Mittelstand
Die Stadt putzt sich heraus

Gelsenkirchen profitiert vom Fußball-Fieber. Rund 80 Millionen (Mill.) Euro fließen in den Ausbau der Infrastruktur – Geld, das womöglich auch ohne die WM, doch dann gewiss erst deutlich später geflossen wäre. Und für seine Fans tut die Stadt sehr viel.

GELSENKIRCHEN. Kein Zweifel, Gelsenkirchen profitiert vom Fußball-Fieber. Rund 80 Millionen (Mill.) Euro fließen in den Ausbau der Infrastruktur – Geld, das womöglich auch ohne die WM, doch dann gewiss erst deutlich später geflossen wäre. „Die neue Autobahnabfahrt an der A42 etwa wäre sehr viel später gekommen“, sagt Andreas Piwek von der Gelsenkirchener Wirtschaftsförderung. Die neue Ausfahrt wird den Namen „Schalke“ tragen und soll vor allem die bestehenden Abfahrten „Schalke-Horst“ und „Bismarck“ entlasten.

Doch auch für all jene Fans, die mit der Straßenbahn zum Fußballspiel kommen, wird etwas getan: Rund um die Arena wird derzeit kräftig an den Gleisanlagen gebaut: „Wir haben hier noch ein Kapazitätsproblem. Bis zum Sommer werden dort aber zwei Straßenbahnen gleichzeitig fahren können“, sagt Wirtschaftsförderer Piwek. Auch der Gelsenkirchener Hauptbahnhof bekommt gerade seine lang erwartete Verjüngungskur. Neue Fassaden an den Läden, ein neues Reisezentrum sowie eine Solaranlage auf dem Bahnhofsdach zählen neben Verbesserungen an den Bahnsteigen und Treppen zu den auffälligsten Neuerungen. „Viele, teils schon lang angekündigte Infrastrukturmaßnahmen werden nun endlich realisiert. Die Fußball-WM ist für Gelsenkirchen deshalb in jedem Fall eine Initialzündung“, sagt Piwek. Auch interkommunal springen die Akteure über den eigenen Schatten. So haben zum Beispiel die Verwaltungsvorstände der Städte Gelsenkirchen und Bochum vereinbart, dass während der Fußball-Wochen enger zusammenarbeiten wollen. Bochumer Ordnungspersonal wird den Kollegen aus Gelsenkirchen dabei helfen, gegen „fliegende Händler“ während der WM vorzugehen.

Den Schulterschluss mit den Nachbarstädten sucht Gelsenkirchen auch bei der Umnutzung ehemaliger Industrieflächen. Denn an ihnen herrscht zumal im nördlichen Ruhrgebiet kein Mangel – gefragt aber sind tragfähige Konzepte, um sie zu möglichst attraktiven Wohn-, Büro- oder Freizeitarealen zu machen. Zu diesem Zweck schloss sich Gelsenkirchen bereits im vergangenen Jahr mit den Nachbarstädten Essen und Bochum zusammen. Gemeinsam initiierte das Trio ein interkommunales Entwicklungsprojekt mit dem Namen „Neue Schlosslagen“. Sie schließen ein 80 Quadratkilometer großes Areal ein, das sich zwischen der Jahrhunderthalle in Bochum, der Zeche Zollverein in Essen und dem Landschaftspark Nordstern in Gelsenkirchen erstreckt. „Hier werden exklusive Business-Standorte nach dem Leitbild ‚Projekte im Park' entstehen“, erläutert Georg Arens, Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderung. „Wir möchten vor allem Investoren ansprechen, die einen landschaftlich reizvollen Raum für eine außergewöhnliche Verbindung von Arbeiten, Wohnen und Erholen suchen“, ergänzt Andreas Piwek. So wird derzeit das rund 23 Hektar große „Stadtquartier Graf Bismarck“ auf dem Gelände der ehemaligen Zeche gleichen Namens erschlossen. Auf rund elf Hektar sollen sich Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe ansiedeln, noch einmal so viel Fläche ist dem Wohnen vorbehalten.

Im „Nordsternpark“, auf dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau, ist man schon weiter: Hier baute das Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen Treuhandstelle (THS) seine Unternehmenszentrale: „Nordstern entwickelt sich zu einem attraktiven Verwaltungsstandort“, kommentiert Piwek. Viel vor hat die Stadt auch auf dem so genannten Berger Feld. Hier wird in Absprache mit Fußballclub Schalke 04 der „Arena-Park“ weiterentwickelt. Er soll sich in den nächsten Jahren in einen Standort für Freizeit, Erholung und Business verwandeln. Ein Neubauprojekt ist bereits fertig gestellt. Auf der Südtribüne des ehemaligen Parkstadions eröffnete am ersten Februar das 28 Mill. Euro teure Gesundheits- und Reha-Zentrum „Medicos. Auf Schalke“, ein 12 000 Quadratmeter großer Baukomplex, in dem Ärzte, Physiotherapeuten und Psychologen ihre Dienste anbieten. Massagen, Rückenschule, Nordic Walking – nicht nur Kicker werden hier wieder fit, auch Otto Normalverbraucher ist in der neuen Schalker Gesundheitsoase willkommen.

Dazu gibt es Schlafplätze für Gesundheitstouristen, die von außerhalb anreisen: Am 1. April des Jahres eröffnete das Vier-Sterne-Hotel Courtyard der Marriott-Kette und bieten den direkten Übergang zur Reha-Klinik. „Von hier aus genießt man einen exklusiven Blick auf die Veltins-Arena“, sagt Marriott-Verkaufs-Manager Tobias Lollert. Während der WM sei das brandneue Bettenhaus mit seinen 198 Zimmern zwar weder Fifa- noch Mannschafts-Hotel. Fast ausgebucht sei man aber trotzdem.

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