Deutschland-Boom
Familienhotels und ihr Geschäft in der Provinz

Das Geschäft auf dem Land ist mühsam. Davon können mittelständische Hotelbetriebe ein Lied singen. Doch die kleineren Anbieter profitieren auch vom Deutschland-Boom. Immer mehr auch ausländische Gäste werden gezählt.
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HeringsdorfSchon ein verregneter Sommer kann in der Hotelbranche Kalkulationen zunichte machen - jedenfalls dann, wenn der Betreiber der Häuser nur in einer Region tätig ist. Genau das aber ist in Deutschland überwiegend der Fall: Die ländliche Hotelszenerie ist von mittelständischen Betrieben dominiert, die großen internationalen Ketten konzentrieren sich eher auf die großen Städte. Bisher jedenfalls.

Denn das Geschäft in der Provinz ist mühsam. Gert Göbel weiß das. Er betreibt mit seiner Gruppe neun Häuser in Nordhessen und Thüringen. Der gelernte Koch, baute sein Imperium in über drei Jahrzehnten aus der elterlichen Familienpension in Willingen im Sauerland auf - im Vier- und Fünf-Sterne-Segment. Der 58-Jährige setzt auf großzügig gestaltete, moderne Wellness-Landschaften. Sein Geschäft schätzt er nüchtern ein: "Von Preisen, wie sie in Stadthotels erzielt werden, können wir nur träumen." In der Provinz könne nur überleben, wer spitz rechnet und hellwach im Markt bleibt.

Hotelier Thomas Althoff konzentriert sich auf den Luxusmarkt. Schloss Lerbach und das Schlosshotel Bensberg sowie das Hotel Überfahrt am Tegernsee zählen zu seinen noblen Adressen. Zudem gilt er in der Branche dank seiner erlesenen Hotel-Restaurants als "Herr der Sterne". Seine sieben Küchen sind den Gourmets des Michelin-Führers elf Sterne wert. "Keine andere Hotelgruppe hat einen derart starken Fokus auf hochwertige Gastronomie", erklärt Althoff seinen Erfolg.

Die Mittelständler profitieren vom Deutschland-Boom. So stieg die Zahl der Hotelübernachtungen im vergangenen Jahr auf fast 400 Millionen - so viel wie nie zuvor und mit einem wachsenden Anteil an ausländischen Gästen. In Deutschland gibt es rund 36 000 Hotels, Gasthöfe und Pensionen. Etwa ein Zehntel davon sind nach Einschätzung von Markus Luthe, Geschäftsführer des Hotelverbands Deutschland, Markenhotels. Diese zehn Prozent erwirtschaften mehr als die Hälfte des Branchenumsatzes im sogenannten Beherbergungsgewerbe, der derzeit bei jährlich gut 22 Milliarden Euro liegt.

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Kein Schutzzaun

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Expansion ist kein Selbstzweck

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