Deutsche Unternehmen stehen bereit, doch die Sicherheitslage verhindert Abschlüsse
Das schwierige Geschäft mit dem Irak

Deutsche Unternehmen bereiten sich auf das Geschäft mit dem Irak vor, doch die angespannte Sicherheitslage verhindert Abschlüsse – Erfolge bleiben eine Ausnahme, wie der der Elbe Maschinenbau GmBH & Co KG.

HB BERLIN/DÜSSELDORF.Vor wenigen Wochen meldete das Hamburger Unternehmen den ersten Großauftrag der Regierung in Bagdad an ein deutsches Unternehmen seit der Machtübergabe im Juni. Für rund 450 Mill. Euro will die Firma bis 2005 nach eigenen Angaben zwei Kraftwerke mit 100 und 550 Megawatt Leistung in das unter Energiemangel leidende Zweistromland liefern.

„Immer am Ball bleiben“, beschreibt Exportleiter Belgacem Khorchani das Erfolgsrezept. Allein nach Ende des Kriegs sei er fünfzehn Mal im Irak gewesen. Khorchani rechnet mit neuen Aufträgen im Wert von bis zu 600 Mill. Euro. Gespräche für die Montage weiterer Kraftwerke führt er bereits. Die Iraker seien „in Eile“. „Das Risiko“, behauptet er, „ist kalkulierbar“.

Wilfried Graf, Vorstand des deutschen Arms der Arab Bank sieht das skeptischer: „Das Problem ist die Sicherheit“. Von Erfolg könne man erst sprechen, wenn das Geschäft auch abgewickelt sei. Die Arab Bank wartet selbst darauf, wieder im Irak aktiv werden zu können, „es gibt im Prinzip keine Restriktionen mehr“, sagt Graf, doch sei es heute unmöglich, Mitarbeiter ins Land zu schicken.

Die meisten Unternehmen halten sich beim Thema Irak bedeckt. Diejenigen, die auf Aufträge hoffen, wollen sich nicht öffentlich äußern. „Hinter den Kulissen tut sich eine Menge“, sagt ein Berater in Amman, der Deutsche Unternehmen im Nahen Osten betreut. Viele Firmen warten auf Bankbürgschaften, um in den Irak liefen zu können. „Die Vergabe öffentlicher Aufträge läuft seit dem Machtwechsel aber schleppender“, erzählt ein Mitarbeiter eines betroffenen Unternehmens.

Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bleibt vorsichtig: „Die bisher bekannten Aufträge sind eher Einzelfälle, über die schon lange vor der Machtübergabe mit viel Aufwand verhandelt wurden“, sagt VDMA-Experte Klaus Friedrich.

Dabei ist das Interesse der Iraker groß. Im Frühjahr hatten sich nach Angaben der Deutschen Außenhandelskammer über 1 000 irakische Geschäftsleute in Beirut eingefunden,um Kontakte zu deutschen Firmen aufzunehmen. Gefragt seien gebrauchte Maschinen und medizinische Geräte. Eine steigende Zahl von Anfragen registriert jetzt auch der Motorenbauer Deutz. Zu größeren Abschlüssen sei es aber noch nicht gekommen, heißt es dort.

Die von der Wirtschaft geforderten Hermes-Bürgschaften wird es vorerst nicht geben. Zuvor müssen die 5,6 Mrd. Dollar Auslandsschulden des Irak umgeschuldet werden. Solange dies nicht geschieht, müssen die Firmen ihre Lieferungen über Banken absichern. Bei Geschäften mit der irakischen Regierung läuft dies über die Londoner JP Morgan, die zur Zeit im Namen der Iraqi Trade Bank auftritt. „Wenn man vom Kunden einen irakischen Letter of Credit erhält, der von einer internationale Bank bestätigt ist, ist das schon so gut wie bares Geld“, heißt es bei einem deutschen Anlagenbauer. Der normale Zahlungsverkehr ist nach wie vor kompliziert: „Direkte Überweisungen sind nicht möglich und müssen über mehrere Ecken abgewickelt werden“, weiß Florian Amereller, Anwalt bei der Kanzlei Krauss Amereller Henkenborg. Meist macht Geld aus dem Irak bei libanesischen oder kuwaitischen Banken Zwischenstation, wenn es nicht direkt per Koffer zum Kunden kommt.

Amereller sieht auch Positives: „Die Gesetzgebung der US-Zivilverwaltung CPA bleibt bestehen“. Das hat die neue irakische Regierung entschieden. Bis ein Konsens über mögliche Änderungen erreicht sei, werde noch Zeit vergehen, schätzt der Anwalt. Investoren könnten sich auf den Status Quo verlassen. Eine ganze Reihe von US-Unternehmen tun dies: Experten bemerken eine steigende Zahl von Tochterfirmen großer US-Konzerne, die im Irak gegründet werden. Sie stehen aber zunächst nur auf dem Papier – wegen der schlechten Sicherheitslage warten sie ab.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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