt "Preagro" weiterentwickelt. Ergebnis: ein von der Technischen Universität Dresden entworfener, zwanzig Zentimeter hoher Roboter namens Robin, der die Pflanzenreihen entlangfährt und mit Sensoren den Zustand jeder Pflanze analysiert.
Die Daten jeder Pflanze werden einschließlich ihrer GPS-Koordinaten gespeichert und an ein computergesteuertes Spritzfahrzeug übermittelt, das Pestizide sprüht - zielgenau und nur die benötigte Menge. Mit diesem Einzelpflanzen-Management genannten Verfahren müssten etwa Kartoffelfelder nicht mehr sieben, sondern nur noch zwei Mal mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, erklärt Agraringenieurin Graeff. Folglich ließen sich je nach Pflanzenart zehn bis 80 Prozent der teuren Chemikalien einsparen, was dem Budget der Landwirte, der Umwelt und den Verbrauchern zugute käme.
Etwa 4400 Euro pro Hektar und Jahr kostet die übliche Schädlingsbekämpfung, schätzt Carl Herrmann vom schweizerischen Swissfood Tech Management. Das Agrartechnik-Unternehmen will Bauern von der "PhytO3" genannten, 160 000 Euro teuren Maschine überzeugen, das die desinfizierende Wirkung von UV-Licht und Ozon nutzt. Das ultraviolette Licht der Leuchtstoffröhren zerstört das Erbgut von Bakterien, Viren und Pilzen, so Karl Brieden von Heraeus Noblelight aus Hanau, dem Produzenten der UV-Lampen.
Da liegt der Gedanke nahe, dieses Wissen und die dazugehörigen Hightech-Maschinen gleich mit zu exportieren, weltweit, etwa nach China. Während Siegfried Kleisinger, Professor für Intensivkultur-Verfahrenstechnik an der Universität Hohenheim das Verfahren "unbedingt" weiter verfolgen will, äußert Gerald Wehde vom Bioland-Verband sich zurückhaltend und weist auf Risiken hin: Immerhin greife man auch mit UV-Licht und Ozon in ein fein austariertes Ökosystem ein.