Dienstleistungssektor
Service für Deutsche made in Polen

Der polnische Dienstleistungssektor hat mehr zu bieten als Tourismus und preisgünstige Handwerker. Immer mehr internationale Unternehmen verlagern IT-Aufgaben nach Polen. Aber auch als Abnehmer von Dienstleistungen bietet das Land deutschen Firmen Chancen.

WARSCHAU. Westeuropa in Furcht vor polnischen Handwerkern mit ihren Niedriglöhnen? Mit einer mutigen Pla- kataktion hat das polnische Tourismusbüro versucht, den Spieß herumzudrehen. „Ich bleibe in Polen“, lockt ein muskelbepackter Klempner mit Rohrzange und Sexappeal von französischen Plakatwänden und bedient damit gleich mehrere Klischees. Die Franzosen, so seine Botschaft, sollen ihre Angst vor den Billigkräften verlieren und stattdessen lieber sein Land besuchen und kennenlernen. Innerhalb von Tagen wurde der „sexy Klempner“ zur erfolgreichsten Imagekampagne Polens.

Wer das osteuropäische Land besucht, wird schnell feststellen, dass es nicht nur attraktive Handwerker, sondern zunehmend auch hochtechnologische Dienstleistungen bieten kann. Etliche internationale Konzerne haben in Polen Zentren für ausgelagerte Unternehmensbereiche – Business Process Outsourcing (BPO) – gegründet, die Finanz- und Managementaufgaben übernehmen. Ein wichtiger Grund für den neuen Trend: Seit März 2005 erhalten diese sogenannten Hightechdienstleistungen Steuervergünstigungen von bis zu 50 Prozent der Investitionen.

Einer der Vorreiter war der niederländische Philips-Konzern, der einen Teil seiner Buchhaltung und Personalabrechnung von einer polnischen Tochtergesellschaft durchführen lässt. Die Bertelsmann-Tochter Arvato Services Polska richtete im August 2004 ihr erstes Callcenter in Polen ein. Zu dem Standort in Szczecin kam später der in Poznan hinzu. Hewlett Packard folgte und investiert von 2005 bis 2010 insgesamt 50 Millionen US-Dollar in ein BPO-Zentrum in Wroclaw, das 1000 Mitarbeiter beschäftigen soll.

IT-Labor für die Region

Die Entwicklung von Software gewinnt in Polen an Bedeutung. Zentren für Informatik und Telekommunikation – IT-Shared Service Centers – entstehen. Microsoft-Gründer Bill Gates kündigte bei seinem Besuch in Warschau Anfang 2006 die Eröffnung eines solchen Entwicklungslabors für die Länder der Region an. Auch Siemens, mit einem großen Softwarezentrum in Wroclaw bereits vertreten, verspricht sich neue Geschäftsmöglichkeiten im IT-Bereich.

„Ein wichtiges Zukunftsfeld ist für uns der Aufbau eines E-Polen: die Ausstattung von Behörden, Unternehmen und Hochschulen mit Informationstechnologie“, sagt Ewa Mikos, Chefin der polnischen Siemens-Tochter. Die meisten Schulen verfügen bereits über Computer und Internetanschluss. In den kommenden Jahren sollen polnische Bürger ihre Korrespondenz mit Behörden und Finanzämtern elektronisch abwickeln.

IBM hat in Krakau ein neues Programmierungslabor eröffnet, das bis Ende 2007 knapp 200 Personen beschäftigen soll. Wie auch von anderen Forschungseinrichtungen wird eine enge Kooperation mit polnischen Hochschulen angestrebt. Dabei geht es den ausländischen Unternehmen vor allem darum, die besten Studenten anzuwerben. Als Lockmittel dienen Stipendien, wissenschaftliche Preise und attraktive Vergütungen. Nach der offiziellen polnischen Statistik lagen die Durchschnittslöhne in der IT-Branche Mitte 2006 bei lediglich 1400 Euro im Monat.

Jan Szomburg, der Vorsitzende des Danziger Forschungsinstituts für Marktwirtschaft, erwartet weiter steigende ausländische Investitionen in Polen mit den Schwerpunkten Dienstleistung sowie Forschung und Entwicklung (F&E). Der Nachholbedarf ist enorm: Unter den 700 EU-Unternehmen mit den höchsten F&E-Ausgaben befanden sich 2004 nur zwei polnische, Telekomunikacja Polska auf Platz 387 und die Telekom-Firma Netia auf Platz 659. Das Danziger Forschungsinstitut hat 39 polnische Regionen auf ihre Attraktivität für Investoren aus den Bereichen Dienstleistungen und neue Technologien untersucht. Auf Platz eins rangiert die Hauptstadt Warschau, gefolgt vom oberschlesischen Ballungsgebiet sowie den Verwaltungsbezirken Wroclaw und Krakow-Tarnow – alles Regionen mit den höchsten Studentenzahlen.

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