Mittelstand

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Deutscher Mittelstand: Mit Kuriositäten zum Erfolg

Schnupftabak mit Aprikosenduft, Superseile, flüssiges Helium: Deutsche Unternehmen erobern mit Extravaganz den Weltmarkt. Kuriositäten scheinen der Schlüssel zu unternehmerischem Erfolg zu sein.

Geschmackliche Experimente: Kuriose Technologien und exotische Ideen liegen auf dem Markt ganz weit vorne. Quelle: Patrick Kleinmann
Geschmackliche Experimente: Kuriose Technologien und exotische Ideen liegen auf dem Markt ganz weit vorne. Quelle: Patrick Kleinmann

Edelstahlnetze, die vor Schneeleoparden schützen, der Transport flüssigen Heliums über Land, Schnupftabak mit Aprikosenduft: Was aus dem Kuriositätenkabinett des Briten Ben Schott zu stammen scheint, ist in Wirklichkeit ein Schlüssel zu unternehmerischem Erfolg.

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Unternehmensfinanzierung durch Banken (Ende 2012)

  • Kreditgeschäft rückläufig

    Das von der Förderbank KfW ermittelte Kreditneugeschäft der Geschäftsbanken mit Unternehmen und Selbstständigen wird in den Wintermonaten 2012/13 gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um etwa zwei Prozent schrumpfen. Auch im ersten Halbjahr 2013 bleibe das Wachstum des Neugeschäfts rückläufig, heißt es im KfW-Kreditmarktausblick.

  • Warum die Kreditvergabe schrumpft

    Als Hauptgrund für die Entwicklung gilt laut KfW die Rezession in der Euro-Zone, die nun auch in Deutschland ankomme. Die Banken könnten jedoch mehr Kredite anbieten – auch wegen der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

  • Keine Sorge vor Kreditklemme

    Unternehmen, die derzeit Zugang zu Krediten suchen, haben gute Chancen, eine Finanzierung zu erhalten. Dafür sorge die Konzentration der deutschen Banken auf den Heimatmarkt und die Zurückhaltung der Banken beim Auslandsgeschäft, so die KfW.

  • Sparkassen beanspruchen Marktführerschaft

    Zusammen mit den Landesbanken haben die Sparkassen nach Eingaben 42 Prozent Marktanteil bei Unternehmensfinanzierungen in Deutschland. Allein bis Ende November 2012 seien 62,8 Milliarden Euro an Darlehen an Firmenkunden ausgegeben worden – ein Plus von fast sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.

  • Banken verdienen gut

    Die Banken haben in den vergangenen Monaten im Firmenkreditgeschäft gut verdient, allerdings dürfte der Höhepunkt jetzt erreicht sein. In den 18 Monaten bis September 2012 waren die Margen laut Barkow Consulting um 0,42 Prozentpunkt auf 1,95 Prozent gestiegen.

Süßen im Kreis Göppingen, zwischen Stuttgart und Ulm, besitzt mit seinen etwas mehr als 10 000 Einwohnern fast alles, was ein Ort in dieser Region so braucht: fleißige Einwohner, viele Kinder, schmucke Fachwerkhäuser, eine Burg und einen Weltmarktführer. Der heißt Carl Stahl und ist mit einem uralten Produkt ein Global Player geworden - mit Seilen.

Das Unternehmen, seit zwei Generationen im Besitz der Familie Schwenger, gehört zu jenen 100 wachstumsstärksten Mittelständlern Deutschlands, die auf dem Weltmarkt eine führende Rolle spielen. Die Schwaben steigerten von 2001 bis 2010 den Umsatz um 85 Prozent. Als ihr angestammtes Geschäft wegbrach, gelang ihnen ein Technologiesprung, der sie bei High-Tech-Seilen binnen weniger Jahre an die Weltspitze katapultierte.

1880 als Seilerei gegründet, entwickelte sich der Handwerksbetrieb bis in die Siebzigerjahre zu einem feinen, aber kleinen Unternehmen mit 25 Mitarbeitern, das sich auf Seil- und Hebetechnik spezialisierte. Den meisten Umsatz brachte die Bauindustrie mit ihren damaligen Seilbaggern. Der Verschleiß an Stahlseilen war enorm und die Einnahmequelle sicher.

Tradition verpflichtet Die Ikonen des deutschen Mittelstandes

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Doch die versiegte Anfang der Achtzigerjahre plötzlich. Aus den Seilbaggern wurden Hydraulikbagger, und für die Carl Stahl GmbH brach der wichtigste Markt weg. Was für manche Unternehmen das Ende war, war für den Familienbetrieb der Start eines kometenhaften Aufstiegs. Aus den 25 Mitarbeitern sind 1475 geworden, die im vergangenen Jahr weltweit einen Umsatz von 268 Millionen Euro erwirtschafteten.

"Wir haben uns damals vorgenommen, möglichst viel von dem anzubieten, was in der Seil- und Hebetechnik möglich ist", sagt Geschäftsführer Wolfgang Funk. Also entwickelten die Ingenieure so ziemlich alles, was zum Heben, Ziehen, Verbinden und Verknüpfen notwendig ist: von Drahtseilen über Textilschlingen bis zu Kransystemen und Schutzausrüstungen für Höhenarbeiter sowie Industriekletterer.

Ein technischer Quantensprung, die sogenannte Feinseiltechnologie, auf die sich das Unternehmen seit 1985 verlegte, brachte schließlich den großen Durchbruch. Die neue Sparte produziert heute technische Seile unter anderem für die Medizintechnik, die Elektronik-, Unterhaltungs- und die Automobilindustrie.

Die größten deutschen Firmenpleiten

  • Platz 16

    Schlott

    Druckerei/1480 Beschäftigte

    (Quelle: Statista)

  • Platz 15

    Hansa

    Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

  • Platz 14

    Mäc Geiz

    Discounter/1600 Mitarbeiter

  • Platz 13

    Sellner

    Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

  • Platz 12

    Escada

    Modekonzern/2200 Mitarbeiter

  • Platz 11

    Q-Cells

    Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

  • Platz 10

    Schiesser

    Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

  • Platz 9

    Edscha

    Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

  • Platz 8

    Wadan-Werften

    Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

  • Platz 7

    Honsel

    Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

  • Platz 6

    Karmann

    Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

  • Platz 5

    Quimonda

    Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

  • Platz 4

    Manroland

    Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

  • Platz 3

    Woolworth

    Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

  • Platz 2

    Schlecker

    Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

  • Platz 1

    Arcandor

    Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Das dünnste Seil hat einen Durchmesser von 0,18 Millimeter, besteht aus 49 Einzeldrähten, die dünner sind als das menschliche Haar, und wird vor allem in der Medizintechnik eingesetzt. "Bei den Feinseilen", sagt Geschäftsführer Funk, "sind wir Weltmarktführer." Allein 15 Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen damit.

Die Schwaben machen ihrem Ruf als Tüftler alle Ehre. So entwickelten sie ein Netz aus Edelstahl namens X-Tend, aus dem etwa Tiergehege gebaut werden. Das erste erwarb vor 15 Jahren der Kölner Zoo, es beherbergt bis heute die Schneeleoparden. Mittlerweile tummeln sich hinter den durchsichtigen Edelstahlbarrieren Wildtiere auf der ganzen Welt.

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