Deutsche Unternehmen in Russland
Lohnendes Geschäft mit einigen Risiken

Russlands Politiker und Oligarchen sind nicht zimperlich, wenn es um das Geschäft geht. Trotzdem sind deutsche Investoren in Russland erfolgreich. Zu ihnen zählen Unternehmen wie Knauf Gips oder Metro - doch ganz reibungslos gelingt die Expansion nicht.

DÜSSELDORF. Dass Russlands Politiker und Oligarchen mit harten Bandagen kämpfen, bleibt deutschen Investoren nicht verborgen. Dennoch ist es vielen Unternehmen gelungen, in dem 142-Millionen-Einwohner-Land gute Geschäfte zu machen - und Investitionen zu sichern.

Zu ihnen zählt das Familienunternehmen Knauf Gips aus dem fränkischen Iphoven bei Würzburg, nach Siemens der zweitgrößte deutsche Investor im Land. "Russland ist einer unserer wichtigsten Auslandsmärkte und wegen des enormen Nachholbedarfs eine Wachstumsregion", sagte Knauf-Finanzchef Martin Stürmer dem Handelsblatt.

Dass Knauf in Russland weder von der Politik noch von mächtigen Wirtschaftsführern ausgebremst wird, hat einen guten Grund: Das Land braucht dringend Know-how, um den enormen Nachholbedarf beim Auf- und Ausbau zu bewerkstelligen. Investoren wie Knauf, Spezialist für den Rohstoff Gips wie auch für den Innenausbau von Wohnungen, sind daher hoch willkommen.

Das erklärt auch, warum der Oligarch Oleg Deripaska Beteiligungen an großen Baukonzernen wie der österreichischen Strabag und der deutschen Hochtief eingegangen ist. Von beiden Groß-Konzernen versprechen sich die Russen neuen Schwung beim Ausbau der Infrastruktur. Deripaska soll sogar im Auftrag des ehemaligen Präsidenten und heutigen Ministerpräsidenten Wladimir Putin gehandelt haben.

Kein Wunder, dass Knauf in Russland weiter investiert. Bis 2010 will der Baustoffkonzern "weit mehr" als eine Mrd. Dollar ins Land pumpen und die Produktion in Russland mehr als verdoppeln, wie Nikolaus Knauf kürzlich ankündigte.

Er führt mit seinem Vetter Baldwin das 1932 gegründete Familienunternehmen. Knauf setzt dabei vor allem auf den Wohnungsbau. Seit dem Markteintritt 1993 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits eine Mrd. Dollar investiert. Insgesamt zählt Knauf in Russland 14 Betriebe, die von einem Netz von Vertriebs- und Schulungsgesellschaften flankiert werden.

Knapp ein Viertel der über 20 000 Mitarbeiter der Gruppe arbeitet in Russland. Den Landesumsatz nennt der Gipshersteller aber ebenso wenig wie Ergebniszahlen.

Anders als BP erhält Knauf durch sein Russland-Engagement viel politische Anerkennung im Land. So erhielt Nikolaus Knauf "für seinen großen Beitrag zur Entwicklung und Festigung der russisch-deutschen Freundschaftsbeziehungen" den Orden der Freundschaft. Als Honorarkonsul repräsentiert er die russische Föderation in der Region Franken.

Als Kultur-Mäzen und großzügiger Spender pflegt Knauf gute Beziehungen. So vergibt Knauf beispielsweise an jedem Standort Zuschüsse an Kirchen für Renovierungsarbeiten. Eine im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche wurde sogar vollständig wiederaufgebaut. Unterstützt werden auch seit Jahren Kinder- und Altenheime sowie Schulen und Krankenhäuser.

Auch Deutschlands größter Handelskonzern Metro kommt in Russland weitgehend störungsfrei voran. "Die Cash & Carry-Märkte sorgen dafür, dass das Preisniveau in den Städten sinkt", berichtet ein Analyst, der sich mit dem Russlandgeschäft auskennt. "Wer es als Gouverneur einer Region schafft, Metro für eine Ansiedlung zu gewinnen, kann sich anschließend bei seinen Wählern dafür feiern lassen."

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