Deutsche Werkzeugbauer
Nischenanbieter sind besser als die Konkurrenz

Deutsche Werkzeugmacher lösen sich in zunehmendem Maße von der Produktion von Massenware. So legen die mittelständisch geprägten Unternehmen ihren Schwerpunkt verstärkt auf die Spezialisierung – mit Erfolg. In den lukrativen Nischenmärkten haben sich deutsche Werkzeugmacher bereits etabliert.

HAMBURG. Künstliche Hüftgelenke haben für Werkzeugmaschinenbauer Thielenhaus aus Wuppertal eine ganze Menge mit feinen Wälzlagern und Kurbelwellen gemeinsam. „Lange Lebensdauer, Energie- und Rohstoffeffizienz entscheiden“, erklärt Unternehmer Peter Thielenhaus: „Und damit höchste Präzision.“ Denn je glatter eine Oberfläche, desto weniger Reibung entsteht – und umso geringer ist der Verschleiß. Nur eine Hand voll Unternehmen weltweit versteht sich auf Maschinen, die Mikrometer genau arbeiten, um höchste Anforderungen zu erfüllen. Eines davon ist Thielenhaus. Und damit das so bleibt, arbeiten von 150 Beschäftigten am Hauptsitz 25 ausschließlich in der Forschung und Entwicklung.

Das war nicht immer so. Erst vor sechs Jahren hat Thielenhaus die Nische für sich entdeckt. „Damals haben wir alles in Frage gestellt und eine ganz neue Maschine entwickelt“, sagt er. Die „Microstar“ wurde zum Ausgangspunkt für eine ganze Maschinengeneration.

„Innovationen sind im Mittelstand heute ein klarer Erfolgsfaktor“, sagt Helmut von Monschaw, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken. „Natürlich bauen unsere Unternehmen auch Standardware. Der Schwerpunkt liegt aber in der Spezialisierung.“

Auch das Unternehmen Joachim Richter Systeme und Maschinen hat sich erfolgreich in einer Nische etabliert: Das Unternehmen aus Konken in Rheinland-Pfalz hat sich auf Beschriftungs- und Markierungsmaschinen spezialisiert. „Wir bringen jedes Jahr ein neues Produkt auf den Markt“, sagt der Geschäftsführer Joachim Richter. Mit seinen Maschinen lässt sich vom Sicherheitsventil bis zur Rohkarosse nahezu alles beschriften und markieren. Im Unterschied zu seinen Konkurrenten produziert Joachim Richter vollautomatische Systeme. Kunden müssen so nicht jedes einzelne Teil per Hand in die Maschinen einlegen. 1994 gründete Richter das Unternehmen und stellte die Nadelprägemaschine Unigrav vor, die auf einem völlig neuen Konzept basierte: Sie ist wie eine kleine Fräsmaschine aufgebaut. „Damit ist sie stabiler, und die Teile lassen sich sicherer positionieren“, sagt Richter. Zwölf Jahre nach der Premiere gehört die Firma mit 80 Mitarbeitern zu den weltweiten Marktführern.

Die Kapp Gruppe hat sich in den vergangenen Jahren ebenso erfolgreich von der Massenware verabschiedet: „Standardmaschinen machen nur 20 Prozent des Umsatzes aus“, sagt Geschäftsführer Martin Kapp. Sein Unternehmen stellt Zahnradschleifmaschinen her und ist, wie es in der Fachsprache heißt, Spezialist in der Hartfeinbearbeitung.

„Wir können Zahnräder im Durchmesser zwischen einem Zentimeter und fünf Metern schleifen“, sagt Kapp – ein so breites Spektrum biete kaum jemand von der Konkurrenz. Seit Anfang der achtziger Jahre expandiert das Coburger Unternehmen: 1982 hatte Kapp 260 Mitarbeiter, heute sind es schon 620. Ausgangspunkt für den Erfolg war ein Strategiewechsel. Kapp hatte lange Zeit Maschinen zur Instandhaltung von Werkzeugen produziert. „Der Bereich war vom Aussterben bedroht. Wir mussten umdenken“, erzählt Kapp. „Also haben wir unser Know-how zur Bearbeitung von Zahnrädern genutzt. Und das brachte schließlich den Durchbruch.“

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