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Die kommenden Weltmeister: „Wir Deutschen wissen gar nicht, wie gut wir sind“

exklusiv Exklusiv für Handelsblatt.com hat der Berliner Wirtschaftsprofessor Bernd Venohr die 100 kommenden Weltmarktführer zusammengestellt. Im Interview spricht er darüber, welche Eigenschaften und Managementmethoden die extrem wachstumsstarken Mittelständler auszeichnen, in welchen Branchen und Regionen sie besonders stark vertreten sind.

Bernd Venohr ist Professor an der FHW Berlin und erforscht global führende Mittelständler. Foto: privat
Bernd Venohr ist Professor an der FHW Berlin und erforscht global führende Mittelständler. Foto: privat

Handelsblatt: Herr Venohr, was zeichnet die kommenden Weltmeister unter den deutschen Unternehmen, extrem wachstumsstarke Mittelständler, aus?

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Bernd Venohr: Sie sind jeweils auf eine kleine Nische fokussiert und dominieren diese dank technischer Spitzenleistung weltweit. Eng geknüpfte Vertriebs- und Servicenetze schaffen Kundenbindung. Eine weitere Stärke liegt in den Fertigungsprozessen. Und: Mehr als 70 Prozent der Unternehmen sind noch vollständig im Familienbesitz.

Welche Rolle spielt das?

Familienbesitz ermöglicht wegen der langfristigen Orientierung einen langen Atem bei der Eroberung der Weltmärkte. Ab der zweiten Generation findet man bei größeren Mittelständlern sehr oft familienfremde Manager in der operativen Führung. Entscheidend ist, dass wir hierzulande einen Pool von qualifizierten Managern haben, die Mittelständler Großkonzernen vorziehen. Unternehmen mit einem Umsatz unter 20 Mio. Euro können sich ein qualifiziertes externes Management aber in der Regel nicht leisten.

Wie unterscheiden sich die Managementmethoden der stark wachsenden Unternehmen von denen anderer Firmen?

Wir finden bei diesen Unternehmen oft einen Managementstil, den ich „uncommon common sense“ nenne, einen leider nicht mehr weit verbreiteten gesunden Menschenverstand. Man konzentriert sich auf die brennenden Kundenprobleme und bietet hierfür herausragende Lösungen, die ständig weiter entwickelt werden. Auch intern wird in den wichtigen Funktionen permanent optimiert, Mitarbeiter werden anständig behandelt. Die meisten Unternehmen sind in ländlichen Regionen angesiedelt, da ist ein Hire und Fire unmöglich. Und ganz wichtig: Kurzfristige Gewinnmaximierung ist nicht das oberste Unternehmensziel, dem alles untergeordnet wird. Viele Erfolgsunternehmen sind geprägt durch Ingenieure und Naturwissenschaftler, die sich von den wechselnden Managementmoden nicht beeindrucken lassen und stetig ihren Kurs verfolgen.

Gibt es Branchen oder Regionen, aus denen auffallend viele kommende Weltmeister stammen?

High-Tech-Branchen sind stark vertreten, etwa Medizin- und Lasertechnik oder Software, außerdem Maschinenbauer. Geografisch sind die kommenden Weltmeister eher im Süden Deutschlands zu finden als im Norden und eher im Westen als im Osten. Sie konzentrieren sich vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. In den neuen Bundesländern sind Sachsen und Thüringen Spitze.

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