Deutschland verfügt über die modernsten Messegelände der Welt
Subventionen heizen den Wettbewerb im Messegeschäft an

Das weltweite Überangebot an Messegeländen führt dazu, dass die profitablen Veranstaltungen dahin wechseln, wo die günstigsten Mietkonditionen geboten werden. Subventionen sind an der Tagesordnung. Weltweit wird weiter stark in Messeinfrastruktur investiert.

MÜNCHEN. Als vor acht Jahren mit der Expo 2000 in Hannover die erste Weltausstellung auf deutschem Boden stattfand, wurde heftig diskutiert, ob diese Form von Ausstellungen noch zeitgemäß sei. Ein wesentlicher Auslöser für diese Diskussion war der enorme Subventionsbedarf durch die öffentliche Hand: Im Laufe der Vorbereitung hatte sich gezeigt, dass die angestrebte "schwarze Null" nicht zu schaffen war. Analog ist die Situation in anderen Ländern - Subventionen sind an der Tagesordnung.

Doch trotz des offensichtlichen Bedarfs an öffentlichen Zuschüssen haben Weltausstellungen international nicht an Reiz verloren. Derzeit findet in Saragossa eine so genannte kleine Expo statt. Bereits in zwei Jahren folgt in Shanghai eine große. 2012 gibt es dann wieder eine kleine Expo im südkoreanischen Yeosu, und drei Jahre später ist Mailand mit einer großen am Zug. Alle diese Städte haben sich im Verlauf eines Bewerbungsverfahrens gegen Konkurrenten durchgesetzt: Für die Ausstellung in Saragossa waren zum Beispiel auch Triest und Thessaloniki im Rennen.

Auch künftig dürfte es wohl ohne Subventionen nicht gehen. Generell spielen im Messewesen staatliche Transferleistungen eine wichtige Rolle, vor allem für die Messeinfrastruktur, in die derzeit weltweit stark investiert wird: So wird sich allein zwischen 2006 und 2010 in Ländern wie Russland oder den Vereinigten Arabischen Emiraten die Kapazität der Messehallen verdoppeln.

Die Frage, ob sich die öffentlichen Subventionen rechnen, ist letztlich eine Frage der Betrachtungsweise. Das verdeutlicht ein Blick auf die Expo 1998 in Lissabon: Hier stand nicht der Zuschussbedarf im Vordergrund der Berichterstattung sondern vielmehr der Beitrag, den die Weltausstellung zur ohnehin nötigen Sanierung eines ehemaligen Hafengebietes leistete. So erhielt Lissabon nicht nur ein neues Messegelände als Ersatz für das alte. Auch das bis heute größte Aquarium Europas gehört zum "Erbe" dieser Expo. Beide Einrichtungen haben die Position Lissabons sowohl im Business- als auch im Freizeittourismus verbessert. Betriebswirtschaftlich ausgedrückt stand also der Deckungsbeitrag der Veranstaltung und nicht ihr Vollkostenergebnis - sprich Verlust - im Vordergrund. Auch Saragossa wird zukünftig von einer verbesserten Infrastruktur, zusätzlichen Attraktionen sowie einem neuen Messe- und Kongresszentrum profitieren.

Diese breit gestreuten positiven Folgen von Messeveranstaltungen dienen den öffentlichen Geldgebern als Argument für die Subventionierung: Die Messen lösen in Form der so genannten Umwegrentabilität enorme indirekte Effekte in anderen Branchen wie dem Hotel-, Gaststätten- oder Taxigewerbe aus. Studien zufolge können die Gesamteffekte das Zehnfache des Umsatzes einer Messegesellschaft ausmachen.

Doch gibt es auch Kritiker: Professor Robert von Weizsäcker spricht sogar von einer Subventionsfalle. Im Vordergrund der Kritik stehen neben Zweifeln an den Methoden zur Berechnung der Umwegrentabilität vor allem ordnungspolitische Argumente. Subventionen seien immer mit Wettbewerbsverzerrungen verbunden. Inzwischen beschäftigt auch die EU das Thema: So wird vor allem im Bereich der Messeveranstaltungen Wettbewerb unterstellt. Dagegen wird im Vorhalten von Messeinfrastruktur primär eine Funktion von Städten und Gemeinden im Rahmen der Daseinsvorsorge gesehen. Vereinfacht ausgedrückt werden Messegelände wie Schulen oder Krankenhäuser eingestuft, bei denen kein Wettbewerb vorliegt.

Unstrittig ist, dass Deutschland heute über die modernsten Messegelände der Welt verfügt. Fakt ist aber auch, dass der Vorsprung schmilzt und sich die Beispiele mehren, in denen Messeveranstaltungen über die Grenzen hinweg von einem Messeplatz zum anderen wechseln. Das weltweite Überangebot an Geländekapazität führt dazu, dass die profitablen Veranstaltungen dahin wechseln, wo die günstigsten Mietkonditionen geboten werden. Nicht selten wird das Messegelände zumindest für Premieren kostenlos überlassen, in der Hoffnung, dass die indirekten Effekte die Subvention übersteigen.

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