Die Anbieter müssen ihre Dienstleistungen noch besser auf die Bedürfnisse des Mittelstands abstimmen
IT-Konzerne umwerben kleine Firmen

Die Zeit der Patriarchen, die aus dem Bauch heraus einsame Entscheidungen treffen, ist vorbei. Davon ist Heinz-Paul Bonn, Vorsitzender des Bitkom-Forums Mittelstand, überzeugt. Entscheidend für den Erfolg kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) in Zeiten der global vernetzten Wirtschaft seien knallharte Echtzeit-Informationen, auf die Entscheider mit Hilfe von IT-Systemen zugreifen. „Es reicht heute nicht mehr aus, dass sich der Unternehmer auf seinen Instinkt verlässt“, sagt der Experte des High-Tech-Verbandes.

HB DÜSSELDORF. Bonns Worte sind Wasser auf den Mühlen der weltgrößten Softwareunternehmen. SAP, Microsoft, Peoplesoft – sie alle wollen den Markt für mittelständische Informationstechnologie mit hohem vertrieblichen Aufwand und intensivem Marketing erobern – in der Hoffnung auf üppiges Wachstum. Und der Plan scheint aufzugehen. Der Umsatz des weltgrößte Computerherstellers Dell beispielsweise wächst derzeit in diesem Bereich am rasantesten – vor allem in Europa. Bei Fujitsu Siemens stieg der Umsatz im Bereich KMU im dritten Quartal 2003 um satte 18 Prozent.

Die Zielgruppe betrachtet die Avancen grundsätzlich mit Wohlwollen, ermittelte die Münchener Meta Group bei einer Befragung von knapp 250 Anwenderunternehmen mit 200 und 499 Mitarbeitern. „30 Prozent der Mittelständler sagen, dass das Engagement der Großen für sie interessant ist, 39 Prozent wollen zunächst abwarten und beobachten den Markt“, sagt Matthias Zacher, Berater bei der Meta Group. Nur jedes zehnte Unternehmen lehne die Marketing- und Vertriebsoffensiven der Softwareriesen ab.

Ein Grund für die Offenheit gegenüber den Global Playern ist, dass vielen der kleinen, spezialisierten Anbietern von Unternehmenssoftware in den letzten Jahren das Geld ausging. Vor allem die Pleite des niederländischen Anbieters von Unternehmenssoftware Baan erschütterte die Anwender. Auch die Übernahme von J.D. Edwards durch Peoplesoft und der Kauf von Navision durch Microsoft haben etliche Nutzer verunsichert. „Bei den Großen muss sich keiner Gedanken darüber machen, ob es sie in drei Jahren noch gibt“, erläutert Zacher den Trend.

Doch ganz so leicht wie erhofft werden sich die großen Anbieter auf dem Markt für Mittelstandssoftware nicht durchsetzen. Ein Problem ist noch, dass ihnen häufig das Branchenwissen fehlt. Zudem stecken viele Mittelständler nach drei mageren Jahren in einer Existenzkrise und haben kein Geld für Investitionen. Hinzu kommt, dass viele Hardware-, Software- und Service- Anbieter nicht zielgruppengerecht agieren: Sie bieten zu umfangreiche Lösungen für zu viel Geld an und vergessen, dass inhabergeführte Unternehmen sich in ihrer Struktur fundamental von den großen Weltkonzernen unterscheiden.

Seite 1:

IT-Konzerne umwerben kleine Firmen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%