Die Höhle der Löwen
Sprungbrett zum Erfolg oder alles nur Show?

Auf der Suche nach Expertise und Wachstumskapital stellen sich Gründer in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ namhaften Investoren. Viele gehen dabei leer aus. Oder doch nicht? Was die Sendung den Unternehmern wirklich bringt.
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DüsseldorfDie ernsten Blicke von fünf Investoren sind nur auf sie gerichtet: Mit eiligen Schritten betreten Anne und Stefan Lemcke, Gründer der Gewürzmanufaktur „Ankerkraut“, die „Höhle der Löwen“ – Hand in Hand und trotz ihrer Nervosität entschlossen, die Löwen zu bändigen: „Mit uns investiert ihr in ein Produkt, das euch gepfefferte Gewinne bescheren wird!“, verspricht Stefan Lemcke – ein Satz, den die Juroren der Vox-Show um Frank Thelen und Judith Williams so ähnlich schon öfter gehört haben.

Trotzdem gelang es dem Ehepaar Lemcke zum Auftakt der dritten Staffel im vergangenen Jahr, die „Löwen“ zu überzeugen. Und der Auftritt hat sich für die Gründer gelohnt: Mit Ankerkraut peilen sie für 2017 einen Jahresumsatz von zwölf Millionen Euro an – vor ihrem Auftritt in der Sendung war es eine Million. Sie sind Marktführer bei den Grillgewürzen – und konnten es sich leisten, ein Kaufangebot von 20 Millionen Euro für ihr Unternehmen auszuschlagen.

Märchenhafte Aufstiegsgeschichten wie die der Lemckes sind gut für die Quote: 2016 verzeichnete die Vox-Show Rekordquoten von über drei Millionen Zuschauern. Mittlerweile läuft die vierte Staffel – auch am Dienstagabend werden wieder Millionen Zuschauer einschalten.

Das Konzept der Show ist genauso einfach wie mitreißend: Gründer stellen ihr Unternehmen fünf erfolgreichen Investoren vor und versuchen, sie mit  ihren Ideen von einem Investment zu überzeugen – im Gegenzug wechseln Firmenanteile den Besitzer.

Neben der Expertise der Profis benötigen sie deren Geld zum Beispiel für teure Produktionsmaschinen, größere Räumlichkeiten oder zur Ausgestaltung des Vertriebs. Hat ein Gründer es geschafft, das Interesse des ein oder anderen Löwen zu wecken, einigen sie sich auf eine Summe und die Höhe der Firmenanteile. Ein Handschlag, und der Deal ist perfekt.

So sieht es zumindest in den Augen der Zuschauer aus. Was ihnen verborgen bleibt, ist, dass viele Vereinbarungen nach der Show nachverhandelt werden oder gar nicht zustande kommen. 14 der 34 in der dritten Staffel geschlossenen Deals platzten nach dem Dreh – zum Beispiel weil umfangreiche Prüfungen hohe Risiken ans Licht gebracht hatten oder sich die beiden Parteien nicht mehr so einig waren wie am Drehtag. Verständlich, dass sich bei dieser Zahl die Frage stellt, ob die Show auf dem Rücken der Gründer ausgestrahlt wird. Sorgen diese vielleicht nur für gute Einschaltquoten, ohne selbst davon zu profitieren?

„Nein“, sagt Sabrina Schönborn: „Die Gründer profitieren vor allem von den hohen Zuschauerzahlen.“ Zusammen mit ihrer Schwester Laura Gollers gründete Schönborn 2012 den Dessous-Onlineshop „SugarShape“ und stellte sich letztes Jahr den Löwen. Die Schwestern boten zehn Prozent der Anteile gegen eine stattliche Summe von 500.000 Euro.

Es gelang ihnen, die Juroren Judith Williams und Frank Thelen zu überzeugen: Für die halbe Million Euro sollten allerdings 20 Prozent der Anteile den Besitzer wechseln. Die Schwestern willigten ein. In den Verhandlungen nach der Aufzeichnung kamen Gründerinnen und Investoren jedoch nicht mehr auf den gleichen Nenner, der Deal platzte.

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„Die Show hat eine wahnsinnige Werbewirkung“

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