Mittelstand

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Deutscher Marktführer: Müllers Rasierpinsel bald auch bei Macy’s ein Begriff

Mit dem Ende der DDR legte die Treuhand den Besitz wieder in die Hände der Gründerfamilie. Heute ist die H.-J. Müller GmbH & Co. KG mit einem Jahresumsatz von mehr als vier Millionen Euro und 30 Mitarbeitern Marktführer in der Produktion von Rasierpinseln. Im nächsten Jahr startet der Export in die USA.

HUNDSHÜBEL. Andreas Müller kann sich an den Tag des Mauerfalls vor zwanzig Jahren noch genau erinnern. Der damals 13-Jährige verfolgte in der kleinen Gemeinde Hundshübel im sächsischen Erzgebirge, wie SED-Politbüromitglied Günter Schabowski mit seinem legendären Versprecher das Ende der DDR einleitete. "Ich ahnte, dass etwas ganz Großes passierte, und drückte den Aufnahmeknopf meines Kassettenrekorders, um diesen historischen Augenblick zu dokumentieren", berichtet Müller in der Rückschau.

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Mit der Selbstauflösung des Arbeiter- und Bauernstaates fielen auch für die Müllers die Fesseln, die das Unrechtsregime ihrem kleinen Familienunternehmen angelegt hatte. Nach dem Mauerfall legte die Treuhand den Betrieb wieder in die Hände der Gründerfamilie. Heute ist die H.-J. Müller GmbH & Co. KG mit einem Jahresumsatz von mehr als vier Millionen Euro und 30 Mitarbeitern Marktführer in der Produktion von Rasierpinseln.

Spezialist für handgefertigte Pinsel

Pro Jahr verlassen etwa 1,5 Millionen industriell hergestellte Exemplare die Werkshallen. Die größten Renditebringer sind jedoch die luxuriösen, handgefertigten Dachshaarpinsel, von denen immerhin 20 000 Stück jährlich produziert werden. Für 30 bis 120 Euro pro Stück gehen sie im gehobenen Parfüm-Einzelhandel über den Ladentisch. Paradestück ist ein exklusives Rasierset aus Carbon für mehr als 500 Euro. Der 1945 von Andreas Müllers Großvater gegründete Bürsten- und Rasierpinselhersteller war Anfang der siebziger Jahre in der Folge einer großen Verstaatlichungswelle der DDR in dem VEB Bürstenwerke Schönheide aufgegangen. Vater Hans-Jürgen, der das Unternehmen 1968 nach dem frühen Tod des Firmengründers weitergeführt hatte, leitete fortan den volkseigenen Betrieb - jedoch ohne großen Enthusiasmus. Denn als gläubiger evangelischer Christ stand er dem atheistischen DDR-Regime von vornherein kritisch gegenüber.

Im sächsischen Erzgebirge mit seiner pietistisch-protestantischen Tradition hatte die SED sowieso einen schweren Stand. Auch der Pfarrer des Örtchens Hundshübel mit seinen 1 300 Einwohnern hatte sich nie den Mund verbieten lassen. Trotzdem hatte man im Dorf von den Montagsdemonstrationen im nicht weit entfernten Leipzig kaum etwas mitbekommen.

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