Dienstafahrten
Höhere Besteuerung von Firmenwagen gekippt

Die Regeln zur Besteuerung von Firmenwagen sind unübersichtlich und füllen ganze Aktenordner. Immerhin hat die Bundesregierung jetzt die geplante Steuererhöhung fallen gelassen. Trotzdem müssen Unternehmer vieles beachten.

KÖLN HB. Aufatmen bei deutschen Unternehmen. Der Gesetzgeber hat im Jahressteuergesetz 2009 die geplante Halbierung der Vorsteuer für eine private Nutzung des Firmenwagens wieder gestrichen. Offenbar war der Widerstand der Verbände zu groß. Außerdem wollte man angesichts der Finanzkrise den Firmen nicht noch zusätzliche Lasten aufbürden. Unternehmer können so weiterhin die volle Umsatzsteuer aus dem Kaufpreis des Firmenwagens als Vorsteuer abziehen. Damit sparen Selbständige viel Geld. Ohne den Vorsteuerabzug wäre ein 45.000-Euro-Pkw im kommenden Jahr um etwa 3.600 Euro teurer geworden.

Die geplante Halbierung des Vorsteuerabzugs hätte außerdem das Steuerrecht noch komplizierter gemacht, meint Gert Klöttschen, Steuerberater bei der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft DHPG. Er versteht nicht, warum die Europäische Union einer ähnlichen Regelung schon einmal zugestimmt hatte, stellt sie doch eine Abweichung vom EU-Recht dar. "Das ist nur zulässig, wenn die Regel der Vereinfachung des Steuerrechts oder der Vermeidung von Steuerverkürzungen dient. Meiner Meinung nach war das nicht der Fall", sagt Klöttschen.

Unternehmer haben jetzt etliche Möglichkeiten zur Besteuerung des Firmenwagens, das Steuerrecht ist unübersichtlich. Der Grund: Jeder Unternehmer, der seinen Dienstwagen privat nutzt, verschafft sich aus Sicht der Finanzbehörden einen geldwerten Vorteil. Wie der Chef die Privatfahrten abrechnet, muss er immer im Einzelfall entscheiden.

1. Wann sich das Privatauto lohnt

Wer nur selten beruflich unterwegs ist, kann sein Privatauto nutzen und der Firma in Rechnung stellen. Dabei werden die gefahrenen Kilometer dann entweder pauschal mit 30 Cent pro Kilometer oder mit den tatsächlichen Kosten als Betriebsausgaben angesetzt. Im Falle einer pauschalen Besteuerung muss der Unternehmer lediglich durch geeignete Aufzeichnungen den Umfang der betrieblichen Fahrten nachweisen, was die Sache für ihn erleichtert, sagt Klöttschen. "Das Sammeln von Belegen entfällt, sofern sie nicht dem Nachweis der betrieblichen Fahrt an sich dienen."

Nachteil bei Fahrten mit dem Privatwagen: Der Unternehmer muss beim Kauf die volle Mehrwertsteuer auf den Wagen zahlen. Beim Firmenwagen lässt sich davon ein Teil als Vorsteuer abziehen.

2. Wie Vielfahrer versteuern können

Sind Unternehmer mit dem Wagen mehr als die Hälfte aller gefahrenen Kilometer für die Firma unterwegs, zählt das Auto steuerlich zum Betriebsvermögen. In diesem Fall lässt sich der private Steuervorteil mit der Ein-Prozent-Regel abgelten. Dafür wird monatlich ein Prozent des Bruttolistenpreises des Wagens plus Sonderausstattung und Navigationssystem mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Dazu kommen 0,03 Prozent pro Kilometer Fahrt vom Wohnort zur Arbeit und 0,02 Prozent für die Fahrt zur Familie. "Diese Versteuerung ist vor allem für Unternehmer interessant, die Neufahrzeuge mit hohen Kosten fahren oder selten beruflich nutzen", sagt Steuerexperte Klöttschen. Auch wer keine Zeit oder Lust zu einer detaillierten Dokumentation der Fahrten hat, ist mit der Pauschalbesteuerung am besten bedient.

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