Develey Senf & Feinkost
„Wir müssen jedem Senfkorn hinterherlaufen“

Als Lieferant von McDonald’s ist der Löwensenf- und Gurkenproduzent Develey groß geworden. Geschäftsführer Michael Durach spricht über „Los Wochos“, deftige Saucen – und verrät, warum er keine Unternehmensberater mag.
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UnterhachingVor der Senffabrik von Develey in Unterhaching ist ein Parkplatz direkt am Eingang immer reserviert – für McDonald's. Mitarbeiter des Fast-Food-Konzerns kommen ständig vorbei, um etwa neue Aktionen zu besprechen. Denn seit mehr als 40 Jahren ist die Firma der Familie Durach Lieferant der Burger-Kette. Develey produziert außer Senf auch Ketchup, Soßen und Gurken im Auftrag. Geschäftsführer Michael Durach weiß also, wann die nächsten „Los Wochos“ anstehen. Wann genau? Darüber darf er dann doch nicht reden.

Erzählen darf er aber von den Gurken. „Ich gehe oft zu McDonald's und gucke, wer die Gurke vom Burger puhlt“, sagt der Develey-Geschäftsführer im Gespräch mit Handelsblatt Online (das vollständige Interview zum Download). Doch eine Scheibe zu produzieren, die allen schmeckt, liegt jenseits seiner Entscheidungsbefugnis. „Zu den Burgern gehört diese vergorene Gurke einfach dazu. Und sie schmeckt auch weltweit gleich, das ist ja das Tolle am System.“

Die Systemgastronomie der Amerikaner hat der Familie Durach – Michaels Bruder Stefan ist Mit-Geschäftsführer – zu ungekannter Größe verholfen. Etwa 400 Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen mittlerweile, über Details schweigt die Familie. Man wachse gemeinsam weiter – und auch mit eigenen Produkten.

Doch mehr Umsatz, heißt nicht mehr Gewinn. Beim Überschuss gebe es dieses Jahr „eben mal weniger“, so Durach. Denn der nach Menge größte Senfhersteller Deutschlands (Marken „Löwensenf“, „Bautz'ner“ und „Develey“) kämpft mit gestiegenen Rohstoffkosten. Die Preise für Senfsaat seien wegen des feuchten Wetters zu Beginn des Jahres durch die Decke geschossen und lägen immer noch 30 Prozent über Vorjahr. Diesen Anstieg an den Handel weiterzugeben, falle extrem schwer – und daher leide der Überschuss. Überhaupt an qualitativ hochwertige Rohstoffe zu kommen, sei derzeit schwer: „Im Moment müssen wir jedem Senfkorn hinterher laufen.“

Einsparpotenzial, um den Gewinn anzukurbeln, gebe es zwar, sagt der 45-jährige Hobby-Boxer. Doch was ein Strategieberater sagen würde, sei ihm klar: „Der würde empfehlen, alle Fabriken zu schließen und stattdessen eine große in der Mitte Deutschlands zu bauen. Bei uns kommen aber keine Berater angerannt und fordern Entlassungen, das ist unser Glück.“ Develey produziert etwa in Düsseldorf Löwensenf, in Unterhaching Senf für McDonald's und die Stammmarke, in Bautzen für den in Ostdeutschland mit gigantischem Marktanteil von zwei Dritteln glänzenden Bautz'ner. Dressings und Saucen kommen auch aus einem Werk in Dingolfing.

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  • Unternehmensberater denken weder an die Mitarbiter NOCH an die beauftragende Firma. Unternehmensberater liefern viele schön bunte Power Points, vor Umsetzung ihrer theoretischen Lösungen sind die dann aber wieder weg. Dafür aber nutzen sie viele interne Resourcen und greifen Wissen bei den Mitarbeitern ab. Zu beachten gilt: imme krumme Zahlen darstellen, wirkt glaubwürdiger, viele Folien, viel Text - schaut nach ganz viel Arbeit aus und man kann sich sicher sein, daß dieser viele Text nicht gelesen wird, jedenfalls nicht von Entscheidungsträgern. Merke: was auf Power Point wichtig & gut aussieht,ist noch lange nicht richtig und / oder machbar.

  • Das ist doch Quatsch. Es gibt ganz andere Beispiele, bei denen das von Ihnen angesprochene Prizip gescheitert ist. Aber in einer kapitalistischen Ordnung ist nun mal das Prinzip des Vererbens des Eigentums wichtiger Antriebsfaktor für die langfristige Erfolgsgeschichte. Jemand geht mit seiner Firma anders um, wenn er weiß, dass einmal seine Nachkommen dieses weiter führen sollen. Somit wird er seine Firma langfristig führen und aber auch gleichzeitig seinen Nachwuchs schulisch und moralisch eichen. Die moralische Eichung hat z.B. bei Fr. Gausepohl (wer wissen will wer das ist, setzt einfach ein .de an den Familiennamen) überhaupt nicht geklappt. Deren erste Amtshandlung war ein Entlassen von altgedienten Mitarbeitern, weil sie einem niedrigeren Gehalt nicht zustimmen konnten, da sie damit ihre Familien nicht ernähren konnten.

  • Das Prinzip "Sohn"

    Ali ben Papa

    Sieht man ja im arabischen Raum gerne auch immer wieder, hier auch auf Staatsebene.

    Was qualifizier jemanden dazu, ein fähiger Unternehmenslenker zu sein, Verantwortung für zahllose andere Menschen zu übernehmen.

    Die Abstammung

    Klar doch

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