Die Welt braucht diese Anlageform
Der Markt für Private Equity ist gereift

Fristete Private Equity früher ein Nischendasein als Anlageform für wohlhabende Privatleute in den USA, so ist es heute ein integraler Bestandteil der Weltwirtschaft. Vor allem Europa hat sich zu einem "heißem Pflaster" für Leveraged Buyouts entwickelt. Auch die Mittelklasse profitiert davon, denn Pensionsfonds sind inzwischen die bedeutendsten Investoren in Private Equity.

In Europa ist der Buyout-Markt zwischen 1998 und 2002 um mehr als 50 % gewachsen. Kapital fließt reichlich in diese Branche - jeder neu aufgelegte Fonds ist größer als sein Vorgänger. Bei den Investoren ist die Anlageform beliebt, weil sie attraktive Renditen verspricht. So haben Private Equity-Gesellschaften wie Apax, 3i, Blackstone oder The Carlyle Group gut zu tun. Branchenkenner glauben, dass heute vielleicht der beste Zeitpunkt in einer ganzen Generation gekommen ist, in Private Equity zu investieren - auch wenn sich Anleger drei bis fünf Jahre gedulden müssen, bevor die Investition Früchte trägt.

Private Equity auch in Asien populär

Der Umbruch, den wir derzeit in Industrieländern erleben, kommt der Private-Equity-Branche zugute: Großunternehmen wie Daimler-Chrysler, Fiat, Siemens oder die Deutsche Telekom trennen sich von Randgeschäften, um Schulden zu reduzieren oder ihren Shareholder Value zu steigern. So genannte strategische Investoren aus der jeweiligen Branche kommen oft nicht als Käufer in Betracht, weil sie selbst erst ihre Bilanzen in Ordnung bringen müssen - eine ideale Chance für Private Equity-Firmen.

Private Equity ist auch in Asien auf dem Vormarsch. Einige Firmen, darunter auch Carlyle, haben Fonds für den asiatischen Raum aufgelegt, auch wenn es dort einige Hürden zu überwinden gibt. So z.B. in Japan: Die Volkswirtschaft lahmt, und ausländisches Kapital ist nicht immer willkommen. In Japan herrscht tiefes Misstrauen gegenüber so genannten Geierfonds, denen in der Vergangenheit die Gewinne wichtiger als die Menschen waren. Heute setzen die meisten Private Equity-Firmen jedoch eher auf management-geführte Buyouts als auf feindliche Übernahmen.

Außerhalb von Japan wird Asiens Wirtschaft weiter von China angetrieben. Trotz der Auswirkungen von SARS besteht dort enormes Potenzial für Private Equity-Investitionen. Dennoch gilt es viele Herausforderungen zu meistern. Da die chinesische Regierung Mehrheitsbeteiligungen streng reglementiert, sind die attraktivsten Investitionsmöglichkeiten Venture Capital-Finanzierungen im Technologiesektor.

Südamerika im Fokus

Schon seit langem beobachten internationale Private Equity-Firmen die Entwicklung in Südamerika mit Argusaugen. Inzwischen ist im Hinblick auf das dortige Marktpotenzial Optimismus angezeigt. Mexiko und Brasilien sind die wahrscheinlichsten Ziele für erste Investitionen, weil die dortigen Unternehmen am weitesten entwickelt sind. Private Equity breitet sich aber nicht nur geografisch aus. Auch die Größe der Fonds und der Transaktionen nimmt zu. Permira legt dem Vernehmen nach mit 4 bis 4,5 Mrd. Euro derzeit den größten Europäischen Fonds aller Zeiten auf. Andererseits ist bei Venture-Capital - einem Teilbereich des Private Equity-Marktes - zu beobachten, dass nicht investiertes Geld den Kapitalgebern zurückgegeben wird. Wenn die Kauflaune in der Private-Equity-Branche zurückgeht, könnte dieses Szenario auch für einige Buyout-Fonds Wirklichkeit werden.

Die Europäischen Buyout-Fonds haben aktuell etwa 40 Mrd. Euro in der Tasche, und die Banken sind zu entsprechenden Fremdkapitalfinanzierungen bereit. Damit steigen die möglichen Transaktions-Volumina in neue Größenordnungen. Der Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass sich Private Equity-Häuser bei größeren Transaktionen zu Konsortien zusammenfinden. Was vor zehn Jahren noch illusorisch war, ist heute durchaus machbar - so etwa der 7 Mrd. $-Buyout der Qwest Communications Directories durch Carlyle und Welsh Carson Ende 2002. Die Transaktion war die drittgrößte aller Zeiten. Der möglicherweise anstehende Buyout von Vivendi könnte alle Rekorde brechen.

Blick für Realismus ist gefragt

Aber größer ist nicht gleich besser. Investmenthäuser dürfen nicht den Blick für konservative Preise und realistische Wachstumschancen verlieren, wenn sie weiterhin die angestrebten Renditen für ihre Anleger erzielen wollen. Mit dem Reifeprozess der Private-Equity-Firmen sind auch die Investoren anspruchsvoller geworden. Heute nehmen sie jeden Fonds genau unter die Lupe und prüfen, welche Rendite sein Vorgängerfonds erzielt hat. Erstmalig aufgelegte Fonds ohne Erfolgsgeschichte tun sich schwer. Große institutionelle Investoren verlangen nach mehr Transparenz und einer Standardisierung von Renditeinformationen und Gebühren.

Private Equity gehört heute standardmäßig zum diversifizierten Portfolio eines jeden Großanlegers. Wohlhabende Privatleute und institutionelle Investoren schätzen die Vorteile dieser Anlageform gleichermaßen. Private Equity ist erwachsen geworden - und das zu einem Zeitpunkt, da die Welt diese Anlageform mehr als jemals zuvor dringend braucht.

David M. Rubenstein ist Managing Director und Mitgründer der Carlyle Group, einer globalen Private Equity-Gesellschaft,die mehr als 16 Mrd. $ managt.

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